Neue Wirkstoffkombination erfolgreich bei komplizierten Harnwegsinfekten15. November 2022 Harnwegsinfekt (Symbolbild). Grafik: TuMeggy – stock.adobe.com Bei Patienten mit kompliziertem Harnwegsinfekt (HWI) oder akuter Pyelonephritis, verursacht durch gramnegative Erreger, zeigte sich Cefepim/Enmetazobactam im Vergleich zu Piperacillin/Tazobactam in einer randomisierten Studie überlegen. Cefepim/Enmetazobactam ist eine neuartige β-Lactam/β-Lactamase-Hemmer-Kombination und eine potenzielle empirische Therapie für resistente gramnegative Infektionen. Eine randomisierte, doppelblinde, aktiv kontrollierte, multizentrische klinische Nichtunterlegenheitsstudie der Phase III sollte zeigen, ob die neue Kombination gegenüber dem älteren Wirkstofftandem Piperacillin/Tazobactam für das primäre Ergebnis der Behandlungswirksamkeit bei Patienten mit komplizierten HWI oder akuter Pyelonephritis nicht unterlegen war. Die Studie wurde an 90 Standorten in Europa, Nord- und Mittelamerika, Südamerika und Südafrika durchgeführt. Die Rekrutierung erfolgte zwischen dem 24.09.2018 und dem 02.11.2019. Die letzte Nachuntersuchung fand am 26. November 2019 statt. Die Teilnehmer waren Patienten ab 18 Jahren mit einer klinischen Diagnose einer komplizierten HWI oder einer akuten Pyelonephritis, die durch gramnegative Erreger im Urin verursacht wurde. Geeignete Patienten wurden randomisiert und erhielten entweder 2 g Cefepim plus 0,5 g Enmetazobactam (n=520) oder 4 g Piperacillin plus 0,5 g Tazobactam (n = 521), als 2-stündige Infusion alle 8 Stunden für 7 Tage (bis zu 14 Tage bei Patienten mit positiver Blutkultur zu Studienbeginn). Die primäre Analysegruppe bestand aus Patienten, die folgende Kriterien erfüllten: 1. Infektion mit einem gramnegativen Ausgangserreger, der gegen keine der beiden Behandlungen resistent war, 2. ≥105 koloniebildende Einheiten [CFU]/ml in der Urinkultur oder Nachweis desselben Erreger in gleichzeitigen Blut- und Urinkulturen, 3. Erhalt einer beliebigen Menge des Studienmedikaments. Das primäre Ergebnis war der Anteil der Patienten in der primären Analysegruppe, die einen Behandlungserfolg erzielten, definiert als klinische Heilung kombiniert mit mikrobiologischer Eradikation der Infektion (<103 CFU/ml im Urin). Die Studienautoren berechneten zweiseitige 95%-Konfidenzintervalle (KI) mithilfe der stratifizierten Newcombe-Methode. Die vorgegebene Nichtunterlegenheitsmarge betrug -10%. Die Wissenschaftler legten fest, dass sie bei Nichtunterlegenheit der neuen Medikamentenkombination auch prüften, ob diese den herkömmlichen Medikameten überlegen sein könnten. Von 1041 randomisierten Patienten (Durchschnittsalter 54,7 Jahre; 573 Frauen [55,0%]) erhielten 1034 (99,3%) das Studienmedikament und 995 (95,6%) schlossen die Studie ab. In der primären Analyse erreichten 79,1% (273/345) der Patienten, die Cefepim/Enmetazobactam erhielten, den primären Endpunkt, verglichen mit 58,9% (196/333) der Patienten, die Piperacillin/Tazobactam bekamen (Unterschied zwischen den Gruppen 21,2% [95%-KI, 14,3-27,9]). Behandlungsbedingte Nebenwirkungen traten bei 50,0% (258/516) der mit Cefepim/Enmetazobactam behandelten Patienten und bei 44,0% (228/518) der mit Piperacillin/Tazobactam therapierten Patienten auf; die meisten waren leicht bis mittelschwer (89,9% vs. 88,6%). Insgesamt 1,7% (9/516) der Teilnehmer, denen Cefepim/Enmetazobactam verabreicht wurde, und 0,8% (4/518) der Teilnehmer, die Piperacillin/Tazobactam erhielten, beendeten die zugewiesene Therapie aufgrund von Nebenwirkungen nicht. Bei Patienten mit komplizierter HWI oder akuter Pyelonephritis, verursacht durch gramnegative Erreger, erfüllte Cefepim/Enmetazobactam im Vergleich zu Piperacillin/Tazobactam folglich die Kriterien für Nichtunterlegenheit wie auch für Überlegenheit in Bezug auf das primäre Ergebnis der klinischen Heilung und mikrobiologischen Eradikation. Weitere Forschung sei erforderlich, um die potenzielle Rolle von Cefepim/Enmetazobactam bei der Behandlung von komplizierten HWI und Pyelonephritis zu bestimmen, schließen die Autoren. (ms)
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