Morbus Menière: Studie sieht Ursache in der frühen Entwicklung des Innenohrs8. Juli 2026 Foto: freshidea/stock.adobe.com Liegt die Ursache für Morbus Menière in der frühen Entwicklung des Innenohrs? Eine aktuelle Studie stützt diese These. Deren Autoren konnten entsprechende Entwicklungs-Gene und einen möglicherweise bedeutsamen Signal-Weg identifizieren. Auf Basis der Analyse genetischer Daten von nahezu zwei Millionen Menschen liefert eine aktuelle Studie neue Erkenntnisse zu Morbus Menière. Das Team der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania in Philadelphia (USA) fand Hinweise darauf, dass die Erkrankung teilweise mit der frühen Entwicklung des Innenohrs zusammenhängen könnte. Bislang ging man davon aus, dass Prozesse, die erst im Erwachsenenalter auftreten, Ursache der Erkrankung sind. Die Ergebnisse wurden im „American Journal of Human Genetics“ veröffentlicht. Ursache von Morbus Menière bislang nicht vollständig verstanden Morbus Menière wird seit Langem mit einer krankhaften Flüssigkeitsansammlung im Innenohr in Verbindung gebracht – die zugrunde liegenden Ursachen waren bislang nur bislang unzureichend verstanden. Die aktuelle Studie eines Teams um Erstautor Zhuozheng Shi liefert einen genetischen Rahmen für die Erkrankung und weist auf biologische Signalwege hin, die sowohl Entstehung als auch Symptome erklären könnten. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Morbus Menière nicht lediglich durch ein später im Leben auftretendes Ungleichgewicht der Flüssigkeiten entsteht“, erklärte Prof. Douglas Epstein, Professor und stellvertretender Leiter der Abteilung für Genetik an der University of Pennsylvania. „Stattdessen könnte sie mit subtilen Unterschieden beginnen, die bereits beim Aufbau des Innenohrs entstehen. Diese Unterschiede sind in der Regel gering und liegen innerhalb des normalen Spektrums, könnten aber einige Menschen Jahrzehnte später anfälliger für Probleme machen“, ergänzte der leitende Autor Epstein. Gene der Innenohrentwicklung rücken als Ursache von Morbus Menière in den Fokus Für ihre Analyse kombinierten die Autoren Daten aus fünf großen Biobanken: All of Us, dem Million Veteran Program, der UK Biobank, FinnGen und Biobank Japan. Insgesamt flossen Daten von 8969 von Morbus-Ménière-Fällen und von knapp zwei Millionen Kontrollpersonen. Mithilfe dieses Datensatzes identifizierten die Forschenden fünf Genomregionen, die mit einem Erkrankungsrisiko assoziiert sind. Die Ergebnisse stützen ein Modell, wonach der „Bauplan“ des Innenohrs bereits früh – möglicherweise sogar vor der Geburt – festgelegt wird und kleine genetische Variationen dessen Widerstandsfähigkeit im Laufe des Lebens beeinflussen können. Nach Ansicht der Forschenden verursachen diese frühen Unterschiede allein keine Symptome, könnten jedoch mit Alterungsprozessen, Entzündungen, Gefäßveränderungen oder anderen Umweltfaktoren zusammenwirken und so die typischen Anfälle von Morbus Menière im Erwachsenenalter auslösen. Retinsäure-Signalweg als möglicher Schlüsselmechanismus Neben Entwicklungs-Genen hebt die Studie die Bedeutung eines biologischen Signalwegs hervor, an dem Retinsäure beteiligt ist – sie reguliert die Organentwicklung und den Flüssigkeitshaushalt. Die Forschenden fanden genetische Signale in der Nähe von Genen, die den Retinsäurespiegel kontrollieren. Nach Ansicht der Autoren deutet das darauf hin, dass der Signalweg eine Rolle dabei spielen könnte, wie das Innenohr den richtigen Druck und die Flüssigkeitsdynamik aufrechterhält. „Das gibt uns einen deutlich klareren Ausgangspunkt“, sagte Bogdan Pasaniuc, PhD, Professor für Genetik und leitender Mitautor der Studie. Nun verfüge man über starke Hinweise auf spezifische Signalwege, die von Bedeutung sind. Die Studie zeigte außerdem, dass die Morbus Menière genetische Überschneidungen mit verwandten Erkrankungen wie Hörverlust, Tinnitus, Schwindel, Migräne und Schlafapnoe aufweist. Dies deute darauf hin, dass diese Erkrankungen gemeinsame biologische Ursachen haben könnten, so die Autoren. Genetik erklärt nur einen Teil des Erkrankungsrisikos Trotz dieser Fortschritte betonen die Forschenden, dass genetische Faktoren nur einen kleinen Teil des Gesamtrisikos erklären – etwa sieben Prozent. Daher könnten genetische Tests die Erkrankung derzeit weder vorhersagen noch diagnostizieren. Künftige Forschungsarbeiten werden sich nach Darstellung der Autoren auf Laborstudien mit menschlichen Innenohrmodellen und Tiermodellen konzentrieren, um zu untersuchen, wie diese genetischen Unterschiede die Struktur, Funktion und Flüssigkeitsregulation des Innenohrs beeinflussen. Darüber hinaus seien größere und vielfältigere genetische Studien nötig, um diese Ergebnisse weiter zu präzisieren und ihre potenziellen klinischen Anwendungen zu erforschen.
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