Multimodaler Therapieansatz bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit: Neues Zertifizierungsverfahren10. Juni 2022 Foto: ©MQ-Illustrations – stock.adobe.com Für Patienten, die an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (paVK) leiden, kann ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik eine enorme Verbesserung der Lebensqualität bedeuten. Wichtig ist, dass die Klinik tatsächlich dafür spezialisiert ist. Dabei soll jetzt ein neues Zertifizierungsverfahren helfen. Patienten mit paVK leiden zum einen an der Einschränkung der Gehfähigkeit auf Grund der atherosklerotisch bedingten Verkürzung der Gehstrecke und haben zum anderen die höchste kardiovaskuläre Mortalität. Dieser Aspekt wird häufig unterschätzt und führt zu einer deutlich schlechteren Einstellung der Risikofaktoren bei dieser Patientengruppe. Auch werden den Patienten die konservativen Therapieansätze wie das Gefäß- und Gehtraining leider noch nicht flächendeckend entsprechend der anders lautenden wissenschaftlichen Datenlage angeboten. Unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA) und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitation und Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. (DGPR) wurde ein spezifisches angiologisches leitliniengerechtes Rehabilitationsangebot entwickelt, welches es den Patienten ermöglicht, durch professionell geschulte Therapeuten und Ärzte das Leben mit dieser chronischen Erkrankung eigenständig und nachhaltig positiv zu beeinflussen. Um eine qualitätsgerechte und bedarfsgerechte Versorgung in der Rehabilitation zu gewährleisten, wurden Kriterien der Fachgesellschaften zusammengestellt, bei deren Erfüllung das Zertifikat „Rehabilitationsklinik mit Gefäßexpertise“ erlangt werden kann. Zusätzlich wurde ein Ausbildungsmodul für Ärzte und Sporttherapeuten in der Rehabilitation geschaffen, welches diesen eine „Gefäßexpertise“ bescheinigt und welche dann im Sinne der Patienten angewendet werden kann. Erfolg durch interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Reha So erlernen und erleben die Patienten in der Rehabilitation, begleitet durch ein multiprofessionelles Team, bestehend aus Ärzten, Sporttherapeuten, Psychologen, Ernährungsmedizineren, Sozialarbeiteren und letztendlich auch selbstwirksam in der Gruppe mit Patienten der gleichen Erkrankung den Effekt der konservativen Therapie. „Sie erleben eine bis zu 200%ige Verbesserung der Gehstrecke innerhalb des Rehabilitationsaufenthaltes und lernen durch Selbstmanagement der kardiovaskulären Risikofaktoren diese nachhaltig zu reduzieren – einschließlich der Notwendigkeit bestimmter Medikamente“, sagt Dr. Gesine Dörr, die an der Entwicklung des Zertifikats maßgeblich mitgewirkt hat. „Die Patientinnen und Patienten bekommen außerdem psychologische Unterstützung bei häufig krankheitstypischer depressiver Stimmungslage und erhalten Beratung bei der beruflichen und sozialen Wiedereingliederung.“ Dieses umfassende Programm ist für die Patienten in keinem anderen medizinischen Sektor so vollumfänglich innerhalb eines definierten Zeitpunktes nachhaltig erlebbar. „Die Wirksamkeit dieses Therapieansatzes ist für viele chronische Erkrankungen, wie der koronaren Herzerkrankung, belegt. Ursprünglich wurde die kardiovaskuläre Rehabilitation durch Gefäßmediziner initiiert, geriet dann für die paVK bedauerlicherweise zunehmend in Vergessenheit“, so Dörr. Qualitätsstandards in der angiologischen Reha dringend notwendig Die aktuelle wissenschaftliche Evaluation der Zertifizierung wird unter der Leitung von PD Dr. Karin Meng (Universität Würzburg) durchgeführt und von der Deutschen Rentenversicherung Bund gefördert. Die Datenerhebung zur angiologischen Rehabilitation ist hinsichtlich der Wirksamkeit in Bezug auf den sozialmedizinischen Outcome und den Verlauf der Erkrankung bedeutsam. „In der Rehabilitation gibt es von den Kostenträgern, führend der Deutschen Rentenversicherung, für viele chronische Erkrankungen, z.B. der koronaren Herzerkrankung, Therapievorgaben und eine qualitätsgerechte Vergütung. Da bisher jedoch kaum Patientinnen und Patienten mit paVK in den wenigen spezialisierten Kliniken behandelt wurden, bestand keine Notwendigkeit Qualitätsstandards zu entwickeln und diese dann auch zu vergüten,“ erläutert Meng. Daher haben die Fachgesellschaften die Initiative übernommen, diese Standards zu formulieren, Kliniken zu ertüchtigen und Patienten und Ärzte zu ermutigen, dieses spezialisierte Angebot anzunehmen und zu verordnen. „Das Zertifikat ‚Rehabilitationsklinik mit Gefäßexpertise‘ soll für die vielen Gefäßpatienten in Deutschland zu einer besseren Versorgung beitragen, um ihnen die bestmögliche Lebensqualität zu garantieren.“
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