Mortalität aufgrund von Lungenkrebs in Europa: Abflachung der Raten bei Frauen21. Januar 2026 Abbildung: © Mary Long/stock.adobe.com Nachdem die Sterberaten im Zusammenhang mit Lungenkrebs bei Frauen in den Ländern der Europäischen Union (EU) – mit Ausnahme Spaniens – über 25 Jahre lang gestiegen waren, pendeln sich nun laut Prognosen für 2026 auf einem Niveau ein. Die Lungenkrebs-assoziierten Sterberaten bei Frauen in Großbritannien sinken seit einigen Jahren, wenn auch ausgehend von einem höheren Maximum als in der EU. In der EU sind sie in diesem Zeitraum jedoch weiter gestiegen. In einer neuen Studie, die kürzlich in den „Annals of Oncology“ veröffentlicht wurde, prognostizieren Forscher unter der Leitung von Prof. Carlo La Vecchia, dass sich die altersstandardisierte Sterberate für Lungenkrebs bei Frauen in der EU bis 2026 bei etwa 12,5 Todesfällen pro 100.000 Frauen stabilisieren wird. Dies entspreche einem Rückgang von gut fünf Prozent gegenüber dem Zeitraum 2020–2022, wie der Experte für Medizinische Statistik und Epidemiologie an der Universität Mailand (Italien) betont. Positive Entwicklung laut Prognose nur für Frauen bis 64 Jahre Die einzige Ausnahme bildet Spanien, wo die Sterberate für Frauen mit Lungenkrebs bis 2026 voraussichtlich weiter um 2,4 Prozent auf etwa 10 Todesfälle pro 100.000 Frauen steigen wird. Im Vereinigten Königreich wird ein Rückgang der Sterberate für Frauen mit Lungenkrebs um 13,4 Prozent auf 14,85 Todesfälle pro 100.000 Frauen im Vergleich zum Zeitraum 2020–2022 prognostiziert. Laut den Forschenden werden sich diese Verbesserungen jedoch nur bei Frauen bis 64 Jahre bemerkbar machen. Bei älteren Frauen, so sehen die Experten voraus, werde die Lungenkrebssterblichkeit weiter steigen. „Lungenkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebstodesursache in der EU, sowohl bei Männern als auch bei Frauen“, erklärt La Vecchia. „Die Sterblichkeitsrate bei Männern sinkt zwar weiter, wird aber 2026 immer noch fast doppelt so hoch sein wie bei Frauen. In den meisten Ländern scheinen sich die zuvor steigenden Sterberaten bei Frauen zu stabilisieren. Eine Ausnahme ist Spanien, wo ein Anstieg erwartet wird – wenn auch von einem niedrigen Ausgangsniveau.“ La Vecchia fährt fort: „Der Grund dafür ist, dass Männer weltweit in der Vergangenheit früher mit dem Rauchen begonnen haben als Frauen.“ In den USA und Großbritannien hätten Frauen zwar in jüngeren Jahren erstmals zu Zigaretten gegriffen als Frauen in den meisten EU-Ländern, sie hätten aber auch früher wieder dem Rauchen aufgehört, erklärt der Wissenschaftler. „Mittlerweile ist die Raucherquote in den USA und Großbritannien mit unter zehn Prozent niedriger als in der EU. Spanische und französische Frauen haben in der Vergangenheit zwar später mit dem Rauchen angefangen als Frauen in anderen EU-Ländern, dafür aber auch später wieder damit aufgehört. Dasselbe gilt für italienische Frauen, die jedoch ohnehin nie viel geraucht haben.“ Daten zur Krebsmortalität aus ganz Europa Die Forscher analysierten die Krebssterblichkeitsraten in den 27 EU-Mitgliedstaaten (EU-27) insgesamt und separat im Vereinigten Königreich. Sie werteten außerdem Informationen aus den fünf bevölkerungsreichsten EU-Länder aus (Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Spanien) und betrachteten die Krebsarten Magen-, Darm-, Bauchspeicheldrüsen-, Lungen-, Brust-, Gebärmutter- (einschließlich Gebärmutterhals-), Eierstock-, Prostata- und Blasenkrebs sowie Leukämie bei Männern und Frauen. Der Fokus der Forschenden lag dabei speziell auf Lungenkrebs im Jahr 2026. La Vecchia und seine Kollegen sammelten Daten zu Todesfällen aus Datenbanken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Vereinten Nationen (UN) für den Zeitraum von 1970 bis 2022 für den Großteil der EU-27 und das Vereinigte Königreich. 