Neonatale Hirnschäden sicher mit Stammzellen behandeln27. Juni 2022 Die Forscherinnen Cora Nijboer (l.) und Manon Benders stehen neben einem Inkubator am UMC Utrecht. (Foto: Ilco Kemmere) Forscher und Ärzte am UMC Utrecht, Niederlande, haben eine neue Form der Stammzelltherapie für Neugeborene entwickelt, die durch einen Schlaganfall einen Hirnschaden erlitten haben. Ihre Studie zeigt, dass Stammzellen, über Nasentropfen verabreicht, die natürliche Erholungsfähigkeit des Babygehirns unterstützen. Die neue Behandlung konzentriert sich auf Neugeborene mit Hirnschäden durch Infarkte. Es ist bekannt, dass bei diesen Kindern später im Leben Probleme auftreten können. So entwickeln die Kinder beispielsweise motorische Probleme, Lern-, Verhaltens- und Konzentrationsstörungen oder Epilepsie. Die Stammzellen werden über Nasentropfen verabreicht. Als die Forschung im Jahr 2010 begann, glaubten nur wenige Forscher, dass die Zellen auf diese Weise den geschädigten Bereich im Gehirn erreichen würden. Nach jahrelanger Arbeit mehrerer Forscher kennt das Team nun den Weg, den die Stammzellen innerhalb weniger Stunden zurücklegen. “Sie passieren eine Art Siebbein in der Nase und werden dann in die Blutgefäße der Hirnhäute oder in den Liquor aufgenommen. Innerhalb weniger Stunden wandern sie zu der geschädigten Stelle im Gehirn”, sagte Neurowissenschaftlerin Cora Nijboer und ergänzte: “Der geschädigte Bereich des Gehirns sendet ‘Notfallsignale’ aus, die die Stammzellen anlocken. Nachdem die Stammzellen angekommen sind, beginnen sie, Substanzen zu produzieren, die den Reparaturmechanismus der hirneigenen Stammzellen aktivieren.” Ihre Teamkollegin und Professorin für Neonatologie, Manon Benders, fügte hinzu: “Eine Heilung ist vor allem bei Neugeborenen möglich, da ihre jungen Gehirne noch wachsen und sich entwickeln. Durch Stimulation können wir auch die verbleibenden lebenswichtigen Verbindungen im geschädigten Gewebe reparieren. Wir nennen dies Neuroplastizität.” Sichere Methode Das Team um Nijboer und Benders hat die Behandlung inzwischen auch an Patienten durchgeführt. Zehn Neugeborene, die einen Hirninfarkt erlitten hatten, nahmen an der Studie teil. Sobald der Hirninfarkt mittels MRT festgestellt worden war, wurde ihnen eine einmalige Dosis Stammzellen über Nasentropfen verabreicht. Im Alter von etwa drei Monaten führten die Forscher eine weitere MRT-Untersuchung durch, um festzustellen, wie groß der Restschaden nach dem Infarkt war und um die Sicherheit der Behandlung zu beurteilen. Danach wurde die Entwicklung der Babys in der neonatologischen Ambulanz überwacht. “In den Daten dieser Sicherheitsstudie sahen wir Anzeichen für die Wirksamkeit der Behandlung. Aber wir müssen die Wirksamkeit in einer größeren Gruppe von Neugeborenen gründlich untersuchen, bevor wir gute, wissenschaftlich fundierte Aussagen darüber machen können”, sagte Benders. Es sei das erste Mal, dass Neugeborenen mit Hirnschäden Stammzellen über Nasentropfen verabreicht wurden, erklärte Benders. “Wir haben die zehn Neugeborenen genau beobachtet: Es gab keine Infektionen und keine Neubildungen auf dem Kontroll-MRT-Scan, was uns zu dem Schluss kommen lässt, dass dies eine sichere Methode ist. Für uns ist dies ein wichtiger Schritt in der Entwicklung einer neuen Therapie für Kinder, für die es bisher keine Behandlung gab.”
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