Mukoviszidose: Dreifachtherapie ist im frühen Kindesalter besonders wirksam1. Oktober 2026 Darmschleimhaut mit ihren charakteristischen Einstülpungen, den Darmkrypten. (Quelle: © Gräber/Charité) Seit 2020 gibt mit der sogenannten Dreifachtherapie eine ursächliche Behandlung der Mukoviszidose, die mittlerweile auch für Kinder ab zwei Jahren zugelassen ist. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass diese Therapie im frühen Kindesalter besonders wirksam ist. Menschen mit Mukoviszidose kämpfen mit zähem Schleim in der Lunge, häufigen Atemwegsinfekten sowie Problemen mit der Bauchspeicheldrüse, der Leber und dem Darm. „Der Grund dafür ist, dass durch einen Gendefekt die CFTR-Kanäle, die den Wasser- und Salzhaushalt in Schleimhäuten regulieren, nicht oder nur unzureichend funktionieren“, erklärt Dr. Simon Gräber, Leiter der Nachwuchsgruppe „Präzisionsmedizin bei Mukoviszidose“ an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin der Charité. „Bis vor wenigen Jahren war die Lebenserwartung der Betroffenen deutlich eingeschränkt. Mit der seit 2020 verfügbaren Dreifachtherapie haben sich sowohl Lebenserwartung als auch Lebensqualität der Patientinnen und Patienten dramatisch verbessert.“ Seit 2022 ist die Therapie – eine Kombination aus den drei Wirkstoffen Elexacaftor, Tezacaftor und Ivacaftor – für Kinder ab sechs Jahren und seit 2023 für Kinder ab zwei Jahren zugelassen. Erster Hinweis im Schweißtest Aus Studien bei Jugendlichen und Erwachsenen ist bekannt, dass die Dreifachtherapie die Funktion der CFTR-Kanäle auf etwa 50 Prozent wiederherstellen kann. Direkte Messungen der CFTR-Kanalfunktion bei Kindern lagen bislang noch nicht vor. Klinische Studien zeigten allerdings, dass das Kombipräparat bei Kindern im Schweißtest zu stärkeren Verbesserungen führte als dies bei älteren Patienten der Fall war. „Mit unserer Studie wollten wir diesem Hinweis nachgehen und auf Funktionsebene untersuchen, in welchem Ausmaß die Dreifachtherapie die CFTR-Kanäle bei Kindern wiederherstellt, und ob dieser Effekt stärker ausgeprägt ist als bei Erwachsenen“, erklärt Prof. Marcus Mall, Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin der Charité. Funktionsstörung bei Kindern nahezu vollständig korrigiert Unter Federführung der Charité wurden 26 Kinder mit Mukoviszidose im Alter von zwei bis elf Jahren untersucht, die mindestens einen der häufigsten krankheitsverursachenden Gendefekte (die F508del-Mutation) aufwiesen. Vor Beginn der Behandlung sowie nach vier Monaten wurde die Lungenfunktion gemessen, der Schweißtest durchgeführt sowie Ernährungsparameter erhoben. Zudem wurden in einem schmerzfreien Verfahren kleine Proben der Darmschleimhaut entnommen. Diese überführten die Forschenden in ein Nährmedium und führten Strommessungen zur Funktionsuntersuchung der CFTR-Kanäle in der Schleimhaut durch.„Das Ergebnis war erstaunlich: Die Dreifachtherapie stellte die Funktion der CFTR-Kanäle auf 90 bis 100 Prozent wieder her“, berichtet Gräber. „Dass die mit der Dreifachtherapie behandelten Kinder nahezu Normalwerte haben, also Werte wie sie Kinder ohne Mukoviszidose aufweisen, das hatten wir tatsächlich nicht erwartet“, ergänzt Mall. „Ein solch positiver Befund zur funktionellen Wirksamkeit der Dreifachtherapie bei Kindern ist schon sehr besonders und macht Hoffnung.“ Je jünger, umso wirksamer Die in der Studie erhobenen Daten verglichen die Forschenden mit Ergebnissen einer vorangegangenen Studie, die sie zuvor mit derselben Methodik bei Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt hatten. „Im Vergleich war die Wiederherstellung der CFTR-Funktion bei jüngeren Kindern deutlich stärker ausgeprägt als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Wir konnten hier eine klare Altersabhängigkeit ausmachen: je jünger, umso wirksamer“, erklärt Gräber. „Wenn durch die frühe Therapie im Kindesalter künftig Krankheitsprozesse sowie damit einhergehende irreversible Gewebeveränderungen und Funktionsstörungen – insbesondere in der Lunge – verhindert werden können, wäre das großartig.“Die Ergebnisse der vorliegenden Studie passen zu denen einer vorangegangenen Studie, in der das Forschungsteam um Mall bereits zeigen konnte, dass Kinder stark von der Dreifachtherapie profitieren, da sich bei ihnen sowohl die Lungenfunktion als auch Veränderungen im Lungengewebe verbesserten. „Mit unserer aktuellen Studie liefern wir jetzt über die Funktionsverbesserung des CFTR-Kanals eine mechanistische Erklärung dafür, warum ein früher Therapiebeginn besonders vielversprechend ist“, betont Mall.In weiterführenden Untersuchungen möchte das Charité-Team mit Hilfe von Einzelzellanalysen in Schleimhautzellen hineinzoomen und untersuchen, wie die Dreifachtherapie auf molekularer Ebene wirkt. Sollte die Dreifachtherapie künftig bereits für Kinder ab dem 1. Lebensjahr zugelassen werden, wollen die Forschenden untersuchen, ob ein noch früherer Behandlungsbeginn krankheitsbedingte Veränderungen möglicherweise noch besser verhindern kann. Lesen Sie außerdem zum Thema Mukoviszidose: Zehn Jahre Neugeborenen-Screening auf Mukoviszidose – Eine Bilanz Präzisere Diagnosen bei Mukoviszidose sind möglich: Wie Gensequenzierung helfen kann
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