Multiples Myelom: Ultra-Niedrigdosis-Strahlentherapie lindert Knochenschmerzen5. Oktober 2026 Foto: Joa Souza/stock.adobe.com Eine kurze, Ultra-Niedrigdosis-Strahlentherapie reduziert Knochenschmerzen beim Multiplen Myelom (MM), nahezu ohne Nebenwirkungen. Dieses Studienergebnis legt eine frühzeitige Überweisung zur palliativen Strahlentherapie nahe. In der klinischen Phase-II-Studie unter Leitung von Prof. Leslie Ballas, Radioonkologin am Cedars-Sinai in Los Angeles (USA) führte eine Ultra-low-dose-Strahlentherapie zu einer über einen längeren Zeitraum anhaltende Schmerzlinderung. Dabei reichten ein oder zwei Sitzungen aus. Den meisten Patienten verschaffte die Behandlung ausreichende Linderung. Dabei erreichten 81 Prozent eine Schmerzkontrolle ohne zusätzliche Bestrahlung. Die Nebenwirkungen beschränkten sich auf leichte Müdigkeit. Die Studienergebnisse wurden auf der Jahrestagung der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) 2026 vorgestellt. „Das Multiple Myelom spricht äußerst gut auf eine Strahlentherapie an, und unsere Studie zeigt, dass bereits eine sehr niedrige Dosis bei den meisten Patienten mit unkomplizierten Knochenläsionen eine deutliche Schmerzlinderung bewirken kann“, fasste Ballas die Studienergebnisse zusammen. Die Behandlungsdauer sei kurz und es würde nur eine niedrige Dosis verwendet – für Ballas zwei Faktoren, durch die es Ärzten leichter falle, Patienten frühzeitig zu überweisen. Diese müssten dann nicht mit Schmerzen leben, während sie darauf warten, dass andere Behandlungen anschlagen. Multiples Myelom: Patienten mit Knochenläsionen erhalten palliative Strahlentherapie oft zu spät Obwohl die Strahlentherapie häufig zur Linderung schmerzhafter Knochenläsionen beim MM eingesetzt wird, werden Patienten oft zu einem späteren Zeitpunkt ihrer Behandlung überwiesen. Grund sind zum Teil nach Ansicht der ASTRO Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Strahlentherapie auf das gesunde Knochenmark. Dazu kämen logistische Herausforderungen bei der Koordination der Strahlentherapie mit einer systemischen Therapie. Allerdings können bereits niedrige Dosen Knochenschmerzen beim MM bereits wirksam behandeln. Die Belastung für das gesunde Knochenmark bleibt begrenzt. Ballas et al. haben in ihrer Studie untersucht, ob eine Ultra-Niedrigdosis-Strahlentherapie Schmerzen durch Knochenläsionen beim MM ausreichend lindert. Für ähnlich strahlenempfindliche Lymphome gibt es entsprechende Erfahrungen. „Das Ziel ist es, mit einer Dosis zu beginnen, die ausreicht, um Schmerzen zu lindern, aber niedrig genug ist, um das Knochenmark zu schonen und Spielraum für eine eventuelle Erhöhung der Strahlendosis zu lassen“, erläuterte Ballas. Diese Flexibilität könnte Patienten helfen, bereits früh Zugang zur Strahlentherapie zu bekommen und sich trotzdem zukünftige Therapieoptionen offen zu halten, so die Expertin weiter. Entweder ein oder zwei Sitzungen mit sehr niedriger Dosis An der prospektiven, einarmigen Phase-II-Studie nahmen Patienten aus sieben Einrichtungen teil. Teilnahmeberechtigt waren Patienten mit schmerzhaften Knochenläsionen, die jedoch keine Rückenmarkskompression, keine pathologische Fraktur eines Röhrenknochens oder andere akute Komplikationen verursachten. Die Teilnehmer erhielten 4 Gy Strahlung, entweder als eine Behandlung mit 4 Gy oder als zwei Behandlungen mit jeweils 2 Gy. Das Team um Ballas bewertete das Schmerzansprechen bei 63 auswertbaren Patienten nach vier und acht Wochen sowie nach sechs Monaten anhand der von den