Neue Werkzeuge gegen Krankenhausinfektionen?5. Mai 2022 Bild: (c) Wiley-VCH Ein Forschungsteam hat einen neuen Ansatz für die Behandlung von Infektionen mit multiresistenten Staphylokokken vorgestellt. Er basiert auf einem synthetischen Peptid, das die Kommunikation der Bakterien, das „Quorum Sensing“, blockiert und so deren Virulenz verringert. Für gesunde Menschen oft harmlose Erreger können bei einem Krankenhausaufenthalt sehr gefährlich werden, wenn sie in (OP-)Wunden oder z.B. bei Untersuchungen ins Körperinnere geschwächter Patienten gelangen. Alarmstufe rot gilt bei multiresistenten Bakterien wie dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), gegen den praktisch kein Antibiotikum mehr wirkt. In den USA gehen jährlich ca. 100.000 Krankenhausinfektionen mit fast 20.000 Todesfällen auf dessen Konto. Je mehr Antibiotika, desto mehr Resistenzen: Die aufkommende Antibiotika-Krise lässt sich nur durch alternative Ansätze meistern. So zielen „Anti-Virulenz“-Strategien darauf ab, die Infektionskraft des Erregers zu verringern, ohne ihn abzutöten. Dadurch verringert sich der Selektionsdruck, der zur Entwicklung von Resistenzen führt. Da die Schwere der Infektion abnimmt, kann im Idealfall die Immunabwehr des Patienten die Infektion besiegen. Als Angriffspunkt für ihren Anti-Virulenz-Ansatz gegen S. aureus wählte das interdisziplinäre Team von der University of Wisconsin-Madison (USA) um Helen E. Blackwell ein chemisches Kommunikationssytem der Bakterien untereinander, das Quorum Sensing (QS). Viele Pathogene verwenden QS, um die Produktion von Virulenzfaktoren oder an Infektionen beteiligte Toxine zu regulieren. Virulenzfaktoren verleihen Erregern u.a. die Fähigkeit, an Wirtszellen zu haften und in sie einzudringen. Der QS-Regelkreis von S. aureus und verwandten Bakterien basiert auf dem „Accessory Gene Regulator“ (agr)-System. Als Signalmolekül dient das „Autoinducing Peptide“ (AIP). Das Forschungsteam entwickelte ein AIP-ähnliches synthetisches Peptid, das das agr-System außergewöhnlich stark blockiert und damit auch das QS. Das Weglassen eines Peptid-Endstücks im Vergleich zu AIP verlangsamt den Abbau des Inhibitor-Peptids im Gewebe deutlich. Durch Einkapselung in bioabbaubare Polymer-Mikropartikel lässt sich die Freisetzung zudem verzögern und die Wirkung erheblich verlängern, sodass eine hohe Wirksamkeit bei geringer Dosis erzielbar ist. In einem Mäusemodell für Haut-Abszesse ließen sich Infektionen mit S. aureus durch eine lokale Injektion des eingekapselten Peptids fast vollständig blockieren. Das neue Inhibitor-Peptid könnte einen Ansatz für therapeutische Strategien gegen bakterielle Infektionen sowie Erkenntnisse über die Rolle von agr und QS bei chronischen Infektionen liefern. Zudem könnte es eine Grundlage für die Entwicklung von Oberflächenbeschichtungen sein, die bakterielle Infektionen hemmen, z.B. für Implantate.
Mehr erfahren zu: "DGS kündigt klinische Studien zu Cannabis in der Schmerzmedizin an" DGS kündigt klinische Studien zu Cannabis in der Schmerzmedizin an Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat beim Medizinal Cannabis Congress in Berlin über die Versorgungssituation chronischer Schmerzpatienten gesprochen und neue klinische Studien zum Einsatz von Medizinal-Cannabis in der Schmerzmedizin […]
Mehr erfahren zu: "Tendinopathien: Protein HIF1 als Auslöser von Sehnenbeschwerden aufgedeckt" Tendinopathien: Protein HIF1 als Auslöser von Sehnenbeschwerden aufgedeckt Werden Sehnen ständig überlastet, etwa bei intensivem Sport, können sie sich schleichend verändern, was zu Tendinopathien führt. Für die schmerzhaften Veränderungen ist das Protein HIF1 mitverantwortlich.
Mehr erfahren zu: "Projekt Athletin-D erforscht Menstruationszyklus im Leistungssport" Projekt Athletin-D erforscht Menstruationszyklus im Leistungssport Das neue Verbundprojekt Athletin-D beschäftigt sich mit geschlechtsspezifischen Besonderheiten – insbesondere dem Menstruationszyklus – im Leistungssport. Im Fokus steht das Zusammenspiel des Zyklus mit Leistung und Gesundheit.