Parkinson-Medikament lindert Symptome des Nikotinentzugs

Entzugssymptome machen Rauchern den Abschied vom Glimmstängel schwer. (Foto: © zhikun sun – stock.adobe.com)

Ein koreanisches Forscherteam hat einen neuronalen Mechanismus aufgeklärt, der für die Symptome des Nikotinentzugs verantwortlich ist. Zusätzlich konnten sie zeigen, dass sich ein für die Parkinson-Krankheit zugelassenes Medikament für die Linderung der Symptome eignen könnte.

Wenn mit dem Rauchen aufgehört wird, werden bestimmte Bereiche des Gehirns hyperaktiv, was zu körperlichen Entzugserscheinungen wie Zittern und verminderter Aktivität führt. Diese Symptome beeinträchtigen das tägliche Leben erheblich und sind wichtige Faktoren, die zu einem Rückfall führen. Daher ist das Verständnis der internen Prozesse, die durch den Nikotinentzug ausgelöst werden, von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche Raucherentwöhnung.

Ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Heh-In Im am Center for Brain Disorders des Korea Institute of Science and Technology (KIST) hat nun die Rolle der cholinergen Interneuronen im Striatum bei Nikotinentzugssymptomen genau untersucht. In Experimenten an Mäusen hemmten sie selektiv die Expression von Natriumkanälen in den cholinergen Interneuronen des Striatums, um die neuronale Aktivität zu verringern. Dieser Eingriff linderte das durch den Nikotinentzug verursachte Zittern erheblich. Mithilfe der Multi-Elektroden-Array-Technologie bestätigte das Team, dass die Unterdrückung der cholinergen Interneuronen die abnormen Veränderungen der neuronalen Aktivität vollständig blockierte.

Darüber hinaus zeigten Experimente, dass die Unterdrückung cholinerger Interneuronen den Dopaminspiegel im Striatum, der während des Nikotinentzugs um mehr als 20 Prozent gesunken war, wieder auf ein normales Niveau brachte. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse untersuchte das Team den möglichen Einsatz von Procyclidin, einem für die Parkinson-Krankheit zugelassenen Wirkstoff, zur Behandlung des Nikotinentzugs. Procyclidin ahmt die hemmende Wirkung auf die neuronale Aktivität der cholinergen Interneuronen nach und ist damit ein vielversprechender Kandidat für die Linderung der körperlichen Symptome des Nikotinentzugs.

Schon die Verabreichung einer einzigen niedrigen Dosis Procyclidin an Mäuse vor der Einleitung des Nikotinentzugs reduzierte das Zittern – ein primäres körperliches Entzugssymptom – um mehr als 50 Prozent. Damit zeige ihre Studie, dass es möglich ist, ein zugelassenes Medikament für die Behandlung des Nikotinentzugs umzuwidmen und so den Prozess der klinischen Prüfung erheblich zu verkürzen, erklärten die Forschenden. Dieser Ansatz könnte den Zugang zu Raucherentwöhnungstherapien verbessern und die durch das Rauchen verursachten Gesundheitsprobleme wirksam verringern.

„Diese Studie bietet eine zusätzliche Behandlungsoption neben Bupropion und Vareniclin. In Zukunft wollen wir unser Verständnis der Suchtmechanismen, einschließlich Nikotin, vertiefen und wirksame Therapien entwickeln“, erklärte Im. (ej)