Mütter in belasteten Lebenslagen stillen seltener und kürzer25. November 2022 Foto: © kapinon – stock.adobe.com Frauen in psychosozial und materiell belasteten Lebenslagen stillen seltener und kürzer, dies ergab die aktuell veröffentlichte Studie des Netzwerks Gesund ins Leben. Die Studie „Stillförderung bei Müttern in belasteten Lebenslagen – Ergebnisse einer qualitativen Zielgruppenanalyse“ erhob die subjektiven Beweggründe dieser Zielgruppe, ihre Lebensrealitäten, Erfahrungen, Bedarfe und Bedürfnisse sowie Wünsche im Still-Kontext. Die Erkenntnisse sind wertvoll, um Familien in belasteten Lebenslagen besser zu erreichen und zu unterstützen. Bisher gab es kein tiefergehendes Verständnis, welche Ursachen und Motive diese Mütter seltener und kürzer stillen lassen. Die Ergebnisse der Studie: Mütter in belasteten Lebenslagen weisen eher negativ geprägte Stillerfahrungen auf. Eine externe Stillvorbereitung hat kaum stattgefunden, reale und mediale Vorbilder und Unterstützerinnen und Unterstützer sind selten. Objektive Vorteile des Stillens werden vielfach als unzutreffend zurückgewiesen.Das Fazit der Studie: Insbesondere für Frauen in belasteten Lebenslagen ist Stillen ein emotionales und sensibles Thema. Eine möglichst frühzeitige, umfassende und individuelle Stillberatung und -begleitung – bereits in der Schwangerschaft oder auch schon früher – wäre hilfreich. Da eine Stillintention schon sehr früh geprägt wird, sollte das Thema Stillen im gesamten Lebenslauf präsenter sein, beispielsweise durch eine verstärkte, auch mediale Präsenz öffentlich Stillender. Zudem sollte der stigmasensible Umgang mit dem Thema Stillen gefördert werden: Mütter sollen sich beispielsweise bei der Wahl der Ernährungsform ihres Säuglings nicht unter Druck gesetzt fühlen.Bei der qualitativen Zielgruppenanalyse des Netzwerks Gesund ins Leben wurden in zwei Fokusgruppengesprächen 14 Teilnehmerinnen mit niedrigem und mittlerem Sozialstatus sowie keiner und kurzer Stilldauer insbesondere zu folgenden Themen befragt: Wissen und Einstellungen zu Säuglingsernährung und Stillen, Stillen in der Öffentlichkeit; Stillmotivation und tatsächliches Stillverhalten; Inanspruchnahme von Angeboten der Vorsorge, Prävention und Gesundheitsförderung rund um die Geburt; analoges und digitales Informationsverhalten sowie -quellen; Wünsche, Anregungen und Vorstellungen zu Informationen sowie Angeboten rund um das Thema Säuglingsernährung und/oder Stillen. Zudem wurden in zwei Vergleichsgruppen weitere 19 Teilnehmerinnen zu diesen Themen interviewt.Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit sind sensible Lebensphasen. Hier werden zentrale Weichen für die spätere Gesundheit gestellt. Das trifft insbesondere auch auf eine ausgewogene und gesundheitsförderliche Ernährung zu. Für Säuglinge ist Stillen die bevorzugte und natürliche Ernährungsform. Die signifikant protektiven Effekte für die Gesundheit von Mutter und Kind sind wissenschaftlich belegt – Stillen hat eine hohe Bedeutung. Die aktuelle deutsche Empfehlung zum Stillen lautet, dass Säuglinge ein halbes Jahr, mindestens jedoch bis zum Beginn des fünften Monats, ausschließlich gestillt werden sollen. Die aktuelle Stillquote in Deutschland ist verbesserungswürdig und weist zudem einen starken sozialen Gradienten auf: Laut KiGGS-Studie beträgt die ausschließliche Stillquote mit vier Monaten bei Müttern mit einfacher Bildung 21 Prozent im Vergleich zu 35 Prozent bei Müttern mit mittlerer und 50 Prozent mit hoher Bildung.
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