Neue Erkenntnisse für die Parkinson-Therapie30. März 2023 Foto: © Teeradej – stock.adobe.com Der Nucleus subthalamicus reguliert – unabhängig voneinander – sowohl die Geschwindigkeit, mit der Bewegungen ausgeführt werden, als auch die Geschwindigkeit von Prozessen der Entscheidungsfindung. Das haben Wissenschaftler der Sektion für Bewegungsstörungen und Neurostimulation der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz herausgefunden. Zu den typischen Parkinson-Symptomen zählen motorische Störungen. In vielen Fällen zeigt sich bei den Betroffenen eine Verlangsamung der Bewegungen. Ein etabliertes Therapieverfahren dieser Bewegungseinschränkungen ist die Tiefenhirnstimulation (THS). Bei der umgangssprachlich auch als Hirnschrittmacher bezeichneten Behandlungsform wird der Nucleus subthalamicus in den Basalganglien des Gehirns elektrisch stimuliert, um insbesondere die Bewegungsgeschwindigkeit zu verbessern. Der Nachteil: Bei einigen THS-Patienten kommt es durch die Stimulation des Hirnnervenkerns gleichzeitig zu einer unerwünschten Beschleunigung der Entscheidungsfindung. Welche Bedeutung das im Alltag der Betroffenen haben kann, beschreibt Prof. Sergiu Groppa, Leiter der Sektion Bewegungsstörungen und Neurostimulation der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz, am Beispiel eines Restaurant-Besuchs: „Die THS soll den Betroffenen helfen, ihre Bewegungen kontrollierter ausführen zu können, beispielsweise beim Essen mit Besteck. Sie sollten dabei zudem aber weiterhin in der Lage sein, die Geschwindigkeit ihrer Entscheidungen zu steuern, um nicht etwa vorschnell das erste Gericht auf der Speisekarte zu bestellen.“ Die Studienergebnisse der Forschenden um Groppa stellen einen vielversprechenden Ansatz dar, um die THS weiterzuentwickeln. Die neurowissenschaftlichen Untersuchungen der Aktivität des Nucleus subthalamicus haben gezeigt, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Kontrolle der Bewegungsgeschwindigkeit und der Regulation der Geschwindigkeit von Prozessen zur Entscheidungsfindung gibt. So konnten die Studienteilnehmenden Bewegungen schnell ausführen, ohne dass sie gleichzeitig Entscheidungen schneller treffen mussten und umgekehrt. Ausgehend von dieser Erkenntnis haben die Mainzer Wissenschaftler ein verbessertes THS-Verfahren entwickelt. „Durch eine neue Form der Neurostimulation, bei der die Stromimpulse nur in kurzen Intervallen – sogenannten Bursts – gegeben werden, ist es uns gelungen, die Motorik der Patientinnen und Patienten noch gezielter und separat von der Entscheidungsfindung zu beeinflussen“, erläutert Groppa. An der Studie nahmen insgesamt 15 Parkinson-Patienten teil, bei denen im Vorfeld ein Tiefenhirnstimulator zur Behandlung der Bewegungsstörungen implantiert worden war. Um die Mechanismen der Bewegungs- und Entscheidungskontrolle im Gehirn zu erforschen, gaben die Wissenschaftler kurze Stimulationsimpulse und erstellten Aufnahmen der elektrischen Aktivität des Nucleus subthalamicus der Probanden.
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