Ärztetag beschließt umfassende Änderungen der ärztlichen Weiterbildung

Mehr als Methoden und Kompetenzen: Die Weiterbildung im Arztberuf ist neu aufgestellt worden. Symbolbild: CrazyCloud – stock.adobe.com

Der 130. Deutsche Ärztetag in Hannover hat umfangreiche Änderungen der ärztlichen Weiterbildung verabschiedet. Zentral ist dabei die Abkehr von Methoden- und Handlungskompetenzen hin zu definierten Rollen und Haltungen gemäß einem internationalen Modell.

„Mit diesen Beschlüssen entwickeln wir die ärztliche Weiterbildung gezielt weiter. Wir schärfen die Bildungssystematik, verschlanken die Weiterbildungsordnung, richten sie auf die Herausforderungen der Zukunft aus und vereinfachen gleichzeitig die Verwaltungsprozesse in den Ärztekammern spürbar“, sagte Prof. Henrik Herrmann, Co-Vorsitzender der Ständigen Konferenz „Ärztliche Weiterbildung“ der Bundesärztekammer.

„Nachdem wir im vergangenen Jahr bereits die Zusatz-Weiterbildungen vereinheitlicht haben, ist nun ein wichtiger nächster Schritt gelungen: Auch die Kopfteile der Facharztbezeichnungen folgen jetzt einer einheitlichen Systematik. Besonders ist hervorzuheben, dass in der Muster-Weiterbildungsordnung ärztliche Haltungen und Rollen formuliert werden“, ergänzte Dr. Johannes Albert Gehle, ebenfalls Co-Vorsitzender der Ständigen Konferenz.

Anpassungen in den Abschnitten B und C

Die Anpassungen betreffen sowohl den Paragraphenteil als auch die Abschnitte B und C der (Muster-)Weiterbildungsordnung. Im Paragraphenteil wurden die Anrechnung oralchirurgischer Weiterbildungszeiten auf die Facharzt-Weiterbildung Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie sowie die Anrechnung von Unterbrechungen auf die Weiterbildung angepasst.

In Abschnitt B, der die Gebiete, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen sowie die allgemeinen Weiterbildungsinhalte umfasst, wurden acht Gebietsdefinitionen überarbeitet. Bei acht Facharztbezeichnungen (Anatomie, Hygiene und Umweltmedizin, Öffentliches Gesundheitswesen, Neuropathologie, Pathologie, Klinische Pharmakologie, Pharmakologie und Toxikologie sowie Physiologie) wurde die Mindest-Weiterbildungszeit verkürzt. Die Facharztbezeichnung Biochemie wurde gestrichen. Bei 29 Facharztbezeichnungen wurden die Weiterbildungsabschnitte angepasst. In Abschnitt C wurden zudem die Kopfteile der Zusatz-Weiterbildungen Geriatrie und Medizinische Informatik angepasst.

Orientierung an internationalem „CanMEDS“-Modell

Mehrere Beschlüsse betreffen die allgemeinen Inhalte der Weiterbildung. Diese werden auf Basis des „CanMEDS“-Modell des Royal College of Physicians and Surgeons of Canada neu strukturiert. Dabei handelt es sich um ein international etabliertes Kompetenzmodell, das ärztliche Haltungen und Rollen in den Mittelpunkt stellt. um eine hochwertige Patientenversorgung zu gewährleisten. Die bisherige Aufteilung in Methoden- und Handlungskompetenzen wird aufgelöst. An ihre Stelle treten acht Rollen, die grundlegende ärztliche Haltungen bündeln. Jede dieser Rollen soll von den Weiterbildungsbefugten als Ganzes bestätigt werden, etwa im Rahmen des jährlichen Weiterbildungsgesprächs. Zentrale ärztliche Haltungen und Rollen, etwa in Kommunikation und Teamarbeit, sollen damit stärker in den Mittelpunkt der Weiterbildung rücken. Der Ärztetag betont, dass sie keine Beigabe zur Fachlichkeit, sondern fester Bestandteil ärztlicher Identität seien.

(ms/BIERMANN)

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