Nephrektomie bei Nierenzellkarzinom mittleren/hohen Risikos: Perioperatives Nivolumab ohne Effekt

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Der bisherige Behandlungsstandard für Patienten mit Nierenzellkarzinom mit mittlerem bis hohem Risiko – eine partielle oder radikale Nephrektomie, gefolgt von einer Überwachung – wird sich wohl vorerst nicht ändern. Denn einer aktuellen Studie zufolge verbessert neoadjuvantes Nivolumab vor der Nephrektomie, gefolgt von adjuvantem Nivolumab, das rezidivfreie Überleben (RFS) gegenüber der Standardtherapie nicht signifikant.

Für die unverblindete, randomisierte Phase-III-Studie PROSPER ECOG-ACRIN EA8143  hatten Erstautor Prof. Mohamad E. Allaf und seine Kollegen Patienten an 183 Einrichtungen in den USA und Kanada rekrutiert. Geeignet waren Erwachsene mit einem ECOG-Status (ECOG: Eastern Cooperative Oncology Group) von 0-1, mit unbehandeltem klinischem Stadium T2 oder höher oder Tany N+ Nierenzellkarzinom mit klarzelliger oder nichtklarzelliger Histologie, bei denen eine partielle oder radikale Nephrektomie geplant war. Ausgewählte Patienten mit oligometastasierter Erkrankung, die innerhalb von 12 Wochen nach einer Operation an anderen Körperstellen als der Niere krankheitsfrei waren, waren ebenfalls für die Aufnahme in die Studie geeignet. In der Nivolumab-Gruppe seien vor der Operation 480 mg Nivolumab verabreicht worden, gefolgt von 9 adjuvanten Dosen, schreiben Seniorautorin Prof. Naomi B. Haas vom Perelman Center for Advanced Medicine in Philadelphia, USA, und ihre Kollegen.

Im Zeitraum 02.02.2017-02.06.2021 konnten die Wissenschaftler 819 Patienten für Nivolumab plus Operation (404 [49%]) oder eine alleinige Operation randomisieren (415 [51%]). Aus der Gruppe „Nivolumab plus Operation“ begannen 366/404 Patienten (9%) und aus der Operationsgruppe 387/415 (93%) die Behandlung. Das mediane Alter betrug 61 Jahre (IQR 53-69), 248/819 Patienten (30%) waren weiblich, 571 (70%) männlich, 672 weiß (88%) und 77 (10%) hispanischer oder lateinamerikanischer Abstammung.

Studie wegen Nutzlosigkeit abgebrochen

Bei einer geplanten Zwischenanalyse (25.03.2022) brach das Daten- und Sicherheitsüberwachungskomitee die Studie wegen Nutzlosigkeit ab. Die mediane Nachbeobachtung betrug 30,4 Monate (IQR 21,5-42,4) in der Nivolumab-Gruppe und 30,1 (IQR 21,9-41,8) in der Gruppe mit alleiniger Operation. 381/404 Patienten (94%) in der Nivolumab-plus-Chirurgie-Gruppe und 399/415 (96%) in der Operations-Gruppe hatten ein Nierenzellkarzinom und wurden in die Analyse des primären Endpunkts RFS einbezogen. Zum Datenstichtag (24.05.2023) unterschied sich das RFS zwischen Nivolumab (125/381 mit RFS-Ereignissen [33%]) und alleiniger Operation (133/399; HR 0,94; 95%-KI 0,74-1,21; einseitiges p=0,32) nicht signifikant.

Als häufigste Nebenwirkungen von Grad 3/4 nennen die Autoren erhöhte Lipasewerte (17/366 Patienten mit Nivolumab plus Operation [5%] vs. 0 mit alleiniger Operation), Anämie (7 [2%] vs. 9 [2%]), erhöhte Alanin-Aminotransferase-Werte (10 [3%] vs. 1 [<1%]), Bauchschmerzen (4 [1%] vs. 6 [2%]) und erhöhte Amylase-Werte im Serum (9 [2%] vs. 0).

Bei 177 Patienten in der Nivolumab-plus-Operationsgruppe (48%) und 93 in der Gruppe mit ausschließlicher Operation (24%) traten unerwünschte Ereignisse von Grad 3-5 aus jeglichem Grund auf. Davon waren die häufigsten Anämie (23 [6%] vs. 19 [5%]), Hypertonie (27 [7%] vs. 9 [2%]) und erhöhte Lipase (18 [5%] vs. 6 [2%]). 48/404 Patienten in der Nivolumab-Gruppe (12%) und 40/415 (10%) mit alleiniger Operation verstarben, wobei 8 (2%) bzw. 3 (1%) Todesfälle als behandlungsbedingt eingestuft wurden.

(sf/ms)