Nachtarbeit in der Schwangerschaft mit neurologischen Entwicklungsauffälligkeiten beim Kind assoziiert

Symbolbild KI-generiert mit Gemini.

Nachtarbeit während der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko für neurologische Entwicklungsauffälligkeiten beim Kind verbunden, die im Alter von vier Jahren mittels Screening festgestellt werden können. Dies geht aus einer Studie hervor, die in der Fachzeitschrift „Occupational & Environmental Medicine“ veröffentlicht wurde.

Die Forschenden nutzten Daten der japanischen landesweiten Kohortenstudie Japan Environment and Children’s Study (JECS). In die Analyse gingen 31.528 Mütter ein, die im ersten Trimenon gearbeitet hatten und Angaben zur Entwicklung ihrer Kinder im Alter von vier Jahren gemacht hatten.

Die Angaben zur Nachtarbeit wurden im ersten sowie im zweiten oder dritten Trimenon erhoben. Anhand der Antworten teilten die Forschenden die Frauen in drei Gruppen ein: Mütter ohne Nachtarbeit in beiden Befragungen, Mütter, die ihre Nachtarbeit im Verlauf der Schwangerschaft aufgaben, und Mütter, die in beiden Erhebungszeiträumen nachts arbeiteten.

Die Schlafdauer im zweiten oder dritten Trimenon wurde anhand der selbst angegebenen Schlafens- und Aufwachzeiten ermittelt. Als kurze Schlafdauer galten weniger als sechs Stunden, als mittlere sechs bis neun Stunden und als lange Schlafdauer mindestens zehn Stunden pro Nacht.

Die kindliche Entwicklung wurde mithilfe der japanischen Version des Ages and Stages Questionnaire, Third Edition (J-ASQ-3) untersucht. Das Screening erfasst fünf Bereiche: Kommunikation, Grobmotorik, Feinmotorik, Problemlösungsfähigkeit sowie persönliche und soziale Kompetenzen.

Auffälligkeiten vor allem bei fortgesetzter Nachtarbeit

Insgesamt wiesen etwas mehr als 13 Prozent der Kinder in mindestens einem der fünf untersuchten Entwicklungsbereiche ein erhöhtes Risiko für Auffälligkeiten im Screening auf.

Im Vergleich zu Kindern von Müttern ohne Nachtarbeit zeigten Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft weiterhin nachts arbeiteten, in drei Bereichen ein erhöhtes Risiko für Auffälligkeiten: bei der Kommunikation um 29 Prozent, bei der Feinmotorik um 34 Prozent und bei den persönlichen und sozialen Kompetenzen um 31 Prozent.

Auch bei Müttern, die ihre Nachtarbeit im Verlauf der Schwangerschaft beendeten, war das Risiko für Auffälligkeiten erhöht. Dieser Zusammenhang zeigte sich allerdings nur im Bereich der Feinmotorik und lag bei 24 Prozent.

Die Feinmotorik war damit der einzige Entwicklungsbereich, für den sich eine signifikante Assoziation zeigte, unabhängig davon, ob die Nachtarbeit fortgesetzt oder beendet wurde.

Als mögliche Erklärung diskutieren die Forschenden entzündliche Prozesse: Eine mit anhaltender Nachtarbeit verbundene mütterliche Inflammation könnte bevorzugt neuronale Signalwege beeinflussen, die für feinmotorische Funktionen relevant sind. Diese Hypothese wurde durch die Untersuchung jedoch nicht unmittelbar überprüft.

Lange Schlafdauer ebenfalls mit erhöhtem Risiko assoziiert

Eine zusätzliche explorative Analyse deutete darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen dem Muster der Nachtarbeit und dem Entwicklungsrisiko der Kinder je nach pränataler Schlafdauer variieren könnte.

Eine Schlafdauer von mindestens zehn Stunden pro Nacht war im Vergleich zu sechs bis neun Stunden mit einem um 80 Prozent erhöhten Risiko für Auffälligkeiten in mindestens einem der fünf Entwicklungsbereiche verbunden.

Die Forschenden weisen allerdings darauf hin, dass eine lange Schlafdauer nicht zwangsläufig selbst ein Risikofaktor sein muss. Sie könnte vielmehr auf zugrunde liegende Faktoren wie ausgeprägte Erschöpfung, subklinische depressive Symptome, Entzündungsprozesse oder eine Anämie hinweisen.

Aussagekraft der Ergebnisse begrenzt

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich aus den Ergebnissen keine kausalen Zusammenhänge ableiten. Zudem konnten die Forschenden unter anderem das jeweilige Schichtrotationssystem, den individuellen Chronotyp, die Arbeitsbelastung, die Lichtexposition und den genauen Zeitpunkt der Beendigung der Nachtarbeit nicht berücksichtigen. Diese Faktoren könnten die beobachteten Zusammenhänge beeinflusst haben.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse halten die Forschenden es dennoch für sinnvoll, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber flexible Arbeitszeitmodelle für schwangere Beschäftigte in Nachtarbeit erwägen.

Die Befunde unterstreichen den möglichen Stellenwert der Arbeits- und Schlafbedingungen während der Schwangerschaft. Ob und in welchem Umfang eine Anpassung der Nachtarbeit das Risiko für Entwicklungsauffälligkeiten bei Kindern tatsächlich verringern kann, müssen weitere Studien klären.

(lj/BIERMANN)