Nach Hauptstammverschluss: Rostocker Ärzte bringen „stehendes“ Herz wieder zum Schlagen

Die Professoren Hüseyin Ince und Alper Öner (v.l.) leiten das Herzzentrum der Universitätsmedizin Rostock. Foto: Thomas Rahr/Universität Rostock

Durch die umsichtige ärztliche Notfallversorgung und den Einsatz einer minimalinvasiven Herzpumpe konnten Ärzte der Universitätsmedizin Rostock das Leben eines 38-Jährigen retten. Nach einem kardiogenen Schock aufgrund eines Hauptstammverschlusses konnte sein Herz ohne Folgeschäden wieder zum Schlagen gebracht werden.

Ein 38-jähriger Patient wird mit kardiogenem Schock ins Herzzentrum der Universitätsmedizin Rostock eingeliefert. Nach Universitätsangaben befindet er sich in einem extrem schlechten Zustand – kreideweis, mit niedrigem Blutdruck und klassischen Veränderungen im EKG, nicht ansprechbar. Im Herzkatheter-Labor zeigt sich ein Verschluss des Hauptstammes. Für die Professoren Alper Öner und Hüseyin Ince, die gemeinsam das Herzzentrum der Rostocker Unimedizin leiten, grenzt es an ein Wunder, den Patienten überhaupt lebend im Krankenhaus zu empfangen.

„Patienten mit diesem Befund sind meist schon vor Ort tot“, sagt Ince. Selbst diejenigen, die mit diesem Befund noch im Krankenhaus aufgenommen werden, hätten eine extrem niedrige Überlebenschance. „Bei einem Hauptstammverschluss wie in diesem Fall ist man dem Tod näher als dem Leben“, betont Öner, der bei der Behandlung Regie führte. Allen beteiligten Spezialisten um Oberarzt Stephan Valenta war klar, dass sich, selbst wenn mit Hilfe eines Stents das Gefäß geöffnet werden würde, das Herz nicht erholen, sprich: pumpen würde.

Mit Impella das Herz entlasten

Für Öner gibt es in solchen Grenzsituationen nur die Devise: „Alles, was möglich ist, tun. Technik hilft heilen.“ Die Technik, die hier hilft, sind Herz-Lungen-Maschinen. Doch diese Maschine alleine hätte dem Patienten nicht das Leben gerettet, „weil sie nicht die Eigenschaft hat, das angegriffene Herz zu entlasten“, erklärt Öner. Daher entschied sich das Team zur Implantation einer Impella-Herzpumpe. Diese minimalinvasive, temporäre Herzpumpe arbeitet mit Echtzeit-Intelligenz und ermöglicht eine bessere Erholung des Herzens. Sie schafft es, zwei bis dreieinhalb Liter Blut in der Minute zu pumpen und reduziert dadurch die Last, die das Herz sonst bewältigen muss. Denn wichtig ist, dass die Heilungskräfte des Körpers die nötige Zeit bekommen, um aktiviert zu werden. „Hier geht es um Sekunden, Minuten, oft aber auch Stunden, die für die körpereigenen Heilungskräfte benötigt werden“, verdeutlicht Öner.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit rettet Leben

Das Implantieren dieser Technik durch Kardiologen ist das eine – das andere das Führen und Bedienen der lebensrettenden Maschinen, das einen sehr hohen Spezialisierungsgrad der beteiligten Teams voraussetzt. Beispielsweise von der Anästhesiologie und Intensivtherapie um Prof. Daniel Reuter sowie der Abteilung für Pneumologie mit Prof. Johann Christian Virchow an der Spitze und Prof. Pascal Dohmen aus der Herzchirurgie.

Und genau das sei es, was die Unimedizin in Rostock auszeichne: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Fachbereiche, unterstreicht der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Emil Reisinger. „Wir setzen in Rostock auf den Schwerpunkt Medizintechnik und forschen gemeinsam mit den technischen Fakultäten der Universität Rostock an Neuentwicklungen hochtechnischer Geräte, die den Patienten zugutekommen.“

Die Professoren Ince und Öner danken dem Vorstand, dass beide Herzmaschinen in ihrem Herzzentrum verfügbar sind. Denn: Die Kosten sind hoch und werden oft nicht durch das Vergütungssystem der Krankenkassen vollständig abgedeckt.

Gute Prognose für den Patienten

Gegenwärtig befindet sich der Patient in der Reha, er fühle sich gut, könne kurze Strecken gehen und Treppen steigen. Hirnschäden habe er nicht davon getragen. Künftig wolle er seinen Lebensstil ändern, nicht mehr rauchen und sich gesünder ernähren, wie seine Frau erklärt. Dass sich das Herz des Patienten gut erholt habe, „grenzt fast an ein Wunder“, betont Ince und zeigt sich, wie er sagt, „ein bisschen stolz“ auf das, was das Rostocker Herzzentrum geleistet habe. „Der Patient hat keinen Herzschaden genommen. Weder beim Sport, noch beim Arbeiten oder Feiern wird er eingeschränkt sein.“ Die Krankheit werde ihn zwar begleiten, „aber wir halten sie in Schach“, sind sich Öner und Ince einig.