Vegetarisch ernährte Kinder zeigen keine Anzeichen von Mangelernährung5. Mai 2022 Foto: © Cherryand bees – stock.adobe.com Kinder, die sich vegetarisch ernähren, sind zwar häufiger untergewichtig, einen besonderen Nährstoffmangel weisen sie aber nicht auf. Und auch die Wachstums- und Ernährungswerte gleichen denen von Kindern, die Fleisch essen. Zu diesem Ergebnis kommen kanadische Forschende in einer großen Längsschnitt-Kohortenstudie. Untersucht wurden insgesamt 8907 Kinder im Alter von sechs Monaten bis acht Jahren, die Daten wurden zwischen 2008 und 2019 erhoben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden nach ihrem vegetarischen Status – definiert als ein Ernährungsmuster, das Fleisch ausschließt – oder nach ihrem nichtvegetarischen Status eingeteilt. Die Forschenden fanden heraus, dass Kinder, die sich vegetarisch ernährten, einen ähnlichen durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI), eine ähnliche Körpergröße, Eisen-, Vitamin-D- und Cholesterinwerte aufwiesen wie Kinder, die Fleisch verzehrten. Vor der Studie hatte die Wissenschaftler damit gerechnet, dass die vegetarisch ernährten Kinder schlechtere Werte aufweisen würden. Den Ergebnissen zufolge hatten Kinder mit vegetarischer Ernährung jedoch eine fast zweifach höhere Wahrscheinlichkeit, untergewichtig zu sein. Hinweise auf einen Zusammenhang mit Übergewicht oder Fettleibigkeit fanden die Forschenden keine. Kinder mit vegetarischer Ernährung waren im Durchschnitt etwas kleiner als Kinder, die Fleisch aßen. Für ein dreijähriges Kind entsprach der Größenunterschied im Schnitt 0,3 Zentimeter. Die Qualität der vegetarischen Ernährung wurde in dieser Studie nicht untersucht. Obwohl insgesamt keine Unterschiede zwischen den biochemischen Messwerten der jungen Vegetarier und Fleischesser gefunden wurden, betonen die Studienautoren aufgrund der höheren Wahrscheinlichkeit von Untergewicht bei vegetarischer Ernährung die Notwendigkeit besonderer Sorgfalt bei der Essensplanung von Kindern. „Der Anteil der Kinder mit Untergewicht war sehr niedrig, und lag in beiden Gruppen im Verlauf der Studie im Durchschnitt bei rund ein Prozent – unter vegetarisch oder vegan ernährten Kindern lag er jedoch insbesondere zu Beginn der Studie etwas höher als unter herkömmlich ernährten Kindern. Dies erstaunt zunächst, da die Studie hinsichtlich des durchschnittlichen Körpergewichts (gemessen mit dem zBMI beziehungsweise Body-Mass-Index) zu keinem Zeitpunkt einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen nachweisen konnte”, kommentierte Dr. Peter von Philipsborn, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), die Ergebnisse der Studie. Da die Anzahl der Kinder mit Untergewicht in der Studie insgesamt sehr niedrig war, sei der scheinbare Unterschied zwischen den zwei Gruppen daher möglicherweise auf einen Zufallseffekt zurückzuführen, so der Wissenschaftler. Dies sei insbesondere deshalb möglich, weil in der Studie eine große Zahl an Merkmalen untersucht wurde – und je mehr Merkmale untersucht würden, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei mindestens einem Merkmal rein durch Zufall ein vermeintlicher Unterschied zwischen den untersuchten Gruppen zeige. „Die AutorInnen der Studie weisen in diesem Zusammenhang noch auf eine weitere mögliche Fehlerquelle hin: In der Studie wurde eine Methode für die Klassifikation von Kindern als untergewichtig verwendet, die für Kinder europäischer Herkunft entwickelt wurde. Wird diese Methode bei Kindern asiatischer Abstammung angewandt, kann dies nach Einschätzung von Fachleuten zu einer Überschätzung der Häufigkeit von Untergewicht führen. Tatsächlich war ein Drittel der vegetarisch oder vegan ernährten Kinder in der Studie asiatischer Abstammung; unter den herkömmlich ernährten Kindern lag der Anteil hingegen nur bei 20 Prozent. Dies kann möglicherweise die Erklärung dafür sein, weshalb der Anteil von Kindern mit Untergewicht unter den vegetarisch oder vegan ernährten Kindern in der aktuellen Studie höher erscheint”, sagte von Philipsborn. Wie die Autoren der Studie selbst einschränkend berichten, ist in der Auswertung nicht zwischen vegetarisch und vegan ernährten Kindern unterschieden worden. Dabei ist bekannt, dass es bei einer veganen unter anderem zu einem Vitamin-B12-Mangel kommen kann. “Deshalb sollten alle Menschen, die sich vegan ernähren, ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen. In der Wachstumsphase in Kindheit und Jugend ist der Bedarf an vielen Nährstoffen erhöht, darunter auch solchen, die vermehrt in tierischen Lebensmitteln vorkommen. Für Kinder und Jugendliche, aber auch für Schwangere und Stillende wird eine vegane Ernährung daher von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nicht empfohlen. Eltern, die ihre Kinder dennoch vegan ernähren möchten, sollten sich in jeden Fall von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft beraten lassen, und die Versorgung mit kritischen Nährstoffen wie Vitamin B12, Eisen und Vitamin D regelmäßig ärztlich überprüfen lassen”, erklärte von Philipsborn. Eine vegetarische Ernährung, die neben pflanzlichen Lebensmitteln auch Milch und Eier enthält, sei hingegen auch für Kinder empfehlenswert, sollte aber ausgewogen und abwechslungsreich sein, empfahl der Wissenschaftler. Werde bei einer Vorsorgeuntersuchung Untergewicht festgestellt, könne eine Ernährungsberatung sinnvoll sein.
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