Neue Erkenntnisse zu Lymphdrüsenkrebs5. Oktober 2023 Bild: ©LASZLO – stock.adobe.com Forschenden um Prof. Lorenz Thurner ist es im Rahmen eines von der Wilhelm Sander-Stiftung mit 151.000 Euro geförderten Forschungsprojektes am José Carreras Zentrum der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) gelungen, einen möglichen weiteren infektiösen Auslöser bei Hodgkin-Lymphomen zu identifizieren: das Bakterium Rothia mucilaginosa. Zudem wurde für das Mantelzelllymphom gezeigt, dass eine Reaktivität der Lymphom-B-Zell-Rezeptoren gegen ein bestimmtes körpereigenes Eiweiß (LRPAP1) mit einer besseren Prognose vergesellschaftet ist. PD Dr. med. Moritz Bewarder, Claudia Schormann, Natalie Fadle, Evi Regitz, PDDr. Frank Neumann und Prof. Lorenz Thurner (alle José Carreras Center für Immun- und Gentherapie der Klinik für Innere Medizin I des UKS. Foto: © Laura Glücklich Beim nodulären Lymphozyten-prädominanten Hodgkin Lymphom (NLPHL) handelt es sich um eine Unterform des Hodgkin-Lymphoms. Bereits in 2019 veröffentlichten Vorarbeiten, die auch von der Wilhelm Sander-Stiftung gefördert worden waren, konnte nachgewiesen werden, dass bei einem Teil der Betroffenen dieser Lymphdrüsenkrebs durch Bestandteile des Bakteriums Moraxella catarrhalis mit ausgelöst und auch mit aufrecht erhalten wird.In darauf aufbauenden Forschungsarbeiten wurde nach weiteren ähnlichen Auslösern gesucht. Es wurden u.a. Bestandteile verschiedenster Viren, Bakterien als auch körpereigene Strukturen untersucht. Letztlich konnten Bestandteile eines weiteren Bakteriums mit dem Namen Rothia mucilaginosa als neue Auslöser dieses Lymphoms bei einem weiteren Teil der Erkrankten identifiziert werden. Diese Arbeit stärkt die Hypothese, dass chronische Infekte, teilweise auch Besiedelungen mit harmlosen Bakterien, bei bestimmten Menschen wesentlich zu der Entstehung dieser Untergruppe der Hodgkin-Lymphome beitragen können.Diese Ergebnisse der Forschungsgruppe des José Carreras Zentrums für Immun- und Gentherapie der Klinik für Innere Medizin I des UKS in Homburg/Saar unter der Leitung von Thurner, mit Natalie Fadle, Evi Regitz, PD Dr. Frank Neumann, PD Dr. Moritz Bewarder und Dr. Klaus-Dieter Preuss, waren nur mithilfe einer Kooperation mit dem Institut für Mikrobiologie und Bakteriologie der UKS in Homburg/Saar unter Leitung von Prof. Sören Becker und der langjährigen intensiven Zusammenarbeit mit Prof. Sylvia Hartmann vom Dr. Senckenberg Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Frankfurt a. M. und Prof. Martin-Leo Hansmann möglich.Des Weiteren wurde dieser Zusammenhang aufbauend auf einem Vorprojekt, in dem LRPAP1 als Zielautoantigen von einem Teil der Mantelzelllymphome beschrieben worden war (Thurner et al., Leukemia 2019), weiter untersucht. In Kooperation mit dem Europäischen Mantelzelllymphomnetzwerk mit Prof. Christiane Pott, Universitätsklinikum Kiel, und Prof. Martin Dreyling und Prof. Eva Hoster, LMU München, konnte gezeigt werden, dass diese spezifische Lymphom-B-Zell-Rezeptor-Reaktivität gegen dieses körpereigene Eiweiß einen potenziell prognostischen Einfluss hat. In einer in „Blood“ 2021 veröffentlichten Originalarbeit wurde nachgewiesen, dass Patienten mit dieser Mantelzelllymphom-BZR-Reaktivität ein signifikant besseres „Failure-free survival“ und Gesamtüberleben haben (Thurner et al., Blood 2021). Der Risikofaktor war unabhängig vom Prognoseindex MIPI. (Zur Einteilung der Prognose nutzen Ärztinnen und Ärzte den Prognoseindex MIPI*.Diese Arbeit wurde 2022 mit dem Czernecki Donelly-Preis des Europäischen Mantelzelllymphom-Netzwerkes an Thurner ausgezeichnet.Wilhelm Sander-Stiftung: Partnerin innovativer Krebsforschung Die Wilhelm Sander-Stiftung hat das Forschungsprojekt mit knapp 312.000 Euro über zwei Förderperioden unterstützt. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 270 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz ausbezahlt. Damit ist die Wilhelm Sander-Stiftung eine der bedeutendsten privaten Forschungsstiftungen im deutschen Raum. Sie ging aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist. *Mantelzell-Lymphom Internationaler Prognostischer Index
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