Neue Arbeitshilfe zur Behandlung chronischer Schmerzen4. Mai 2026 Symbolfoto: ©Alexander Raths/stock.adobe.com Mit einem neuen Themenband zur adäquaten Behandlung von chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen haben der AOK-Bundesverband und das Göttinger aQua-Institut ihr System von Qualitätsindikatoren für die ambulante Versorgung (QISA) ergänzt. Die Publikation umfasst insgesamt 13 Indikatoren, die überwiegend auf die Verbesserung der Prozessqualität der Behandlung abzielen, aber auch Aspekte der Ergebnis- und Strukturqualität beleuchten. Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten liegt bei chronischen Schmerzen oftmals eine Unter- oder Fehlversorgung vor, die eine weitere Chronifizierung fördert und im Ergebnis einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht. „Der neue QISA-Band macht deutlich, dass es zur optimalen Behandlung nicht tumorbedingter chronischer Schmerzen eine strukturierte Langzeitbetreuung durch die Hausarztpraxis braucht. Ein wichtiges Ziel ist dabei die Verbesserung der schmerzbedingten Einschränkungen“, sagt Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. „Mit dem neuen Band wollen wir Arztnetze und Praxen bei der Umsetzung einer leitliniengerechten Therapie für die betroffenen Menschen unterstützen.“ Neben der zuverlässigen Identifikation der betroffenen Patientinnen und Patienten und der Verhinderung von Notfallbehandlungen aufgrund von akuten Verschlechterungen geht es in dem QISA-Band vor allem um die Gewährleistung eines verbindlichen Vorgehens bei der Behandlung der betroffenen Zielgruppe in der hausärztlichen Praxis. Um ein strukturiertes Management von chronischen Schmerzen zu etablieren, erfassen die QISA-Indikatoren unter anderem das Vorhandensein von Arbeitsanweisungen für das Team, die Erhebung psychosozialer Risikofaktoren sowie die Dokumentation bereits erfolgter Behandlungsversuche. Auch der Einsatz von validierten Instrumenten zur Beurteilung des Schmerzes, die Vereinbarung von Therapiezielen und das Monitoring des Schmerzmittel-Einsatzes gehören zu den empfohlenen Maßnahmen. Ein weiterer Punkt ist die Information der Patientinnen und Patienten über mögliche unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen der verschriebenen Analgetika. Drei Indikatoren zur Verordnung von Opioiden Weitere Indikatoren des 160-seitigen QISA-Bandes thematisieren die Teilnahme des Praxisteams an speziellen Fortbildungsangeboten zum Schmerzmanagement sowie die Mitbehandlung der Patientinnen und Patienten durch spezialisierte Einrichtungen wie schmerztherapeutische Praxen, Kliniken oder Hochschulambulanzen. Insgesamt drei Indikatoren beleuchten die adäquate Verordnung von Opioiden und den Umgang mit möglichen Nebenwirkungen. Außerdem geht es in dem QISA-Band darum, dass ärztliche Praxen nach Möglichkeit auf die Injektion nichtsteroidaler Antirheumatika verzichten, die mit hohen Risiken für die Patientensicherheit verbunden ist. „Die dargestellten Indikatoren sind das Ergebnis einer Recherche in deutschsprachigen Leitlinien und Richtlinien sowie in nationalen und internationalen Indikatoren-Datenbanken. Im Anschluss hat ein mehrstufiger Bewertungs- und Reviewprozess stattgefunden, in dem die Indikatoren vor allem aufgrund ihrer Relevanz und ihrer Umsetzbarkeit im primärärztlichen Sektor ausgewählt worden sind“, betont Dr. Cornelia Straßner, Privatdozentin an der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg und Mitautorin des QISA-Bandes. Die Entwicklung der QISA-Indikatoren war Teil des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts RELIEF, das von 2022 bis 2027 am Universitätsklinikum Heidelberg in Zusammenarbeit mit verschiedenen Projektpartnern durchgeführt wird. Ziel dieses Projektes ist es, ein hausärztliches Versorgungsprogramm zu entwickeln und zu evaluieren, das auf Personen mit chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen und häufigem Schmerzmittel-Gebrauch fokussiert. Insgesamt 16 Themenbände mit mehr als 200 Indikatoren Der neue Band C5 ergänzt «QISA – das Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung». Das Indikatorensystem ist das Produkt einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem AOK-Bundesverband und dem Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua). QISA thematisiert in erster Linie Aspekte der hausärztlichen Grundversorgung, aber auch Themen der Spezialversorgung durch Fachärztinnen und Fachärzte. Mit dem neuen QISA-Band zur Schmerztherapie liegen nun insgesamt 16 Themenbände mit über 200 Qualitätsindikatoren vor, die zum kostenlosen Download angeboten werden. Die QISA-Indikatoren werden bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen Projekten zur Validierung und Verbesserung der ambulanten medizinischen Versorgung angewendet.
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