Neue Therapie-Option bei nicht alkoholischer Fettleber29. Juli 2019 Foto: © PIC4U/Adobe Stock Die positive Wirkung der synthetisch hergestellten Gallensäure mit dem Wirkstoff nor-Ursodeoxycholsäure (Nor-Urso) bei der bisher unheilbaren Lebererkrankung primär sklerosierende Cholangitis (PSC) wurde an der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien unter Leitung von Michael Trauner bereits vor rund zwei Jahren gezeigt. Nun konnte in einer aktuellen Studie nachgewiesen werden, dass Nor-Urso auch bei der nicht alkoholischen Fettleber eine effiziente Therapie-Option darstellt. „Unsere nun abgeschlossene Phase-II-a-Studie mit Nor-Urso unter Mitwirkung zahlreicher österreichischer und deutscher Zentren zeigt im Einsatz bei der nicht alkoholischen Fettleber positive Ergebnisse“, sagt der Studienerstautor Stefan Traussnigg von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien. Das zentrale Ergebnis: Die synthetisch hergestellte Gallensäure „schützt“ die Leber vor Entzündung, die dann in einer Fibrose gipfeln könnte. Dabei wird die Hormonwirkung der Gallensäure von den Forscher als Ziel genützt. Trauner erklärt: „Die Gallensäure kreist wie ein Steroid-Hormon durch den Körper und reguliert viele Stoffwechselprozesse. Bei der Fettleber kommt es quasi zu einer Gallensäure-Signal-Resistenz, wodurch diese Prozesse nicht mehr richtig funktionieren. Nor-Urso verstärkt die Hormonwirkung der Gallensäure wieder.“ Das eröffnet den Betroffenen eine viel bessere Prognose für den weiteren Krankheitsverlauf. In weiteren Studien wollen die Forscher der MedUni Wien nun testen, ob Nor-Urso auch dabei hilft, die häufigsten Todesursachen bei einer Fettleber, nämlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, einzudämmen und die Lebenserwartung damit generell zu verbessern. „Es wäre logisch, das zu erwarten und wir sind auch zuversichtlich. Aber bewiesen haben wir es noch nicht“, betont Trauner. Personalisierte Medizin in der Hepatologie Gleichzeitig haben die HepatologInnen an der MedUni Wien, die bei der Erforschung von Leber-und Gallenwegserkrankungen weltweit führend sind, zwei weitere Therapie-Optionen mit Gallensäuren erschlossen und dazu bereits prominent publiziert. Ein weiterer Ansatz zielt auf die Aktivierung des Gallensäurerezeptors FXR (einem Sensor für Gallensäuren) ab, dieser Rezeptor ist an wichtigen Prozessen wie der Regulation des Lipid- und Glukosestoffwechsels sowie der Synthese und Zirkulation von Gallensäuren beteiligt. So wurden in diesem Jahr die Langzeitdaten einer Phase-III-Studie zum Einsatz von Obeticholsäure bei der primären biliären Cholangitis (PBC) als erstem klinisch verfügbaren FXR-Liganden publiziert. Trauner: „Das wurde vor kurzem als Second-Line-Therapie der PBC zugelassen und hat auch bei der Fettleber/NASH positive Effekte gezeigt.“ Neben der Obeticholsäure gibt es auch bereits weitere neue FXR-Aktivatoren bzw. -Liganden, die keine Gallensäurenstruktur mehr aufweisen (nicht steroidale FXR-Liganden) und damit auch eine bessere Verträglichkeit aufweisen. Mit diesen konnten ebenfalls erste positive Ergebnisse bei Gallenwegserkrankungen und Fettleber gezeigt werden. „Mit diesen vielversprechenden Optionen haben wir im Sinn der personalisierten Medizin drei weitere Möglichkeiten für eine individuelle Behandlung, die sich die Signaleigenschaften und Hormonwirkungen von Gallensäuren zunutze machen. In Zukunft werden wir diese kombiniert einsetzen und den Betroffenen helfen können“, betont Trauner.
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