Neue Studie deutet auf Langzeitwirkung von Prasinezumab bei Parkinson hin28. Oktober 2024 Die motorischen Symptome der Parkinsonkrankjeit schränken Betroffene in ihrem Alltag ein. (Foto: © weyo – stock.adobe.com) Eine Post-hoc-Analyse der PASADENA-Studie deutet darauf hin, dass eine längere Gabe des Alpha-Synuclein-Antikörpers Prasinezumab das Fortschreiten der Parkinsonkrankheit bei allen behandelten Patienten verlangsamen könnte. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) hin. Bei Morbus Parkinson kommt es zu Aggregationen und Ablagerungen von Alpha-Synuclein im Gehirn – deren Reduktion ist ein wichtiger Ansatzpunkt für mögliche Therapien. Anfang 2024 hat eine Subgruppenanalyse der PASADENA-Studie angedeutet, dass Patienten mit einem schnelleren Krankheitsverlauf in der Frühphase der Erkrankung innerhalb eines Jahres von einer Therapie mit dem Alpha-Synuclein-Antikörper Prasinezumab profitieren könnten.1 Nun wurde in „Nature Medicine“ eine weitere Post-hoc-Analyse2 veröffentlicht, die auf Daten der PASADENA-Studie3 basiert. Sie deutet darauf hin, dass eine längere Gabe von Prasinezumab das Fortschreiten der Erkrankung bei allen behandelten Patienten verlangsamen könnte. „Dies muss allerdings noch in künftigen placebokontrollierten Langzeitstudien bestätigt werden“, erklärt Prof. Kathrin Brockmann, Dritte Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen und Mitautorin der Arbeit. Mit bisherigen Therapien lässt sich Parkinson nur symptomatisch behandeln. Sollten weitere Studien die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit von Prasinezumab bestätigen, wäre dies ein Durchbruch für die Parkinson-Therapie und die Lebensqualität der Betroffenen. An der vor zwei Jahren publizierten PASADENA-Studie nahmen ursprünglich 316 Personen mit Morbus Parkinson im Frühstadium teil. Sie erhielten randomisiert entweder intravenös Prasinezumab (1500 oder 4500 mg) alle vier Wochen für 104 Wochen in Teil 1 und 2 der Studie (Frühstartgruppe) oder Placebo für 52 Wochen in Teil 1, gefolgt von Prasinezumab (1500 oder 4500 mg) für 52 Wochen in Teil 2 (Spätstartgruppe). In der kurzen Auswertungsphase nach einem Jahr zeigte sich jedoch kein signifikanter Effekt. Die Studie verfehlte den primären Endpunkt, der Veränderungen im Summen-Score des Movement-Disorder-Society Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (MDS-UPDRS) misst.3 Eine anschließende explorative Subgruppenanalyse lieferte Hinweise, dass eine Verlangsamung der Progression motorischer Symptome für Untergruppen mit schnellerer Krankheitsprogression in der 52-Wochen-Analyse klinisch möglich sein könnte.1 Nach einer mindestens dreimonatigen Auswaschphase konnten die Teilnehmenden der PASADENA-Studie an einer Fünf-Jahres-OLE(Open Label Extension)-Studie teilnehmen, in der sie alle vier Wochen 1500 mg Prasinezumab erhielten (Teil 3). Neue Hinweise auf Langzeitwirkung von Prasinezumab In die jetzt publizierte Analyse2 wurden 271 Teilnehmende der PASADENA-Studie eingeschlossen. Untersucht wurde, ob die Wirkung von Prasinezumab auf die motorische Progression, gemessen als Veränderung des MDS-UPDRS Part III-Scores und des MDS-UPDRS Part II-Scores, über einen Zeitraum von vier Jahren nach Studienbeginn nachweisbar war und anhielt. Die Forschenden verglichen dazu die Teilnehmenden der Teile 1 und 2 sowie der offenen PASADENA-Verlängerungsstudie mit einer gematchten Kohorte aus der Parkinson’s Progression Markers Initiative (PPMI)4. Sowohl in der PASADENA-Gruppe mit direktem (n=177) als auch mit verzögertem Behandlungsbeginn mit Prasinezumab (n=94) zeigte sich ein langsameres Fortschreiten der motorischen Einschränkungen (ein geringerer Anstieg der Punktzahl) des MDS-UPDRS Part III-Score als in der externen PPMI-Vergleichsgruppe (n=303). Placebokontrollierte Langzeitstudien erforderlich Die neue Analyse liefert weitere Hinweise darauf, dass Prasinezumab eine Wirkung auf die motorische Progression bei Morbus Parkinson haben könnte, die möglicherweise längerfristig anhält. Sie ergänzt damit die Ergebnisse der ersten Subgruppenanalyse.1 Trotz der vielversprechenden Ergebnisse bleiben die Forschenden zurückhaltend: „Die Hauptlimitation der aktuellen Analyse ist das Fehlen einer echten Placebo-Kontrollgruppe. Der Vergleich mit der PPMI-Kohorte, so sorgfältig er auch durchgeführt wurde, kann eine randomisierte, placebo-kontrollierte Studie nicht ersetzen“, betont Brockmann. „Zur Validierung von Effekten, die möglicherweise eher schwach sind oder nur für eine bestimmte Subpopulation zutreffen, müssen wir die Ergebnisse placebokontrollierter Langzeitstudien mit größerer Studienpopulation abwarten.“ Bis dahin bleibe Prasinezumab und die Reduktion von Alpha-Synuclein-Aggregation und -Ablagerungen ein spannender Ansatz zur Therapie der Parkinson-Krankheit. „Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Hypothese, Alpha-Synuclein als ein molekulares Ziel therapeutisch anzugehen, aus den Ergebnissen einer Vielzahl von genetischen, Post-mortem- sowie Tier- und Zellmodell-Studien abgeleitet wurde“, betont Brockmann. „Sie ist nicht abhängig von den Ergebnissen einer einzelnen Arbeitsgruppe, die kürzlich am National Institute of Health (NIH) in Bethesda, Mayrland, USA, wegen möglicher Fälschungen in die Kritik geraten ist“, so die Expertin.
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