Neue Evidenz für Thrombektomie bei Verschluss großer intrakranieller Arterien23. Februar 2023 Graphische Darstellung eines Stent-Retrievers. (Foto: © songkram – stock.adobe.com) Zwei aktuelle Studien zeigen: Patienten mit Verschlüssen einer großen Arterie im vorderen Hirnkreislauf mit großem Kernvolumen profitieren von der endovaskulären Schlaganfalltherapie. Die Studien bestätigen der DGN zufolge somit die derzeitigen Leitlinienempfehlungen. Die internationale „Investor-initiierte“ SELECT2-Studie1 untersuchte prospektiv und randomisiert im Open-Label-Design den Nutzen der Thrombektomie innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten der Symptome bei schweren ischämischen Hirninfarkten, genauer: mit Verschluss der Arteria carotis interna oder des ersten Segments der Arteria cerebri media mit großem ischämischen Kernvolumen (3 bis 5 auf dem „Alberta Stroke Program Early Computed Tomography“-Score oder einem Kernvolumen von mindestens 50 ml im Perfusions-CT oder Diffusions-MRT). Primärer Endpunkt war der Behinderungsgrad auf der modifizierten Rankin-Skala (mRS-Score, 0=keine Behinderung, 6=Tod) nach 90 Tagen. 178 Patienten erhielten eine Thrombektomie zusätzlich zur medikamentösen Therapie, 174 wurden nur medikamentös behandelt. Es zeigte sich eine hochsignifikante Überlegenheit des zusätzlichen Eingriffs mit einer 51 Prozent höheren Chance für ein besseres Outcome (OR: 1,51, p<0,001). Allerdings kam es in der Thrombektomie-Gruppe bei 34 Patienten zu Komplikationen, darunter Gefäßperforationen, Dissektionen oder Vasospasmen. Die gefürchteten intrakraniellen Blutungen traten aber nur bei einer mit Thrombektomie behandelten Person auf, in der Vergleichsgruppe bei zwei Personen. Ein ganz ähnliches Ergebnis zeigte eine große chinesische Studie.2 Dort waren 456 Patienten mit Großgefäßverschlüssen (LVO) in der vorderen Zirkulation (Arteria carotis interna, Hauptstamm der Arteria cerebri media eingeschlossen worden, 231 erhielten eine Thrombektomie, 225 wurden medikamentös behandelt. 285 der Studienteilnehmenden (beider Gruppen) erhielten eine Thrombolyse. Auch diese Studie wurde aufgrund der hochsignifikanten Überlegenheit der Thrombektomie vorzeitig beendet. Wie in der SELECT2-Studie umfasste der primäre Endpunkt den Unterschied im Hinblick auf das Outcome erhoben mit der modifizierten Rankin-Skala, nach 90 Tagen betrug die Odds Ratio 1,37 (p=0,004). Intrakranielle Blutungen traten in dieser Studie allerdings häufiger in der Thrombektomiegruppe als in der rein medikamentös behandelten Gruppe auf (symptomatische intrakranielle Hämorrhagien 14 vs. 6, Hämorrhagien allgemein 113 vs. 39). „Die SELECT2-Studie unterstützt somit den Behandlungsstandard, der in der Leitlinie der DGN3 festgelegt ist, und zwar dass bei Verschluss einer großen Arterie im vorderen Kreislauf die endovaskuläre Therapie erfolgen soll. Es handelt sich dabei um eine starke Empfehlung mit Evidenzgrad 2, der durch die neue Studie perspektivisch sogar auf 1 hochgesetzt werden könnte“, erklärt Prof. Peter Berlit, DGN-Generalsekretär und -Pressesprecher.
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