Neue EEG-Technologien für verbesserte Diagnose und Therapie

Neue EEG-Systeme umfassen Sensoren, die unterhalb der Kopfhaut liegen und die Hirnaktivität über lange Zeiträume messen. (Foto: Wyss Center)

Überwachungsgeräte, die unter der Kopfhaut liegen, könnten eine langfristige, kontinuierliche und zuverlässige Aufzeichnung der neuronalen Aktivität bieten und die Behandlung der Epilepsie verbessern. 

Trotz aller technologischen Fortschritte ist das Anfalltagebuch eines Patienten nach wie vor das einzige Mittel, um epileptische Anfälle außerhalb der Klinik aufzuzeichnen und zu zählen. Alle Erkenntnisse, die ein solches Tagebuch über die Wirkung von Medikamenten, die Anfallshäufigkeit oder die Auslöser von Anfällen liefern kann, hängen von der Zuverlässigkeit und Detailliertheit der Berichterstattung des Patienten ab. Auch die genaue Erkennung von Anfällen ist ein Problem, da etwa die Hälfte der Anfälle dem Patienten nicht bekannt ist.

Derzeit arbeiten Forscher weltweit an neuen Technologien zur Langzeit-Überwachung der Hirnaktivität. So beschreibt ein internationales Team von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Klinikern den Ansatz, die neuronale Aktivität unterhalb der Kopfhaut aufzuzeichnen – den Forschern zufolge eine zuverlässige Alternative zu subjektiven Anfalltagebüchern. Bei den Geräten handelt es sich um EEG-Systeme, die minimal-invasiv sind und über lange Zeit unter der Kopfhaut verbleiben könnten.

Dr. Maxime Baud, Epileptologe an der Universitätsklinik Bern und Mitarbeiter des Wyss-Zentrums für Neurologie sagte: “Unsere derzeitigen Epilepsie-Behandlungspläne basieren in erster Linie auf kurzfristigen Hirnaktivitätsdaten von EEG-Kappen während eines Krankenhausbesuchs. Epileptische Anfälle können Monate auseinander liegen und zyklisch auftreten, sodass wir Möglichkeiten brauchen, die Hirnaktivität in der häuslichen Umgebung kontinuierlich und genau zu überwachen. Solche neuen Technologien ermöglichen es uns letztlich, die Behandlung für jeden Patienten zu optimieren und zu personalisieren.”

In ihren Artikel stellen die Autoren insgesamt sechs neue Technologien der EEG-Aufzeichnung vor, die kommerziell verfügbar sind oder sich in der Entwicklung befinden – jede mit einem anderen Primärwert, darunter Anfallszählung und -aufzeichnung, Anfallsvorhersage und -warnung sowie Neurostimulation. Diese minimal-invasiven Techniken können nach Ansicht der Autoren dazu beitragen, einige der Risiken zu vermeiden, die mit einem direkten Eingriff in das Gehirn verbunden sind.

Zukünftige Anwendungen für das langfristige Monitoring der Hirnaktivität durch Messgeräte unter der Kopfhaut umfassen die Erkennung von Biomarkern und die Überwachung der Wirksamkeit von Arzneimitteln sowie Anwendungen der Neuromodulation im geschlossenen Regelkreis.