Neue Angiografieanlage ermöglicht Eingriffe auch an kleinen Hirngefäßen

Prof. Heinrich Lanfermann (l.) und sein Team freuen sich über die neue Angiografieanlage. | (Quelle: © Karin Kaiser / MHH)

Das Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat ine neue Angiografieanlage in Betrieb genommen, die es erlaubt, Eingriffe auch an kleinen Hirngefäßen vorzunehmen.

In der Interventionellen Neuroradiologie werden pro Jahr rund 700 Menschen mit unterschiedlichen Gefäßerkrankungen des Gehirns, der Wirbelsäule oder des Rückenmarks sowie mit Tumoren an Kopf und Hals versorgt. Etwa 220 davon sind Patienten mit einem Schlaganfall. Bei ihnen geht es darum, das für den Vorfall verantwortliche Blutgerinnsel im Hirngefäß so schnell wie möglich zu entfernen, um die Blutversorgung im Gehirn wiederherzustellen. Gelingt dies nicht mit Medikamenten, kann unter Bildgebung per Angiografie eine Thrombektomie erfolgen.

„Die schnellstmögliche Thrombektomie aus hirnversorgenden Gefäßen hat die Schlaganfallbehandlung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert“, stellt Prof. Heinrich Lanfermann, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, fest. Das Verfahren wird bisher hauptsächlich eingesetzt, wenn große Blutgefäße im Gehirn von einem Gerinnsel verschlossen sind. Hier schafft die neue Angiografieanlage nun weitere Möglichkeiten: Durch die starken Vergrößerungen in hoher Bildqualität können auch kleinere Gefäße, die zum Beispiel das Sprachzentrum im Gehirn versorgen, sehr gut dargestellt werden, sodass Thrombektomien auch dort unter bestmöglicher Kontrolle durchführbar sind. „Das ist ein großer Gewinn für die betroffenen Patientinnen und Patienten“, betont Lanfermann.

Neue Möglichkeiten, weniger Röntgenstrahlung

Eine weitere technische Neuerung des Gerätes ist das sogenannte VASO-CT. Es erstellt kontrastreiche, hochauflösende Schnittbilder auch sehr kleiner Gefäße. Das ist beispielsweise bei der Behandlung von Aneurysmen von Vorteil: „Auf den Aufnahmen können wir genau erkennen, ob ein zur Stabilisierung eingesetzter Stent vollständig an der Gefäßwand anliegt oder ob wir die Lage noch optimieren müssen“, erläutert Oberarzt Dr. Omar Abu-Fares. Der Neuroradiologe ist noch von einer weiteren Innovation begeistert. „Das Gerät arbeitet mit weniger Röntgenstrahlung. Es beleuchtet nur den ausgewählten Bereich mit der nötigen Strahlendosis, während das umgebende Gewebe weniger bestrahlt und dadurch geschont wird.“

Mehr Flexibilität bei Notfällen

Die neue Angiografieanlage fügt sich optimal in die schon bestehende technische Ausstattung des Instituts ein. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Computertomografie und zu den erweiterten und neu ausgestatteten Einleitungsräumen der Anästhesie. Die Patienten müssen also während der Behandlung nicht weit transportiert werden. „Das Beste ist allerdings, dass wir jetzt nicht nur über eine, sondern zwei technisch identisch ausgestattete Angiografieanlagen verfügen“, erklärt Götz. „Mit diesen beiden Geräten sind wir nun ausgesprochen flexibel. Wir können geplante Eingriffe durchführen und gleichzeitig auch Notfälle versorgen.“

Enge Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen

Die Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie arbeitet nicht für sich allein, sondern in enger Kooperation mit anderen Fachrichtungen wie Neurologie, Neurochirurgie, Anästhesie, Angiologie, Gefäßchirurgie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. So ist die Neuroradiologie fester Partner der überregionalen zertifizierten Stroke Unit. Sie bietet an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr alle Diagnose- und Therapieverfahren für Schlaganfallpatientinnen und -patienten – dazu gehört auch die Thrombektomie. „Besonders in der Schlaganfallbehandlung wird uns die neue Angiografieanlage einen weiteren großen Schritt nach vorn bringen“, ist sich Lanfermann sicher.