Neue Art der Immuntherapie blockiert Ausbreitung von Ovarialkarzinomen30. März 2020 Grafik: © medistock/Adobe Stock Eine neue Art der Immuntherapie, die auf Makrophagen abzielt, ist an Mäusen untersucht worden und hat sich als vielversprechend für zukünftige Behandlungen von Ovarialkarzinomen erwiesen, wie eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern berichtet. Beim Eierstockkrebs treten unklare und unspezifische Symptome auf, was häufig dazu führt, dass die Erkrankung erst spät erkannt wird. Im Durchschnitt sind fünf Jahre nach einer Diagnose nur noch vier von sechs Patientinnen am Leben. Forscher der Universität Aarhus (Dänemark) hoffen nun, diese Situation in Zukunft ändern zu können. Zusammen mit Forschungskollegen aus Frankreich und Großbritannien haben sie Ergebnisse aus einer Studie an Mäusen veröffentlicht, die zeigen, dass es offenbar möglich ist, die Ausbreitung von Eierstockkrebs zu verhindern und den Tumor zu reduzieren, indem man Makrophagen aus Omentalfett entfernt. Anders Etzerodt vom Institut für Biomedizin der Universität Aarhus und Hauptautor der Studie erklärt, dass Eierstockkrebs am häufigsten in den Eileitern auftritt. Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt war die Tatsache, dass sich bei dieser Krebsart Tumorzellen ablösen und in die Bauchhöhle gelangen können. Dies geschehe sehr früh im Verlauf der Erkrankung, erklärt Etzerodt. Die gewissermaßen „heimatlosen“ Krebszellen müssten sich , um zu überleben, irgendwo festhalten. „Dann wird das Omentalfett zu einer Art Wirt für Zellen, die sonst zugrunde gehen würden“, erläutert Etzerodt. „Unsere Forschung zeigt nun, dass zwei spezifische Arten von Immunzellen – Makrophagen – ihren Charakter verändern, wenn sich Tumorzellen in das Omentalfett bewegen. Sie werden zu kleinen Helfern der Erkrankung.“ „Eine der Makrophagenarten, der bereits im Gewebe vorhanden ist, beginnt den Tumor dabei zu unterstützen, sich weiter auf die anderen Organe in der Bauchhöhle auszubreiten. Gleichzeitig fängt die zweite Makrophagenart – die aus dem Blutkreislauf stammt in Reaktion auf die Infiltration der Tumorzellen in das Omentalfett rekrutiert wird – dem Versuch des Immunsystems, die invasiven Krebszellen zu bekämpfen, entgegenzuwirken. Auf diese Weise helfen sie dem Tumor zu wachsen“, berichtet Etzerodt. In der Studie experimentierten die Forscher zunächst mit der Entfernung Makrophagen, die sich bereits im Gewebe befanden. Dabei stellten sie fest, dass dies die Ausbreitung von Krebs in die Bauchhöhle hemmt – ohne dass der Tumor im Omentalfett kleiner wird. Eliminierten die Forscher gleichzeitig die Makrophagen aus dem Blutkreislauf, war das Ergebnis sowohl eine geringere Ausbreitung als auch ein schrumpfender Tumor. „Wir beschreiben eine Art der Immuntherapie, die sich von der jener unterscheidet, die von der Unterstützung der T-Zellen gekennzeichnet ist, die einen Tumor abtöten, und die zu einem festen Bestandteil der modernen immunologischen Behandlung geworden ist“, formuliert Etzerodt. „Was wir machen, ist auch Immuntherapie, aber es konzentriert sich auf einen anderen Teil des Immunsystems. Dieses Projekt ist erst die dritte wissenschaftliche Arbeit, in der beschrieben wird, wie Makrophagen unterschiedlicher Herkunft die Tumorentwicklung beeinflussen und wie genau die Makrophagen entfernt werden können, die die Fähigkeit des Immunsystems zur Hemmung des Krebses blockieren. Sie ‘bremsen die Bremse’, wenn man so will“, erklärt Etzelrodt. Laut dem Wissenschaftler haben er und seine Kollegen die neuen Arten von Makrophagen mithilfe der Einzelzellsequenzierung gefunden, die den Forschern sehr detaillierte Informationen über die Prozesse gibt, die in jeder einzelnen Zelle ablaufen. Nach Etzerodts Einschätzung bietet ihr Forschungsergebnis Potenzial dafür, in der Zukunft Therapien zu verbessern – allerdings mit der wichtigen Maßgabe, dass die Tests bisher nur an Mäusen durchgeführt wurden. Der nächste Schritt ist die Entwicklung eines Arzneimittels, das an Menschen getestet werden kann. Laut Etzerodt ist dies besonders interessant, da die Forschergruppe zuvor gezeigt hat, dass ähnliche Makrophagen aus dem Blutkreislauf auch in Modellen für Hautkrebs vorhanden sind. „Bis jetzt haben wir ein neues und tieferes Verständnis dafür gewonnen, was hilft und was den Körper bei der Entwicklung von Eierstockkrebs behindert, und ich freue mich darauf, dies in klinischen Studien an Patientinnen zu testen, die derzeit wirklich eine schlechte Prognose haben“, sagt er.
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