Patienten angegebenen Werte des „Brief Pain Inventory“ (BPI) und anhand der oral verabreichten Morphin-Äquivalentdosis (OMED). Die Basis der Bewertung bildeten internationale Konsenskriterien für die palliative Strahlentherapie. Der primäre Endpunkt war das von den Patienten angegebene Schmerzansprechen nach vier Wochen. Patienten, bei denen keine ausreichende Schmerzkontrolle erreicht wurde, konnten ab vier Wochen nach ihrer ersten Behandlung eine zusätzliche Strahlentherapie erhalten. Ultra-Niedrigdosis-Strahlentherapie: Nebenwirkungen mild und selten Von einer Schmerzlinderung innerhalb ihres ersten Behandlungsmonats profitieren drei von fünf Patienten. Nach sechs Monaten waren es bereits vier von fünf. Bei den Patienten, welche die Fragebögen ausgefüllt hatten, betrug die Schmerzreduktion 4 Wochen nach der Behandlung 66 Prozent, nach acht Wochen 64 Prozent und nach sechs Monaten 86 Prozent. Die mediane Zeit bis zur Schmerzlinderung lag bei 36 Tagen und die mediane Dauer der Schmerzlinderung bei 148 Tagen. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Patienten in einer Sitzung oder in zwei Sitzungen behandelt worden waren – die Ergebnisse fielen ähnlich aus. Insgesamt erhielten 19 Prozent der Patienten eine zweite Strahlentherapie an derselben Stelle, im Median 71 Tage nach der Erstbehandlung. Nach der erneuten Bestrahlung lag die Schmerzansprechrate nach vier Wochen bei 63 Prozent. Nebenwirkungen traten selten und in milder Form auf; vier Patienten litten unter Müdigkeit des Grades 1 bis 2. Ein Patient berichtete über leichte strahlenbedingte Hautveränderungen. Meist Symptomkontrolle ohne weitere Strahlentherapie möglich Wie Ballas berichtete, habe die anfängliche Ultra-Niedrigdosis-Strahlentherapie für viele Patienten ausgereicht, um die Symptome ohne weitere Strahlentherapie zu kontrollieren. „Vier von fünf Patienten benötigten nach der ersten Behandlung keine weitere Strahlentherapie mehr, was uns zeigt, dass diese Strategie eine wirksame Schmerzbekämpfung ermöglicht, ohne andere Behandlungen zu unterbrechen und fast ohne Nebenwirkungen für den Patienten,“ ergänzte die leitende Autorin. Nach Ansicht der Autoren sind die Ergebnisse besonders wichtig für MM-Patienten, die häufiger eine palliative Strahlentherapie benötigen, weil bei ihnen im Lauf der Zeit mehrfach schmerzhafte Knochenläsionen auftreten. Zudem lasse sich die Strahlentherapie leichter in die systemische Behandlung integrieren und ermögliche eine intakte Knochenmarkfunktion. „Praktische und flexible Strategie“ für die klinische Routine-Versorgung Ballas räumte ein, dass es sich zwar um eine relativ kleine Studie handele, allerdings lägen jetzt prospektive Daten aus mehreren Einrichtungen vor, die zeigen, dass der Ansatz eine signifikante Schmerzlinderung bei minimalen Nebenwirkungen ermögliche. „Das macht ihn zu einer praktischen und flexiblen Strategie für die routinemäßige klinische Versorgung,“ ergänzte Ballas. Sie skizzierte auch die nächsten Schritte. Zum einen sei es sinnvoll herauszufinden, ob MM-Patienten bereits in einem frühen Krankheitsstadium – bevor die Schmerzen zu stark werden – von einer Ultra-Niedrigdosis-Strahlentherapie profitieren. Zum anderen gehe künftig auch darum, zu ermitteln, welche Läsionen am ehesten auf diesen Behandlungsansatz ansprechen. (ja/BIERMANN) Auch interessant: Therapie des Multiplen Myeloms: Risiken und Nebenwirkungen besser kalkulieren Multiples Myelom: Doppelter Angriff auf entartete B-Zellen
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