Mütter mit Bindungsstörung: Lässt sich Freude am eigenen Baby erlernen?16. Juli 2019 Dr. Monika Eckstein wurde mit dem Anita- und Friedrich-Reutner-Preis der Medizinischen Fakultät Heidelberg ausgezeichnet. (Foto: Universitätsklinikum Heidelberg) Dr. Monika Eckstein erforscht am Zentrum für Psychosoziale Medizin Heidelberg die Effekte von Neurofeedback auf die Mutter-Kind-Interaktion und wurde dafür nun mit dem Anita- und Friedrich-Reutner-Preis der Medizinischen Fakultät Heidelberg ausgezeichnet. Der Kontakt zu einem vertrauten Mitmenschen tut gut und baut Stress ab, dafür sorgt das Gehirn durch die Aktivierung des internen Belohnungssystems und Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin. Doch wie lässt sich Personen helfen, bei denen dieser Mechanismus gestört ist? Dieser Frage geht am Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg die Psychologin Dr. Monika Eckstein nach und ist dafür nun mit dem Anita- und Friedrich-Reutner-Preis der Medizinischen Fakultät Heidelberg ausgezeichnet worden. In einer aktuellen Studie untersucht die Nachwuchswissenschaftlerin, ob bei Müttern, die keine enge Bindung zu ihrem Baby aufbauen können, dieser positive Rückkopplungsmechanismus durch gezieltes Training mittels Neurofeedback aktiviert werden kann. Weitere Projekte sind in Planung. „Dr. Monika Eckstein forscht sehr engagiert in einem für die psychotherapeutische Versorgung wichtigen Themenbereich, denn die Frage nach der Bindungsfähigkeit spielt bei fast allen psychischen Beschwerden eine Rolle. Ihre Arbeit ist beispielhaft für die Translation von Erkenntnissen aus der neurobiologischen Forschung hin zu klinischen Interventionen. Ich hoffe, dass der Preis sie auf ihrem Weg bestärkt“, sagte Prof. Andreas Draguhn, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg, anlässlich der Preisverleihung am 13. Juli 2019. Mit dem jährlich vergebenen und mit 10.000 Euro dotierten Preis unterstützen die Stifter Prof. Friedrich Reutner – Ehrensenator der Universität Heidelberg – und seine Frau Anita Reutner Nachwuchswissenschaftlerinnen der Medizinischen Fakultät Heidelberg, die noch keine etablierte Position innehaben, in ihren Forschungsvorhaben. Insbesondere werden solche Leistungen ausgezeichnet, die klinisch relevante Forschungsfragen aufgreifen. Beziehung zu Mitmenschen: Erlernt und über Hormone vermittelt Eckstein beschäftigt sich bereits seit ihrer Promotion mit den Wechselwirkungen zwischen Lernerfahrung und Oxytocin in der sozialen Interaktion und konnte in einer Studie mit Freiwilligen unter anderem zeigen, dass Oxytocin die Verknüpfung von Gesichtern mit Furcht oder auch dem Gefühl von Sicherheit unterstützt. Derzeit untersucht sie im Rahmen einer von der Dietmar Hopp Stiftung geförderten Studie, ob sich ihre bisherigen Erkenntnisse nutzen lassen, um Müttern zu helfen, die im Kontakt zu ihrem Baby Schwierigkeiten haben, positive Gefühle zu empfinden. „Mütter mit einer solchen postpartalen Bindungsstörung leiden sehr unter der Situation. Therapeutische Unterstützung würde nicht nur die Lebensqualität der Mütter verbessern, sondern auch die psychisch gesunde Entwicklung der Kinder fördern“, erläutert Eckstein. In der Studie testet sie die Wirksamkeit eines wiederholten Neurofeedbacks mittels funktioneller MRT: Die Mütter sind während der Messung im MRT aufgefordert, die Aktivität in einem bestimmten Hirnareal willentlich zu steigern, z. B. indem sie an eine beglückende oder lustige Situation mit dem Kind zurückdenken. Gleichzeitig erhalten sie in Echtzeit eine Rückmeldung über die Aktivität des Belohnungszentrums im Gehirn bei diesen Gedanken: „Die Probandinnen lernen, beim Anblick ihres Kindes eine spezifische Gehirnaktivität zu erzeugen und damit positive Gefühle aufzurufen. Wir hoffen, dass das Gehirn auf diese Weise lernt, den Kontakt zum Kind insgesamt positiv zu verknüpfen, und durch Oxytocin- und auch Dopamin-Ausschüttung die Mutter-Kind-Bindung gefestigt wird“, beschreibt die Psychologin die Ziele des Projekts. Darüber hinaus hat sie bereits Pläne für zukünftige Projekte: „Es könnte durchaus lohnend sein, Partnerschaft und soziales Umfeld im medizinischen und therapeutische Kontext zu berücksichtigen: So könnten die stress- und schmerzlindernden Effekte von sozialer Interaktion mit Partner und Familie in Therapien nutzbar gemacht werden. Dies möchte ich zukünftig noch weiter fokussieren.“
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