MS: Endogenes Retrovirus maßgeblich an Schädigung des Nervengewebes beteiligt1. Juli 2019 Eine grün markierte mikrogliale Zelle kontaktiert und attackiert myelinisierte Axonfortsätze (rot) in dem von den Autoren beschriebenen axonalen Schädigungsszenario. Im Beisein des HERV-W-Hüllproteins führt diese Interaktion zu axonalem Schaden. Die blauen Strukturen entsprechen Zellkernen. (Fotograf: HHU/Joel Gruchot/Patrick Küry) Ein Düsseldorfer Forscherteam hat zusammen mit Kollegen aus Cleveland (USA) und Montreal (Kanada) einen neuartigen Schädigungsmechanismus bei der Multiplen Sklerose identifiziert, der möglicherweise für Patienten mit progressiver MS (PMS) von hoher Relevanz ist. Prof. Patrick Küry von der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Kollegen stellten fest, dass bei der Multiplen Sklerose (MS) das Hüllprotein (ENV) des pathogenen humanen endogenen Retrovirus Typ W (pHERV-W) das Nervengewebe maßgelblich schädigt. „Das ENV-Protein bringt Mikrogliazellen im ZNS dazu, myelinisierte Axone anzugreifen und zu schädigen”, erklärte PD Dr. David Kremer, Erstautor der Studie. Parallel zur wissenschaftlichen Aufklärung des Schädigungsmechanismus werden auch klinisch-therapeutische Entwicklungen, die das schädigende ENV-Protein bei MS Patienten neutralisieren können, vorangetrieben. Bereits in zwei klinischen Studien unter Leitung von Prof. Hans-Peter Hartung wurde der ENV-neutralisierende Antikörper Temelimab dazu erfolgreich getestet. MRT-Aufnahmen der behandelten Studienteilnehmer zeigten eine verminderte Schädigung des Nervengewebes. Die Düsseldorfer Forscher und ihre Kollegen können somit erklären, warum die Neurodegeneration bei Patienten abnimmt, die mit Temelimab behandelt wurden: Der Antikörper bindet spezifisch an das ENV-Protein des Retrovirus und blockiert seine Aktivität im ZNS. „Künftige klinische Studien bei progressiven MS-Patienten müssen nun zeigen, ob die Behandlung mit Temelimab auch die klinischen Symptome der MS, die in Folge von Neurodegeneration auftreten, verbessern kann”, erklärte Hartung. Originalpublikation: Kremer D. et al.: pHERV-W envelope protein fuels microglial cell-dependent damage of myelinated axons in multiple sclerosis. Proc Natl Acad Sci USA, 18. Juni 2019
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