Die Rate der Infertilität durch Endometriose sinkt, aber Fallzahlen steigen weiter15. September 2026 Symbolbild © Hannet/stock.adobe.com Die altersstandardisierte Rate der Infertilität durch Endometriose ist weltweit seit 1990 deutlich gesunken. Gleichzeitig stieg die Zahl der betroffenen Frauen um 9,1 Prozent auf 1,19 Millionen. Wie stark Endometriose weltweit zur Infertilität beiträgt, war bislang unklar. Eine neue, in der Fachzeitschrift „Reproductive and Developmental Medicine“ veröffentlichte Analyse zeichnet ein gemischtes Bild: Die Bevölkerungsrate der mit Endometriose verbundenen Infertilität ist deutlich gesunken, gleichzeitig nimmt die Zahl der betroffenen Frauen weiter zu. Auf der Grundlage von Daten der Studie „Global Burden of Disease 2021“ (GBD 2021) untersuchten Forschende Schätzwerte für Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren in 204 Ländern und Gebieten für den Zeitraum von 1990 bis 2021. Die Zahl der Frauen, die unter endometriosebedingter Unfruchtbarkeit leiden, stieg um 9,1 Prozent von 1,09 Millionen auf 1,19 Millionen an. Gleichzeitig sank die altersstandardisierte Prävalenzrate um etwa 28 Prozent. „Der Rückgang der Rate ist ermutigend, doch der anhaltende Anstieg der Fallzahlen zeigt, dass der Gesamtbedarf an medizinischer Versorgung trotz der Fortschritte nicht zurückgegangen ist“, erklärt die korrespondierende Autorin Wen-Wen Wang. „Neben Verbesserungen bei Diagnose und Behandlung müssen auch das Bevölkerungswachstum und sich wandelnde reproduktive Verhaltensweisen berücksichtigt werden.“ Sekundäre Infertilität gewinnt an Bedeutung Die Analyse zeigte zudem eine Verschiebung bei der Form der Infertilität mit der größten Krankheitslast. Die primäre Infertilität, also Schwierigkeiten, erstmals schwanger zu werden, nahm in absoluten Zahlen leicht ab. Dagegen stieg die sekundäre Infertilität – Schwierigkeiten, nach einer vorausgegangenen Schwangerschaft erneut schwanger zu werden – an und machte 2021 den größten Anteil der endometriosebedingten Infertilität aus. Frauen im Alter von 25 bis 29 Jahren trugen durchgehend den größten Anteil an der weltweiten Krankheitslast. Gleichzeitig stiegen die Fallzahlen auch bei Frauen zwischen 30 und 49 Jahren. Ein späterer Kinderwunsch, eine längere Exposition gegenüber Entzündungsprozessen und der altersbedingte Rückgang der ovariellen Reserve könnten zu diesen Mustern beitragen. Große regionale Unterschiede Auch regional zeigten sich deutliche Unterschiede. Die höchsten Fallzahlen betrafen Indien, China und Indonesien, was teilweise auf die hohe Bevölkerungszahl dieser Länder zurückzuführen ist. Die Raten waren generell in Regionen mit niedrigeren Werten des Soziodemografischen Index (SDI) höher. Der Index berücksichtigt unter anderem Einkommen, Bildung und Fertilitätsbedingungen. Unterschiede beim Zugang zu Diagnostik, Kinderwunschbehandlung und Endometrioseversorgung könnten ebenfalls zu den regionalen Unterschieden beitragen. „Endometriosebedingte Infertilität ist kein einheitliches globales Problem“, so Wang. „Strategien müssen den lokalen Zugang zur Gesundheitsversorgung, die reproduktiven Verhaltensweisen sowie die zunehmende Bedeutung der sekundären Unfruchtbarkeit berücksichtigen.“ Bedarf an reproduktionsmedizinischer Versorgung Die Ergebnisse könnten Gesundheitssystemen dabei helfen, reproduktionsmedizinische Angebote gezielter auf Altersgruppen und Regionen mit besonders hoher Krankheitslast auszurichten. Eine frühere Erkennung der Endometriose, ein besserer Zugang zu Behandlung und Beratung zur Fertilitätserhaltung sowie eine leistungsfähigere reproduktionsmedizinische Infrastruktur könnten dazu beitragen, die Auswirkungen der Erkrankung zu verringern. Eine kontinuierliche Beobachtung der Entwicklung bleibt wichtig, da Bevölkerungswachstum und ein späterer Kinderwunsch den zukünftigen Versorgungsbedarf beeinflussen können. (lj/BIERMANN) Lesen Sie mehr zum Thema Endometriose: Neuer Bluttest für Endometriose basierend auf hormonellen Unterschieden Frauen mit Endometriose haben ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes
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