Shwachman-Diamond-Syndrom: Frühzeitige Stammzelltransplantation verbessert die Überlebenschancen

Eine frühzeitige Stammzelltransplantation kann die Überlebenschancen von Menschen mit Shwachman-Diamond-Syndrom deutlich verbessern. (Foto: © Vadim – stock.adobe.com)

Auch wenn der Großteil der Kinder, die mit dem Shwachman-Diamond-Syndrom (SDS) geboren werden, ein Alter von mehr als 20 Jahren erreicht, versterben mehr als zwei Drittel der Betroffenen noch vor dem 50. Lebensjahr. Laut einer Studie im „New England Journal of Medicine“ könnte sich die langfristige Überlebensrate jedoch verbessern, wenn bei frühen Anzeichen eines erhöhten Risikos eingegriffen wird.

So legen die Studienergebnisse nahe, dass nach dem Nachweis bestimmter Hochrisikomerkmale wie dem Vorhandensein von Klonen mutierter Knochenmarkszellen oder Anzeichen fortschreitender Dysplasien zeitnah eine hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSZT) – auch bei Patienten im Alter von 14 Jahren und jünger – durchgeführt werden sollte.

Derzeit neigten Ärzte allerdings dazu, abzuwarten, bis bei den Patienten bedrohlichere Erkrankungen wie das Myelodysplastische Syndrom (MDS) oder eine Akute myeloische Leukämie (AML) auftreten, erklären die Autoren. „Für Patienten mit dieser seltenen Erkrankung kann es dann aber zu spät sein“, ergänzt Co-Studienleiterin Dr. Kasiani Myers von der Abteilung für Knochenmarktransplantation und Immundefekte am Cincinnati Children’s Hospital, USA.

Was ist das Shwachman-Diamond-Syndrom?

Das SDS ist eine seltene genetische Erkrankung, die meist auf einer Mutations des SBDS-Gens beruht. Nach Angaben der SDS-Stiftung leiden in den Vereinigten Staaten etwa 400 Patienten an dieser Erkrankung. Einige Experten gehen jedoch davon aus, dass die Zahl aufgrund von nicht diagnostizierten oder falsch diagnostizierten Fällen bei bis zu 3000 liegen könnte.

Die Erkrankung kann die Bauchspeicheldrüse, den Knochenbau, die Leber und das zentrale Nervensystem betreffen, doch ihre schwerwiegendste Folge ist die Entwicklung eines MDS oder einer AML.

Da SDS im Rahmen der üblichen pränatalen und Neugeborenen-Screening-Untersuchungen nicht erfasst wird, wird die Erbkrankheit in der Regel im Säuglingsalter durch körperliche Untersuchungen und Blutuntersuchungen erkannt. Zu den Symptomen zählen Probleme beim Essen, Gedeihstörungen, abnormale Blutwerte, fehlende Verdauungsenzyme, verzögerte Zahnentwicklung, Skoliose, häufige Infektionen und weitere Anzeichen.

Zu Beginn umfasst die Behandlung unter anderem die Gabe von Pankreasenzympräparaten, Antibiotika zur Behandlung von Infektionen, Maßnahmen gegen niedrige Leukozytenzahlen sowie eine spezialisierte zahnärztliche Versorgung. Im Laufe der Zeit steigt dann das Risiko der Betroffenen, an Leukämie zu erkranken.

Studie beleuchtet die Krankheitsverläufe

Für die Studie stellten die Wissenschaftler des internationalen SDS-Forschungskonsortiums die eigenen Angabe zufolge bislang größte Datensammlung zu den Krankheitsverläufen bei SDS zusammen. Diese basiert auf 847 Fällen, die Personen vom Säuglingsalter bis weit über das 50. Lebensjahr hinaus umfassen.

Während die Inzidenz potenziell tödlicher Malignome bei Fünfjährigen nur zwei Prozent betrug, lag das kumulative Risiko für MDS, AML und Knochenmarkversagen im Alter von 50 Jahren bei fast 78 Prozent.

Die Überlebensrate der Betroffenen verbesserte sich deutlich, wenn eine frühzeitige HSZT erfolgte. So waren beispielsweise von 24 Hochrisikopatienten fast 82 Prozent zwei Jahre nach der HSZT noch am Leben, während es nach einer MDS-Diagnose 55 Prozent und nach einer AML-Diagnose nur 36 Prozent waren.

„Diese Daten sprechen für eine Überwachung und eine frühzeitige HSZT bei Patienten, die Hochrisikomerkmale entwickeln, um Malignome vorzubeugen“, erklären die Autoren.

Früherkennung durch genetisches Screening

Den Forschenden zufolge könnte der weltweit zunehmende Einsatz genetischer Screening-Tests dazu beitragen, mehr Kinder zu identifizieren, die mit SDS geboren werden, und so eine Behandlung in einem früheren Stadium ermöglichen. Unterdessen hoffen die Mitglieder des Forschungskonsortiums, das Bewusstsein für die zur Erkennung von Hochrisiko-Biomarkern des SDS erforderlichen Tests weiter zu schärfen. (ej/Biermann)