Neue DFG-Forschungsgruppe widmet sich dem Pruritus26. September 2018 © amixstudio – fotolia.com Schmerz- und Juckreiz-Forscher Prof. Dr. Martin Schmelz Sprecher der Forschungsgruppe „Translationale Pruritusforschung“ Sommer, Sonne, Insektenstiche – wer ist in diesem Jahr noch nicht von stechenden Insekten heimgesucht und in der Folge von Juckreiz geplagt worden, der einen schier in den Wahnsinn treiben kann? Der Insektenstich ist jedoch nur einer von vielen möglichen Auslösern des Juckreizes. Pruritus ist eine häufige Begleiterscheinung vieler Hauterkrankungen, tritt aber ebenso im Zusammenhang mit zahlreichen Systemerkrankungen wie Diabetes, Krebs oder Nierenversagen, wie auch bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen auf. Chronischer Juckreiz schränkt die Lebensqualität der Betroffenen massiv ein. Denn während sich der durch einen Insektenstich verursachte Juckreiz immerhin lindern lässt, sind die meisten chronischen Juckreizzustände kaum zu behandeln, da die Entstehungsursachen des Juckreizes vielfältig und die pathophysiologischen Mechanismen komplex und nur unvollständig aufgeklärt sind. Die therapeutischen Möglichkeiten beschränken sich heute im Wesentlichen auf Histamin-abhängigen Juckreiz, hervorgerufen durch die Aktivierung von Mastzellen im Rahmen einer Nesselsucht (Urtikaria) und als Reaktion auf Arzneimittel – oder eben Insektenstiche. Eine neue, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsgruppe hat sich nun zusammengetan, um grundlegende Mechanismen des Juckreizes aufzudecken und auf diesem Wege zu wirksameren Therapien zu kommen. Initiator und Sprecher der DFG-Forschungsgruppe „Translationale Pruritusforschung“ (FOR 2690) ist Professor Dr. Martin Schmelz, der an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg die Abteilung „Experimentelle Schmerzforschung“ leitet. Mit seiner Arbeit, in der er auch die Beziehung zwischen den Nervenfasern untersucht, die Schmerzen oder Pruritus auslösen, genießt der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft internationale Reputation. In den letzten Jahren hat die Grundlagenforschung zur neuronalen Verarbeitung insbesondere durch For-schungsarbeiten aus den Vereinigten Staaten sehr große Fortschritte gemacht. Jetzt gilt es, diese neuen Erkenntnisse aus der Forschung mit Nagetieren auf den Menschen zu übertragen. Deutsche Forscher nehmen in der translationalen Juckreizforschung eine führende Position ein und sind für diese Aufgabe daher prädestiniert. Auf der Basis langjähriger Forschungskooperationen zum Juckreiz konnten Professor Schmelz und Pro-fessor Dr. Sonja Ständer, die an der Universitäts-hautklinik Münster die erste Juckreizambulanz leitet, deutschlandweit Experten in ihrer Forschungsgruppe versammeln. Die Wissenschaftler stammen aus unterschiedlichen medizinischen Bereichen, um der Vielzahl von Einflussfaktoren gerecht zu werden. Das Konsortium setzt sich aus klinischen Forschern und Grundlagenforschern aus der Dermatologie, Neuro-physiologie, Anästhesiologie, Neurologie, Gastroenterologie und Radiologie zusammen, die an den Uni-versitäten in Heidelberg, Münster, Hannover und Er-langen, Mainz, Würzburg, Düsseldorf und Oldenburg forschen. Juckreiz und Schmerz liegen nahe beieinander. In-wieweit unterscheiden oder gleichen sich Juckreiz- und Schmerzrezeptoren (Prurizeptoren und Nozizeptoren), Mediatoren, Signalwege und neuropathische Veränderungen bei Juckreiz und Schmerz – dies sind Fragestellungen, denen die Forschungsgruppe um Professor Schmelz nachgeht. Deren Ansatz ist inter-disziplinär, auch innerhalb der insgesamt acht Projekte. Insbesondere die traditionelle Trennung von Dermatologie und Neurologie/Anästhesiologie – Patienten mit chronischem Juckreiz versus chronische Schmerzpatienten – wird aufgehoben, um sich den einzelnen Forschungsfragen optimal nähern zu können. Die Wissenschaftler erwarten, aus ihrer Forschung neue Erkenntnisse zu den Mechanismen des chroni-schen Juckreizes zu gewinnen, die ihnen wichtige Informationen für die Entwicklung von wirksamen Medikamenten liefern. Die Forschungsgruppe „Trans-lationale Pruritusforschung“ wird von der DFG in der ersten Förderperiode über einen Zeitraum von drei Jahren mit ca. 4,5 Mio. Euro gefördert.
Mehr erfahren zu: "Frühe Nahrungsmittelallergien führen nicht per se zu Essproblemen" Frühe Nahrungsmittelallergien führen nicht per se zu Essproblemen Eltern und Kliniker befürchten oft, dass Nahrungsmittelallergien im frühen Kindesalter langfristige Ess-Störungen oder eine übermäßige Selektivität („picky eating“) nach sich ziehen. Eine aktuelle Studie gibt nun Entwarnung: Danach zeigen betroffene […]
Mehr erfahren zu: "Regierung Trump streicht Empfehlungen für Kinderimpfungen zusammen" Regierung Trump streicht Empfehlungen für Kinderimpfungen zusammen Weniger Impfempfehlungen, keine Kombi-Präparate: Donald Trumps Regierung baut die Impfpolitik für Kinder um – und ignoriert sowohl explodierende Fallzahlen als auch wissenschaftliche Erkenntnisse.
Mehr erfahren zu: "Ekzem und Allergien: Dendritische Zellen treiben Immunglobulin-E-Antwort voran" Ekzem und Allergien: Dendritische Zellen treiben Immunglobulin-E-Antwort voran Interleukin‑13 verstärkt über dendritische Zellen vom Typ 2 die Bildung hochaffiner Immunglobulin-E-Antikörper. Der Mechanismus könnte erklären, wie sich über die Haut systemische Reaktionen ausbilden.