Neue Studie beleuchtet die Ursachen von Fieber unbekannter Herkunft in Subsahara-Afrika17. Februar 2025 Kolorierte rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von filamentösen Ebolavirus-Partikeln (blau), die aus einer chronisch infizierten Zelle (gelb-grün) einer Zellkulturlinie austreten. (Bild: NIAID, NIH) Eine neue retrospektive, laborbasierte Beobachtungsstudie liefert detaillierte Erkenntnisse über die Ursachen von Fieber unbekannter Herkunft in Afrika südlich der Sahara. Ein Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, aus Guinea und der Slowakei untersuchte 550 Patienten aus Guinea, die zum Zeitpunkt des großen Ebola-Ausbruchs 2014 anhaltendes Fieber entwickelt hatten, aber vor Ort negativ auf das Ebola-Virus getestet wurden. Ziel war es, mit modernen diagnostischen Methoden die zugrunde liegenden Infektionskrankheiten besser zu verstehen. Die Studie wurde im Fachmagazin The Journal of Infectious Diseases veröffentlicht. Fieber ist eine häufige Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen, darunter unter anderem Infektionen, Krebs, Autoimmunerkrankungen. Bleibt die Ursache eines anhaltenden Fiebers trotz umfangreicher Untersuchungen unklar, spricht man von Fieber unbekannter Ursache (fever of unknown origin, FUO). Weltweit bleibt etwa die Hälfte aller FUO-Fälle unerkannt. In einkommensschwachen Regionen wie Afrika südlich der Sahara sind Infektionen, die zu FUO führen, weit verbreitet, aber nur bei einem Viertel der Patienten ist die Krankheitsursache bekannt. Häufig wird in Afrika südlich der Sahara Malaria als Ursache vermutet und behandelt, ohne dass eine Laborbestätigung vorliegt oder weitere Untersuchungen erfolgen. 90 Millionen pädiatrische Krankenhauseinweisungen pro Jahr in Subsahara-Afrika sind jedoch auf Fieber zurückzuführen, das nicht durch Malaria, sondern durch andere Infektionen verursacht wird, häufig ausgelöst von verschiedenen Bakterien und Viren. Ein Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen aus Guinea und der Slowakei in einer retrospektiven Beobachtungsstudie die Pathogendiversität von Patienten aus Guinea gründlich untersucht, die während eines großen Ebola-Ausbruchs im Jahr 2014 Fieber unbekannter Ursache aufwiesen. Dazu kombinierten sie epidemiologische, phylogenetische, molekulare, serologische und klinische Daten. Mittels serologischer Tests, PCR und Hochdurchsatz-Sequenzierung konnte bei 275 von 550 Patienten mindestens ein Erreger nachgewiesen werden. Neben dem erwartbaren Malariaerreger Plasmodium wurden bei knapp einem Fünftel der Patienten pathogene Bakterien wie Salmonellen und Klebsiellen diagnostiziert. Besorgniserregend war auch der häufige Nachweis von Resistenzen gegen sogenannte First-Line-Antibiotika in den untersuchten Proben und die hohe Rate an Koinfektionen: Jeder fünfte infizierte Patient litt an mehreren Infektionen gleichzeitig. Besonders häufig traten Erreger der Malaria und bakteriellen Sepsis gemeinsam auf – bei Erwachsenen in 12 Prozent und bei Kindern in 12,5 Prozent der Fälle. Auch Infektionen mit besonders hochpathogenen Viren kamen oft vor: Gelbfieber-, Lassa- und Ebolaviren wurden bei etwa sechs Prozent der Patienten mittels RT-PCR nachgewiesen. Besonders bemerkenswert war der Nachweis einer Infektion mit dem Orungo-Virus, einem kaum bekannten Erreger, für den keine robusten Testverfahren zur Verfügung stehen. Mittels Immunfluoreszenztests identifizierten die Wissenschaftler:innen zudem bei Patienten, die PCR-negativ waren, IgM-Antikörper gegen verschiedene Viren, darunter Dengue-, West-Nil- und Krim-Kongo-hämorrhagisches Fieber-Virus. „Fiebrige Erkrankungen unbekannter Ursache werden in Afrika oft ohne weiterführende Diagnostik als Malaria wahrgenommen und behandelt. In unserer Studie konnten wir bei etwa der Hälfte aller Patient:innen mit FUO einen Erreger nachweisen, darunter bakterielle Erreger, die eine Sepsis verursachen, hämorrhagische Fieber-Viren einschließlich Ebola und erwartungsgemäß auch verschiedene Malariaerreger“, erklärt der Letztautor der Studie, Prof. Jan Felix Drexler. Die Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, die Laborkapazitäten in Afrika südlich der Sahara weiter auszubauen. Die Fähigkeit, die infektiösen Ursachen von FUO frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend für die Patientenversorgung, eine effektive Reaktion auf Ausbrüche und die Entwicklung regional angepasster Diagnosemethoden. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass regional angepasste Therapieschemata diskutiert werden sollten, dass die Qualitätskontrolle im Ausbruchskontext verstärkt werden muss und dass die Kenntnis des Erregerspektrums die gezielte Stärkung regionaler Labors und die translationale Forschung im Sinne von Point-of-Care-Tests leiten kann“, fasst Drexler die Ergebnisse der Studie zusammen.
Mehr erfahren zu: "Gesundheits-Sparpaket: Grüne erwägen juristische Schritte" Gesundheits-Sparpaket: Grüne erwägen juristische Schritte Kurzfristige Änderungen, knappe Beratungszeit – die Grünen kritisieren das Gesetzgebungsverfahren beim Gesundheits-Sparpaket der Koalition als „stümperhaft“. Die Grünen erwägen juristische Schritte.
Mehr erfahren zu: "Neues Modell für Melanome mit BAP1-Verlust entwickelt" Neues Modell für Melanome mit BAP1-Verlust entwickelt Wissenschaftler aus Finnland haben ein Labormodell zur Untersuchung BAP1-defizienter Melanome entwickelt, um die Forschung zu dringend benötigten neuen Therapiemöglichkeiten zu erleichtern.
Mehr erfahren zu: "Ältere Väter: Gemeinsame Veränderungen von DNA-Methylomen in Spermien und Plazenta nachgewiesen" Ältere Väter: Gemeinsame Veränderungen von DNA-Methylomen in Spermien und Plazenta nachgewiesen Ein fortgeschrittenes väterliches Alter beeinflusst offenbar gemeinsame Gen-Loci in den DNA-Methylomen von Spermien und Plazenta, die mit der neuronalen Entwicklung in Verbindung stehen. Darauf weist eine aktuelle Studie aus Kanada […]