2016 ist das sechzehnte Jahr in Folge, in dem die Forscher diese Prognosen veröffentlichen, die sich über die Jahre als zuverlässig erwiesen haben. Die Forscher prognostizieren für die EU im Jahr 2026 etwa 1.230.000 Todesfälle aufgrund aller Krebsarten, was einer altersstandardisierten Sterberate von 114 pro 100.000 Männer entspricht. Die altersstandardisierte Sterberate liegt bei 74,7 pro 100.000 Frauen, was einen Rückgang von 5,9 Prozent bedeutet. Im Vereinigten Königreich werden 2026 voraussichtlich 172.000 Todesfälle durch Krebs insgesamt zu verzeichnen sein, was einer altersstandardisierten Sterberate von 98 pro 100.000 Männern (Rückgang von 11,25%) und 80 pro 100.000 Frauen (Rückgang von 7,25%) entspricht. Voraussichtlich sinkende Mortalitätsraten für die meisten Krebsarten ‒ mit Ausnahmen Die Sterberaten im Zusammenhang mit den meisten Krebsarten werden in den meisten Ländern voraussichtlich sinken. Ausnahmen werden hier wohl Todesfälle durch Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Frauen in den EU-Ländern (Anstieg um 1%) sowohl Todesfälle durch Darmkrebs bei Frauen im Vereinigten Königreich sein (Anstieg um 3,7%). Die Co-Leiterin der Studie, Prof. Eva Negri von der Universität Bologna (Italien), erklärt: „Wir schätzen, dass seit einem Höchststand im Jahr 1988 insgesamt rund 7,3 Millionen Krebstodesfälle in der EU vermieden wurden und 1,5 Millionen Todesfälle durch Krebs in den EU-Ländern verhindert werden konnten – vorausgesetzt, die Sterberaten blieben auf dem Niveau von 1988 konstant. Bei Männern konnten in diesem Zeitraum insgesamt 1,8 Millionen Todesfälle durch Lungenkrebs vermieden werden, bei Frauen hingegen keine.“ Aufgrund der steigenden Zahl älterer Menschen in der Bevölkerung wird die tatsächliche Zahl der Krebstodesfälle in der EU von 666.924 zwischen 2020 und 2022 auf 684.600 bei Männern im Jahr 2026 und von 534.988 auf 544.900 bei Frauen steigen. Im Vereinigten Königreich bleiben die Todeszahlen jedoch für Männer und Frauen relativ stabil: Die Forschenden geben rund 91.400 Todesfälle bei Männern im Jahr 2026 (gegenüber 91.000) sowie 80.500 bei Frauen (gegenüber 79.980) an. Tabakkontrolle ist immer noch auch Krebsprävention La Vecchia schlussfolgert: „Unsere Ergebnisse unterstreichen die Rolle, die das Rauchen bei der Krebssterblichkeit immer noch spielt.“ Tabakkontrolle sei nach wie vor der Eckpfeiler der Lungenkrebsprävention und spiele auch bei der Prävention anderer Krebsarten wie beispielsweise Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Rolle, betonen die Wissenschaftler. Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums hätten Millionen von Todesfällen durch Rauchen verhindert, würden jedoch in Europa immer noch nicht einheitlich durchgesetzt. „Insgesamt entwickeln sich die Krebssterblichkeitsraten nach wie vor günstig, und die Sterblichkeitsrate bei Bauchspeicheldrüsenkrebs hat sich stabilisiert“, sagt La Vecchia. „Das ist erfreulich, weil sie zuvor gestiegen war. Dies spiegelt wahrscheinlich Fortschritte in Bezug auf die gesundheitsschädlichen Wirkungen von Karzinogenen am Arbeitsplatz und in der Umwelt wider.“ Er ergänzt: „Die Sterblichkeit im Zusammenhang mit Darmkrebs nimmt in Großbritannien und den meisten nordeuropäischen Ländern bei Menschen unter 50 Jahren zu, vermutlich aufgrund von Übergewicht, Adipositas und Diabetes.“ Der Forscher betont auch: „Es bestehen weiterhin Unterschiede in den Krebssterblichkeitsraten zwischen verschiedenen Ländern und Geschlechtern. In einigen Ländern können und sollten Krebsvorsorge, -diagnose und -behandlung verbessert werden, um den jüngsten Fortschritten gerecht zu werden. Dies gilt vor allem für die Länder Mittel- und Osteuropas.“ Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss: „Eine Verschärfung der Besteuerung, die Umsetzung von Werbeverboten, die Schaffung rauchfreier Umgebungen und die Bereitstellung von Unterstützung bei der Raucherentwöhnung sind unerlässlich, um regionale und sozioökonomische Unterschiede zu verringern und eine nachhaltige Senkung der Krebssterblichkeit in ganz Europa zu erreichen. Darüber hinaus bleiben die Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas, die Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten, die Kontrolle des Alkoholkonsums sowie der Ausbau und die Verbesserung der Umsetzung von Bevölkerungsscreenings zur Früherkennung von Gebärmutterhals-, Brust- und Darmkrebs zentrale Strategien der Krebsprävention.“
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