Neu auftretende HFrEF: Mehr Zeit für Medikamentenoptimierung verhindert ICD-Implantationen1. Juli 2024 Symbolbild: ©Zerbor/stock.adobe.com Die Implantation es Defibrillators lässt sich aufschieben oder möglicherweise ganz verhindern, wenn man Patienten mit De-novo-Herzinsuffizienz länger als drei Monate zur Optimierung der Pharmakotherapie gibt, so das Ergebnis einer neuen Studie. Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz und eingeschränkter Pumpfunktion (HFrEF) wird im Regelfall empfohlen, sich einen implantierbaren Cardioverter-Defibrillator (ICD) einsetzen zu lassen, wenn die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) auch nach drei Monaten einer Leitlinien-gerechten medikamentösen Therapie (GDMT) nicht auf mehr als 35 Prozent ansteigt. Damit soll einem plötzlichen Herztod vorgebeugt werden. Eine Forschergruppe der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) konnte in einer aktuellen Studie zeigen, dass eine länger andauernde Optimierung der GDMT die Implantation eines ICDs aufschieben bzw. verhindern kann. Die Ergebnisse wurden jüngst im renommierten „European Heart Journal“ veröffentlicht. Die prospektive Beobachtungsstudie HF-OPT unter Leitung von Prof. Lars Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR, und Prof. Christian Veltmann, früher Leiter des Hannover Herzrhythmus Centers und mittlerweile Partner von Elektrophysiologie Bremen, wurde zwischen 2017 und 2022 an 68 Studienzentren in Deutschland, den USA, Frankreich und Österreich durchgeführt. Das Ziel war es, herauszufinden, ob sich durch eine verlängerte Optimierung der GDMT um zusätzliche drei Monate die LVEF weiter verbessert und somit die Implantation eines ICD verhindert werden kann. Zu diesem Zwecke nahmen die Forscher in ihre zweigeteilte Untersuchung Patienten mit De-novo-HFrEF (LVEF ≤35%) aufgrund einer ischämischen oder nichtischämischen Kardiomyopathie auf, denen zum Schutz vor einem Plötzlichen Herztod eine tragbare Defibrillatorweste (WCD) verschrieben wurde. In der 90-tägigen Registerphase der Studie wurde bei 1300 eingeschlossenen WCD-Trägern die GDMT initiiert. In den zweiten Teil der Studie (Studienphase, Tag 91 bis maximal 360 nach Hospitalisierung aufgrund einer HFrEF) gingen alle Patienten über, die die Registerphase mit einer WCD-Verordnung für 90±14 Tage abschlossen, es sei denn ihnen wurde vorher ein ICD implantiert. Die 598 Teilnehmenden der Studienphase waren im Durchschnitt 59 Jahre alt und 27 Prozent Frauen. Die primären Endpunkte waren die Verbesserung der LVEF auf mehr als 35 Prozent zwischen den Tagen 90 und 180 nach Beginn der GDMT sowie der Prozentsatz der erreichten Zieldosis an den Tagen 90 und 180. Im Ergebnis beobachteten Erstautor Veltmann und Kollegen während der ersten 180 Tage einen signifikanten Anstieg der Dosierung von Betablockern, Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Systems und Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten. Innerhalb der ersten 90 Tage verbesserten 46 Prozent der Patienten der Studienphase ihre LVEF auf mehr als 35 Prozent. Unter den Patienten der Studienphase, bei denen die LVEF innerhalb der ersten drei Monate unterhalb von 35 Prozent blieb, konnte eine solche Verbesserung bei knapp der Hälfte (46 %) der Patienten bis zum Tag 180 erzielt werden. Damit erhöhte sich die Gesamtrate der Patienten mit einer LVEF von mehr als 35 Prozent auf 68 Prozent. Unter den 392 Patienten, die 360 Tage lang beobachtet wurden, verbesserte sich bei insgesamt 77 Prozent die LVEF auf mehr als 35 Prozent. Zu anhaltenden ventrikulären Tachyarrhythmien kam es bis zum 90. Tag bei 24 WCD-Trägern (1,8 %), danach wurden keine anhaltenden ventrikulären Tachyarrhythmien mehr registriert. „In unserer Studie kamen wir zu dem Ergebnis, dass eine noch spezifischere und noch besser auf den Patienten abgestimmte medikamentöse Therapie eine ICD-Implantation aufschieben oder sogar ganz verhindern kann“, resümiert Maier. (ah)
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