Netzwerk Evidenzbasierte Medizin: „Weniger, aber bessere systematische Reviews“16. Dezember 2025 Foto: Tada Images/stock.adobe.com Systematische Reviews gelten als zentrale Basis evidenzbasierter Entscheidungen – doch Massenproduktion und oft mangelnde Qualität gefährden diesen Anspruch. Mitglieder des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) fordern ein Umdenken. Die Aussagekraft systematischer Reviews gerate zunehmend unter Druck, wie das EbM-Netzwerk in einer Mitteilung betont: Eine stetig wachsende Zahl von Reviews, häufig verbunden mit redundanten Fragestellungen und erheblichen methodischen Schwächen, gefährde ihre Vertrauenswürdigkeit. Diese Problematik werde international seit längerem diskutiert. Allerdings sei das Bewusstsein dafür im deutschsprachigen Raum bislang gering. Das habe spürbare Folgen für Wissenschaft, Versorgung und Politik, heißt es weiter. Warum erreichen systematische Reviews nicht die erforderliche Qualität? Eine Gruppe von Mitgliedern des EbM-Netzwerks macht nun in einem aktuellen Beitrag in der Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ) auf die Problemlage aufmerksam. Die Autorinnen und Autoren zeigen unter anderem, warum systematische Reviews häufig nicht die Qualität erreichen, die für fundierte Entscheidungen notwendig wäre. Sie benennen zentrale Ursachen – darunter unzureichende methodische Expertise, fehlende Koordination bei der Themenwahl und unzureichende Qualitätsprüfungen. Darüber hinaus erläutern sie, wie diese Defizite die Aussagekraft von Reviews untergraben. Der Beitrag gehe bewusst über die reine Problembeschreibung hinaus, betont das EbM-Netzwerk: Das Autorenteam benennt mögliche Ursachen und skizziert konkrete Lösungsansätze. Diese reichen von einer besseren Priorisierung relevanter Fragestellungen über strengere Qualitätsstandards bis hin zu mehr Transparenz bei der Planung und Durchführung von Reviews. Damit richtet sich der Aufruf zum Handeln an alle, die systematische Reviews initiieren, erstellen, begutachten, veröffentlichen oder nutzen. Bewusstsein im deutschsprachigen Raum schärfen Ihre Aufforderung zum Handeln richten die Autorinnen und Autoren insbesondere an Herausgeber wissenschaftlicher Fachzeitschriften, Forschungsförderer, Fachgesellschaften und Wissenschaftseinrichtungen. Sie sollten Qualität vor Quantität zu stellen und die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen. Braun et al. heben hervor, dass auch Entscheidungsträger im Gesundheitswesen hochwertigen Reviews profitieren. Deshalb haben sie ein Interesse daran, deren Standards zu stärken. Der ZEFQ-Beitrag ist bewusst in deutscher Sprache verfasst und frei zugänglich veröffentlicht, wie das EbM-Netzwerk betont. Das soll das Bewusstsein im deutschsprachigen Raum schärfen und eine breite Diskussion anstoßen. Für das EbM-Netzwerk ist klar: „Nur wenn alle Beteiligten gemeinsam handeln, können systematische Reviews wieder zuverlässig das leisten, wofür sie gedacht sind – eine robuste, transparente und vertrauenswürdige Grundlage für die wissenschaftlich informierte Entscheidungsfindung zu gesundheitsrelevanten Fragestellungen.“
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