Kritisch kranke Kinder: Niedrige Blutdruckzielwerte verbessern das Outcome nicht

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Verbessert die Festlegung eines permissiven Zielwertes für den Blutdruck die Behandlungsergebnisse bei kritisch kranken Kindern mit Hypotonie im Vergleich zur Standardversorgung? Dieser Fragestellung ging ein britisches Forscherteam in einer multizentrischen Studie nach, konnnte aber keinen klinischen Vorteil finden.

Zur Behandlung von Hypotonie erhalten kritisch kranke Kindern häufig vasoaktive Medikamente. Die optimalen Zielwerte für den mittleren arteriellen Druck (MAP) sind jedoch unbekannt. Das Forscherteam untersuchte daher, ob die Festlegung eines permissiven MAP-Zielwertes auf das fünfte Perzentil für das jeweilige Alter das Outcome bei hypotensiven, kritisch kranken Kindern verbessert.

Dazu konzipierte es eine multizentrische, offene, pragmatische, randomisierte klinische Studie, an der sich 23 pädiatrische Intensivstationen in 3 Ländern beteiligten. In die Studie wurden 1900 schwer erkrankte Kinder aufgenommen, die aufgrund einer Hypotonie invasiv beatmet wurden und vasoaktive Medikamente erhielten.

Für Patienten der Interventionsgruppe (n = 957) wurde ein permissiver MAP-Zielwert definiert, der über dem fünften Perzentil für ihr Alter lag. Patienten in der Kontrollgruppe (n = 943) erhielten die übliche Versorgung, wobei der MAP-Zielwert vom behandelnden Arzt festgelegt wurde.

Der primäre Endpunkt war ein Komposit aus Mortalität und Dauer der invasiven Beatmung nach 30 Tagen. Zu den sekundären Endpunkten zählten die Mortalität bei Entlassung aus der pädiatrischen Intensivstation, die Zeit bis zur Beendigung der invasiven Beatmung, die Durchführung und Dauer einer Nierenersatztherapie auf der pädiatrischen Intensivstation nach 30 Tagen sowie die Dauer des Aufenthalts auf der pädiatrischen Intensivstation und im Krankenhaus.

Weniger vasoaktive Medikamente, kürzer auf der Intensivstation

Von den 1900 randomisierten Patienten wurden 910 aus der Gruppe mit permissivem MAP-Zielwert und 904 aus der Gruppe mit Standardversorgung in die Analyse des primären Endpunkts einbezogen. Das Medianalter der Teilnehmer betrug vier Jahre Jahre (IQR 0–10), 44,8 % waren weiblich. Die Ausgangsmerkmale waren in beiden Gruppen ähnlich. Der Median des MAP während der Verabreichung vasoaktiver Medikamente lag in der Interventionsgruppe bei 58 mm Hg (IQR 51–63) und in der Gruppe mit Standardversorgung bei 61 mm Hg (IQR 54–67).

Ein permissiver MAP-Zielwert führte zwar zu einer Verringerung der medianen Gesamtdosis an Noradrenalin-Äquivalenten um 37,5 Prozent im Vergleich zur Gruppe mit Standardversorgung. Beim primären Endpunkt gab es jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen (probabilistischer Index: 0,52; 95%-KI 0,49–0,54; p = 0,23). Auch sechs der sieben sekundären Endpunkte waren zwischen den Gruppen vergleichbar. Lediglich die mediane Aufenthaltsdauer auf der pädiatrischen Intensivstation war bei den Überlebenden in der Gruppe mit permissivem MAP-Zielwert signifikant kürzer (159 Stunden; IQR 79–286) als in der Gruppe mit Standardversorgung (166 Stunden; IQR 92–319; probabilistischer Index: 0,53; 95%-KI 0,50–0,56). Die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie und das Auftreten unerwünschter Ereignisse unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht. (ej/BIERMANN)