Neuer Biomarker für die Herzalterung identifiziert

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Ein internationales Forscherteam hat das Protein Lactadherin als wichtigen Marker für das Altern des Herzens identifiziert.

Die Identifizierung von Lactadherin als potenziellem Biomarker könnte künftig dabei helfen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser einzuschätzen. Darüber hinaus scheint das Molekül auch an wichtigen Signalwegen und Entzündungsprozessen beteiligt zu sein, die mit dem Altern und insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind. Auf Basis der Forschungsergebnisse könnten daher möglicherweise neue Ansätze für die Behandlung alternsbedingter Herzprobleme entwickelt werden.

Die Studie erschien Ende Januar 2024 in der Fachzeitschrift „Molecular & Cellular Proteomics“. Geleitet wurde das Forschungsprojekt von Dr. Alessandro Ori vom Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena und Dr. Lino Ferreira von der Universität Coimbra (Portugal). Unterstützung erhielten die Forscher vom Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen Veränderungen im Herzmuskelgewebe von Mäusen und Menschen. Dabei nahmen die Wissenschaftler sowohl den normalen Alternsprozess in den Fokus als auch den bei Erkrankungen, die zu beschleunigtem Altern führen. Die Forscher fanden heraus, dass sich bestimmte Teile des Herzgewebes, insbesondere die extrazelluläre Matrix (ECM), während des normalen Alternsprozesses verändern. Veränderungen der ECM gelten als charakteristisches Merkmal vieler chronisch entzündlicher Erkrankungen, die zu zellulärer Dysfunktion, Alterung und Krankheitsprogression führen können. Insbesondere zur ECM des gealterten Herzens und deren Auswirkungen auf Herzzellen während chronologischer und pathologischer Alterung existierte bislang jedoch noch wenig gesichertes Wissen.

Die Wissenschaftler um Ori dokumentierten nunmehr, dass Veränderungen in der ECM zugleich die Menge an Proteinen in diesem Bereich beeinflussen. Konkret wurde das Protein Lactadherin als Marker identifiziert. Sowohl während des normalen als auch beim beschleunigten Altern wurde es in Mäusen und Menschen vermehrt produziert. Bisher ist Lactadherin vor allem aus der Milch bekannt, wo es als antivirales Protein wirkt. Lactadherin erleichtert aber beispielsweise auch die Befruchtung von Eizellen und moduliert das Wachstum von Blutgefäßen.

Die Forscher fanden heraus, dass erhöhte Lactadherinspiegel in den Gefäßen des Herzens mit der Aktivierung bestimmter Alterns-Signalwege und einer pro-entzündlichen Reaktion in Zellen in Verbindung stehen. „Dies könnte darauf hindeuten, dass Lactadherin nicht nur als Marker für das Altern des Herzens dienen kann, sondern auch an wichtigen Signalwegen und Entzündungsprozessen beteiligt ist, die mit dem Alternsprozess und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind“, verdeutlicht Ori.