MRD beim Kolorektalkarzinom per ctDNA erkennen: Tumor-agnostische Ansätze gewinnen an Bedeutung

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Mit der optimalen Strategie zur Erkennung einer minimalen Resterkrankung (MRD) bei Patienten mit Kolorektalkarzinom (CRC) haben sich Belén Martínez-Castedo vom INCLIVA Biomedical Research Institute in Valencia, Spanien, und ihre Kollegen befasst.

Wie sie berichten, habe sich die Analyse zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) als minimalinvasive Methode etabliert. Dies ermögliche eine dynamische Risikostratifizierung, die frühere Erkennung eines Rezidivs und eine optimierte postoperative Behandlung.
Nun wurden für den ctDNA-basierten MRD-Nachweis 2 primäre Methoden entwickelt:

  • Tumor-informierte Strategien, die tumorspezifische Mutationen durch initiale Gewebesequenzierung identifizieren und so das ctDNA-Monitoring steuern, und
  • Tumor-agnostische Ansätze, die vordefinierte Panels nutzen, um häufige krebsassoziierte genomische oder epigenomische Veränderungen direkt im Plasma ohne vorherige Gewebeanalyse zu erkennen.

Bislang war allerdings unklar, welche Methode hinsichtlich Sensitivität, Spezifität, Kosteneffizienz und klinischer Durchführbarkeit überlegen ist. In seiner Übersichtsarbeit fasst das Team bis 11/2024 veröffentlichte Studien zusammen, die den Nutzen und die Leistungsfähigkeit Tumor-informierter und -agnostischer Ansätze für die ctDNA-Analyse beim CRC untersuchen.

Wie die Autoren berichten, hätten beide Strategien in der postoperativen Risikostratifizierung und bei der Entscheidungsfindung zur adjuvanten Chemotherapie klinischen Nutzen gezeigt. Allerdings wiesen Tumor-informierte Ansätze aufgrund ihres personalisierten Tumorprofildesigns im Allgemeinen eine höhere Sensitivität und Spezifität für die Vorhersage von Rezidiven auf.

Diese Methoden sind jedoch durch die Notwendigkeit einer vorherigen Gewebesequenzierung und die damit verbundenen höheren Kosten eingeschränkt. Tumor-agnostische Ansätze bieten hingegen aufgrund ihrer reinen Plasmaanalyse eine breitere Anwendbarkeit, weisen jedoch eine relativ geringere Sensitivität auf. Technologische Fortschritte, einschließlich Fragmentomik und Multiomik-Integrationen, erweitern die Möglichkeiten der ctDNA-basierten MRD-Erkennung und verbessern die Leistung beider Ansätze.

Während Tumor-informierte Strategien derzeit eine höhere Präzision in der MRD-Erkennung böten, gewännen Tumor-agnostische Ansätze aufgrund ihrer Nutzerfreundlichkeit und verbesserten Leistungskennzahlen an Bedeutung, schlussfolgern die Autoren. Die Integration neuartiger Technologien in laufende klinische Studien könnte den optimalen Ansatz für die MRD-Erkennung bei CRC neu definieren und den Weg für personalisiertere und adaptivere Patientenmanagement-Strategien ebnen.

Autoren: Martínez-Castedo B et al.
Korrespondenz: Dr. Noelia Tarazona; [email protected]
Studie: Minimal residual disease in colorectal cancer. Tumor-informed versus tumor-agnostic approaches: unraveling the optimal strategy
Quelle: Ann Oncol 2025;36(3):263-276.
Web: doi.org/10.1016/j.annonc.2024.12.006