Neuer europäischer Weiterbildungsstudiengang zu Schlaganfall

Stroke Simulationskurs im Universitären Notfallzentrum des Inselspitals Bern. Prof. Dr. med. Simon Jung, Leitender Arzt Stroke Center Bern und Programmleiter des Stroke Master Kurses, unterrichtet Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Europäischen Ländern in der Akutbehandlung des Hirnschlags (Bemerkung: “Patient” ist ein Kursteilnehmer. Das Bild wurde vor der Pandemie aufgenommen). (Foto: © Insel Gruppe/Pascal Gugler)

Der Schlaganfall ist die zweithäufigste Todesursache in Europa. Deshalb lancieren die Medizinische Fakultät der Universität Bern und das Stroke Center des Inselspitals, Universitätsspital Bern, in Zusammenarbeit mit der European Stroke Organisation den Weiterbildungsstudiengang MAS Stroke Medicine: Er soll ab Frühjahr 2022 die nächste Generation von Fachleuten in der Schlaganfallmedizin in ganz Europa ausbilden.

Weltweit treten jährlich mehr als 13 Millionen Schlaganfälle auf. Der Hirninfarkt ist nicht nur eine der häufigsten Todesursachen, sondern auch eine Ursache für Demenz, Behinderung im Erwachsenenalter und die häufigste lebensbedrohliche neurologische Erkrankung. Jede vierte betroffene Person bleibt behindert und kann kein eigenständiges Leben mehr führen. Neben dem individuellen, persönlichen Schicksalsschlag verursacht ein Schlaganfall auch immense Gesundheitskosten.

Bedarf an Schlaganfall-Fachleuten nimmt stetig zu

Die Bereitstellung von hochqualifizierten Fachleuten auf dem Gebiet der Schlaganfallmedizin ist von entsprechend hoher medizinischer und gesellschaftlicher Relevanz. “Der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten mit theoretischem Wissen und praktischen Fähigkeiten in den Bereichen Prävention, Akutbehandlung, Rehabilitation und Nachbehandlung von Schlaganfällen wächst stetig”, erklärt Prof. Claudio Bassetti, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bern sowie Direktor und Chefarzt der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital. “Es freut mich sehr, dass neben der Lancierung des MAS in Sleep, Consciousness and Related Disorders vor drei Jahren nun auch noch für den Bereich Stroke ein MAS realisiert werden konnte.”

Europaweite Weiterbildung

Das Stroke Center des Inselspitals und die Universität Bern haben deshalb die Chance genutzt, als die European Stroke Organisation (ESO) einen neuen Austragungspartner für den renommierten und europaweit einzigartigen Studiengang suchte. Bisher wurde dieser in einer leicht anderen Form von der Donau-Universität Krems (Österreich) angeboten. In einem kompetitiven Verfahren konnte sich die Bewerbung aus Bern durchsetzen. “Wir sind stolz darauf, den European Stroke Master nach Bern zu holen und hier weiterzuentwickeln”, sagt Prof. Simon Jung, Leitender Arzt am Berner Stroke Center. Damit wird die postgraduale Schlaganfallausbildung für in- und ausländische Ärztinnen und Ärzte, seit jeher ein Schwerpunkt des Stroke Centers und der Medizinischen Fakultät der Universität Bern, gezielt weiter ausgebaut.

Erkrankungen und Todesfälle nach Schlaganfällen weltweit reduzieren

Der in Bern neu konzipierte MAS Stroke Medicine richtet sich an Medizinerinnen und Mediziner, Forscher und Angehörige anderer Gesundheitsberufe. Er deckt das gesamte Spektrum der Schlaganfallversorgung und Schlaganfallforschung ab. Neun Module in fünf Semestern verbinden Präsenzlehre an der Medizinischen Fakultät, intensive Vor-Ort-Lernkurse und Hands-on-Training im Stroke Center des Inselspitals mit Distance- und E-Learning-Elementen sowie Praktika an etablierten Schlaganfallzentren in ganz Europa. Die Teilnehmer realisieren zudem ein “Stroke Literature and News Wiki”, das über die Stroke-Guideline-App zur Verfügung gestellt wird. Einen wichtigen Beitrag leistet hierbei auch die Forschung: “Das Berner Stroke Center leitet zahlreiche nationale und internationale Multizenterstudien und wird den Studierenden auch die klinische und translationale Schlaganfallforschung näherbringen”, erklärt Prof. Marcel Arnold, Head Research Board der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital.

Prof. Urs Fischer, Mitinitiator des Studienganges, betont auch die globale Ausrichtung des Studienganges: “Die Weiterbildung zielt darauf ab, die schlaganfallbedingte Morbidität und Mortalität weltweit zu reduzieren.” Dabei sind die Häufigkeit und die Behandlung von Schlaganfällen global sehr unterschiedlich. Insbesondere Menschen, die in ressourcenarmen Ländern leben, sind von Schlaganfällen überproportional betroffen. Der Studiengang wird deshalb nicht nur angeboten, um den Anforderungen der europaweit gestiegenen Schlaganfallinzidenz gerecht zu werden, sondern auch, um den Versorgungsstandard und das Wissen um Diagnostik und Therapie des Schlaganfalls weltweit zu verbessern.