Tumorlysesyndrom: Frühe Rasburicase-Gabe senkt Risiko für Nierenversagen und Tod

Bild: KI-generiert mit Gemini

Eine frühzeitige Behandlung mit dem Enzym Rasburicase kann bei Patienten mit Tumorlysesyndrom das Risiko für Nierenversagen oder Tod deutlich senken. Darauf deutet eine US-Analyse von mehr als 1.200 Betroffenen hin.

Das Tumorlysesyndrom (TLS) ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der auftritt, wenn große Mengen von Krebszellen innerhalb kurzer Zeit zerfallen. Dabei werden unter anderem Substanzen wie Harnsäure in den Blutkreislauf freigesetzt, was die Nieren schädigen und schwere Komplikationen verursachen kann.

Rasburicase ist ein Enzym, das Harnsäure zu Allantoin abbaut. Es wird seit mehr als 20 Jahren zur Prophylaxe und Behandlung des TLS eingesetzt, weil es den Harnsäurespiegel rasch senken kann. Eine Studie unter der Leitung von Associate Professor David E. Leaf von Mass General Brigham zeigt nun erstmals, dass die Behandlung auch klinische Endpunkte wie Dialyse oder Tod positiv beeinflusst. Die Ergebnisse wurden bereits im Juli im „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht.

Frühe Behandlung reduziert schwere Verläufe

Die Forschende analysierten die Daten von 1.276 Erwachsenen, die zwischen 2014 und 2023 an 36 US-amerikanischen Krankenhäusern wegen eines TLS behandelt worden waren. Dafür verwendeten sie den Ansatz des „Emulated Target Trial“ – einem Studiendesign, das anhand von Real-World-Daten eine randomisierte klinische Studie möglichst realitätsnah nachbildet. Verglichen wurden Patienten, die innerhalb von zwölf Stunden nach Auftreten des TLS Rasburicase erhalten hatten (n=705), mit Patienten, bei denen die Behandlung später oder gar nicht erfolgte.

Die Ergebnisse zeigen: Bei Patienten, die frühzeitig Rasburicase erhielten, war das Risiko, während des Krankenhausaufenthalts eine Dialyse zu benötigen oder zu versterben, gegenüber Patienten mit verzögerter oder ohne Rasburicase-Therapie um rund ein Drittel reduziert.

Besonders schwer Erkrankte profitieren am meisten

Nach Schätzungen der Forschenden hätte somit durch eine frühzeitige Behandlung mit Rasburicase eine Dialyse oder Tod bei jedem elften behandelten Patienten verhindert werden können. Auch die 90-Tage-Mortalität war bei früh behandelten Patienten niedriger. Zudem konnten sie schneller wieder eine Krebstherapie aufnehmen.

Der größte Behandlungsvorteil zeigte sich bei Patienten, die bereits zu Beginn des Tumorlysesyndroms besonders schwer erkrankt waren. Dazu gehörten insbesondere Patienten mit einer mittelschweren bis schweren akuten Nierenschädigung zum Zeitpunkt der Entwicklung des TLS. Die Ergebnisse sprechen somit dafür, Rasburicase bei Patienten mit hohem Risiko frühzeitig einzusetzen, um schwere renale Komplikationen und Todesfälle zu verhindern.

(mkl/BIERMANN)

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