Neue Details der Immunantwort bei COVID-1922. Mai 2020 Die Autoren der Studie: Ulf Dittmer, Timm Westhoff, Nina Babel, Oliver Witzke (von links). Foto: © St. Elisabeth-Gruppe Forschungsteams der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und des Universitätsklinikums Essen haben herausgefunden, auf welche Teile des SARS-CoV-2-Virus das menschliche Immunsystem reagiert. Neben dem bisher fokussierten Spike-Protein können auch zwei weitere Proteine eine starke Immunantwort auslösen. Diese Entdeckung ist bedeutend sowohl für die Entwicklung diagnostischer Tests als auch von Impfstoffen. „Wir sollten uns dabei nicht ausschließlich auf das Spike-Protein konzentrieren“, sagt Studienleiterin Prof. Nina Babel vom Centrum für Translationale Medizin des Marien-Hospitals Herne, Universitätsklinikum der RUB. Ansätze basieren auf Erfahrungen mit SARS und MERS Unser Immunsystem kann gegen Bestandteile von Viren reagieren, indem es entweder Antikörper oder spezifische Immunzellen bildet. „Die Identifikation dieser Bestandteile ist daher sowohl für den Nachweis einer Immunität als auch für die Impfstoffentwicklung von großer Bedeutung“, sagt Prof. Oliver Witzke von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen am Universitätsklinikum Essen. Bisher fokussierten sich diesbezügliche Untersuchungen auf das sogenannte Spike-Protein, ein Eiweiß, das für den Eintritt des SARS-CoV-2-Virus in die Zellen eines Erkrankten von Bedeutung ist. Dieser Ansatz basiert auf Erkenntnissen der früheren Coronavirus-Epidemien von 2002/2003 und 2012, SARS und MERS. Sehr verschiedene Immunantworten sind möglich Die Wissenschaftler der beiden Ruhrgebietsuniversitäten konnten jedoch zeigen, dass auch zwei weitere Strukturproteine des Virus, das sogenannte Membran- und das Nukleokapsid-Protein, eine starke Immunantwort auslösen können. Eine Untersuchung an über 30 an COVID-19 erkrankten Patienten zeigt, dass sich sehr verschiedene Immunantworten entwickeln können. „Während einige Patienten tatsächlich vornehmlich eine Immunantwort gegen das Spike-Protein entwickelten, spielte dies bei anderen nur eine untergeordnete Rolle“, berichtet Prof. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Essen. „Die im Durchschnitt stärkste Immunantwort löste interessanterweise nicht das Spike- sondern das Membran-Protein aus“, so Prof. Timm Westhoff vom Marienhospital Herne. „Obwohl der abschließende Nachweis der anti-viralen Wirkung der identifizierten Immunzellen noch aussteht, weist die detaillierte Charakterisierung auf deren schützendes Potenzial hin“, so Babel. „Wir sollten uns daher bei der Entwicklung von Tests und Impfstoffen nicht wie bisher auf das Spike-Protein alleine konzentrieren“.
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