Myopie: Gute Aussichten für Kinderaugen

Kind beim Augenarzt.Symbolbild.©New Africa-stock.adobe.com

Die veränderte digitale Lebensweise hat Folgen: Myopie tritt immer häufiger und bereits in sehr jungen Jahren auf. Dr. Gernot Petzold (Kulmbach) informierte auf der Pressekonferenz des 38. Internationalen Kongresses der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC) in Nürnberg über neue Methoden, die die Myopie deutlich zu bremsen vermögen.

von Sandy Schulz

Myopie erhöht das Risiko für gefährliche Folgeerkrankungen

Und die Myopie sei, so Petzold, mittel und langfristig als gefährlich einzustufen. Denn sie erhöhe durch das starke Längenwachstum das Risiko für Folgeerkrankungen wie etwa myope Makuladegeneration, myope choroidale Neovaskularisation, Netzhautablösung oder Glaukom, Erkrankungen die potenziell auch zur Erblindung führen können.

Als Ursache nannte Petzold neben der genetischen Veranlagung und Ethnie vor allem Umweltfaktoren wie die ständige Nahakkomodation sowie fehlendes Tageslicht. Wer stundenlang nur auf Smartphone, Tablet oder Computer blicke, belaste die Augen fast ausschließlich im Nahbereich.

Einfache Maßnahmen um die Myopie zu bremsen

Dabei lässt sich, so Petzold, die Zunahme der Myopie bereits mit einfachen Maßnahmen vorbeugen: Kinder sollten täglich mindestens zwei Stunden bei Tageslicht im Freien verbringen. Zudem sollte die Naharbeit durch regelmäßige Pausen bei der Bildschirmarbeit unterbrochen werden (20/20/20-Regel). Wichtig sei auch der richtige Abstand zu Bildschirmen, wie Petzold erörterte. So sollte der Leseabstand nicht unter 30 besser sogar 40 cm betragen. Zudem sollte die tägliche Bildschirmzeit möglichst begrenzt werden. Vier bis fünf Stunden gelten bereits als deutlich zu viel. Und für Kinder unter drei Jahren wird laut Petzold eine komplette Medienfreiheit (Initiative der Kinderärzte) empfohlen.

Neue Hoffnung: Brillengläser und Kontaktlinsen mit peripherem Defokus

Neue Hoffnung würden zudem moderne Brillengläser und spezielle Kontaktlinsen mit peripherem Defokus bieten. Diese könnten die Entwicklung der Kurzsichtigkeit um bis zu 50 Prozent (Kontaktlinsen sogar bis zu 59 Prozent) bremsen wie aktuelle Studien zeigen. Europäische Kinder zeigen hier eine ähnliche Abnahme der Myopieprogression wie asiatische Kinder. Petzold erklärte, dass diese Spezialgläser im Randbereich besondere eingeschliffene optische Strukturen besitzen, die das einfallende Licht gezielt so lenken, dass bestimmte Bildanteile vor der Netzhaut abgebildet werden. Dadurch erhalte das Auge Signale, die sein übermäßiges Längenwachstum bremsen sollen.

Keine Empfehlung für niedrig dosierte Atropin-Augentropfen

Von einer Behandlung mit niedrig dosiertem Atropin hingegen, rät Petzold ab, trotz Zulassung in Deutschland. Zwar zeigten asiatische Publikationen gute Ergebnisse, die jedoch in Europa, Australien und Nordamerika nicht in dem Maße wie im asiatischen Raum reproduziert werden konnten. Eine Vermutung legt nahe, so Petzold, dass dies an der stärkeren Pigmentierung der Iris bei asiatischen Augen liegen könnte. Der höhere Melaningehalt ermögliche eine stärkere und längere Bindung von Atropin, was zu den unterschiedlichen Ergebnissen bei der Atropinbehandlung führen könnte. Zudem gebe es Nebenwirkungen wie etwa Photophobie, Augenreizungen oder auch verschwommenes Sehen. Des Weiteren sind Atropin-Augentropfen konserviert und müssten über Jahre bei den Kindern angewendet werden. Dies zusammengenommen rechtfertigt nach Meinung Petzolds keine Anwendung von niedrig dosiertem Atropin bei Kindern.

Als letztes benannte Petzold noch die Lichttherapie, eine low level Rotlichtbestrahlung. Für diese seien bislang nur Studien aus China bekannt, die zeigen, dass diese Therapie zu einer moderaten Myopieprogression führen kann. Außerhalb Chinas gebe es aber Sicherheitsbedenken, weshalb Petzold diese Behandlung nicht empfehlen würde.