Neue S3-Leitlinie zu Delir im höheren Lebensalter veröffentlicht9. Januar 2026 Die wissenschaftliche Leiterin der Leitlinie, PD Dr. Christine Thomas und Prof. Christine von Arnim, die federführend für die DGG an der Erstellung beteiligt war. (Bild: © DGG) Die neue S3-Leitlinie zu Delir im höheren Lebensalter ist seit heute bei der AWMF publiziert. Sie enthält Informationen zu Prävention, Diagnostik und Therapie. Koordiniert von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP), wurden eine Langfassung, eine Kurzfassung, wie auch eine Patientenleitlinie von mehr als 30 weiteren Fachgesellschaften und Berufsverbänden erarbeitet. Die neue Leitlinie umfasst erstmals 69 evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen für alle Versorgungssettings. Damit definiert sie sektorenübergreifende Standards für die Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge eines Delirs von hochbetagten Patientinnen und Patienten. Von der ambulanten Versorgung, der Notaufnahme, über das Krankenhaus und bis hin zur Pflegeeinrichtung und Rehabilitation adressiert die S3-Leitlinie alle zentralen Fragen der Versorgungspraxis von der Früherkennung, Prävention, leitliniengerechten Therapie bis zur Nachsorge. „Die Leitlinie ist das Ergebnis eines außergewöhnlich breiten interprofessionellen Konsenses aus Medizin, Pflege, Therapie und weiteren Gesundheitsberufen“, weiß die wissenschaftliche Leiterin, PD Dr. Christine Thomas, Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere am Klinikum Stuttgart. So gilt die Publikation als eines der bisher größten interprofessionellen Leitlinienprojekte im deutschsprachigen Raum. „Ziel war es, klare und umsetzbare Empfehlungen für alle Berufsgruppen zu formulieren.“ Fokus auf nicht medikamentöse Prävention und Therapie Ein zentrales Merkmal der Leitlinie ist der klare Fokus auf nicht medikamentöse Multikomponenten-Interventionen. Dazu zählen zum Beispiel strukturierte Kommunikation, Orientierungshilfen, Mobilisationsförderung und Schlafunterstützung. „Ihre Wirksamkeit wurde durch eine eigens durchgeführte Meta-Analyse belegt – sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung des Delirs“, betont Thomas. Maßnahmen dieser Art seien fester Bestandteil der leitlinien-basierten Versorgung. Sie ermöglichen insbesondere auch professionell Pflegenden eine evidenzbasierte Handlungsgrundlage. Dabei stützt sich Thomas auch auf die von ihr geleiteten und vom Innovationsausschuss des G-BA geförderten Projekte DELEIhLA und PAWEL, auf deren Ergebnisse die neue S3-Leitlinie maßgeblich basiert. Hohe Bedeutung für die Versorgung älterer Menschen: Delir häufig und folgenreich „Der zentrale Referenzrahmen für alle Versorgungsbereiche, der uns so lange gefehlt hat, ist jetzt endlich geschaffen“, ist Prof. Christine von Arnim überzeugt. Die Direktorin der Klinik für Geriatrie an der Universitätsmedizin Göttingen war federführend für die DGG an der Erstellung der Leitlinie beteiligt. „Ein Delir bei unserem Patientenklientel ist häufig, schwerwiegend und wird oft nicht erkannt“, erklärt die Geriaterin. Denn die akute Funktionsstörung des Gehirns tritt häufig bei älteren Menschen auf und gilt zugleich als die folgenreichste Komplikation im höheren Lebensalter. Typische Symptome seien Aufmerksamkeitsstörungen, Desorientierung, Denkstörungen und Bewusstseinsveränderungen, so von Arnim. Auslöser eines Delirs sind häufig Infektionen, operative Eingriffe, Medikamente oder akute Belastungen. Betroffenenleitlinie ermöglicht individuelle Prävention Entstanden ist deshalb auch die kurz gefasste und sehr anwendungsorientierte Patientenleitlinie für Betroffene und vor allem auch deren Angehörige. „Die Broschüre erklärt, was ein Delir ist und wie man es erkennt, um mehr Verständnis für die Situation zu schaffen“, freut sich von Arnim über das Ergebnis. „Mit der Weitergabe dieser Informationen können alle an der Behandlung Beteiligten aufklären und optimal unterstützen“, ergänzt Thomas. So haben die Autorinnen und Autoren auch Checklisten zur Überprüfung eines Delir-Risikos als präventive Maßnahme eingefügt und geben Tipps zur Delir-Vermeidung. Beachtenswert sind auch Lesetipps, Hinweise auf YouTube-Filme sowie auf Unterstützungsmöglichkeiten durch Stiftungen, Patientennetzwerke oder Selbsthilfegruppen.
Mehr erfahren zu: "Visuelle Wahrnehmung: Wie das Gehirn den Raum erobert" Visuelle Wahrnehmung: Wie das Gehirn den Raum erobert Einem internationalen Forschungsteam ist es gelungen, ohne Eingriff in das menschliche Gehirn nachzuweisen, wie es räumliche Tiefe und Entfernungen wahrnimmt und verarbeitet.
Mehr erfahren zu: "Negative Einflüsse während der Schwangerschaft wirken bis ins Jugendalter" Negative Einflüsse während der Schwangerschaft wirken bis ins Jugendalter Kinder, die pränatal mehr negativen Einflüssen (APE) ausgesetzt waren, zeigen häufiger Verhaltensprobleme, eine schnellere Ausdünnung der Hirnrinde und mehr depressive Symptome. Das berichten Forschende des Mass General Brigham (USA) in […]
Mehr erfahren zu: "Unfallkrankenhaus wegen Glätte „am Anschlag“" Unfallkrankenhaus wegen Glätte „am Anschlag“ Knochenbrüche und Platzwunden – im Unfallkrankenhaus Berlin aufgrund zahlreicher Unfälle durch Glätte herrscht Hochbetrieb. Die Sprecherin der Klinik hat eine Bitte.