Neue diagnostische Methode zur Konsistenz von Lebertumoren

Grafik: © Sebastian Kaulitzki/Adobe Stock

Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben eine neue diagnostische Methode entwickelt, die es ermöglicht, die Konsistenz von Tumoren durch Magnetresonanztomographie (MRT) zu bewerten. Mithilfe der Tomoelastographie konnten sie jetzt die mechanischen Eigenschaften von Lebertumoren aufzeigen. 

Lebertumoren stellen weltweit die fünfthäufigste aller Tumorerkrankungen dar – mit steigender Tendenz. Menschen, bei denen die Leber eine höhere Steifigkeit aufweist, haben ein höheres Risiko, dass sich ein bösartiger Lebertumor entwickelt. Leberfibrose oder Leberzirrhose können eine Verhärtung der Leber verursachen. Über die Rolle der Wechselwirkungen zwischen festem und flüssigem Gewebe und ihre Auswirkungen auf die Entstehung von bösartigen Lebertumoren war bislang wenig bekannt. Die Forschungsgruppe um Prof. Ingolf Sack von der Klinik für Radiologie am Campus Charité Mitte hat nun erstmals die Verbindung zwischen der mechanischen Konsistenz der Leber und den in diesem Organ wachsenden Tumoren mittels der Tomoelastographie entschlüsselt.

„Die Tomoelastographie – eine Verbindung der Begriffe Tomographie, der Schnittbildgebung, und Elastizität, der Spannkraft – eignet sich zur detailgetreuen Abbildung der Konsistenz von Tumoren“, erklärt Sack, der mit seinem Team die neue Methode entwickelt hat. Patienten werden dabei mit dem MRT untersucht und währenddessen für circa fünf Minuten mit akustischen Wellen beschallt. Dadurch ist es möglich, die Ausbreitung von mechanischen Wellen in der Leber sichtbar zu machen. Diese diagnostische Methode ist besonders empfindlich für Veränderungen der Fest-Flüssig-Eigenschaften von weichen Gewebeteilen und kann somit Lebertumoren differenziert darstellen.

Das zentrale Ergebnis der jetzigen Studie: Maligne Lebertumoren zeichnen sich durch sowohl steife als auch flüssige Gewebeeigenschaften aus. Das umgebende Gewebe hat überwiegend feste Eigenschaften. Bislang hatte man angenommen, dass alle Tumoren steif sind. „Das von uns identifizierte ungewöhnliche Materialverhalten stellt möglicherweise ein allgemeines Muster zur Ausbreitung von Tumoren dar“, sagt Mehrgan Shahryari, Erstautor der Studie, und fügt hinzu: „Unsere Erkenntnisse könnten in Zukunft dazu beitragen, besser zwischen gut- und bösartigen Tumoren zu unterscheiden. Und das ganz ohne invasive Eingriffe. Bis dahin sind allerdings weitere umfangreiche Studien zur Robustheit und Genauigkeit der Tomoelastographie bei Tumoren notwendig.“