Neuer Hodenkrebs-Test für Mitte des Jahres erwartet20. Februar 2020 Klaus-Peter Dieckmann diskutierte beim Krebskongress in Berlin die Frage “MicroRNA als neuer Tumormarker ─ reif für die Praxis?” Foto: DGU/Dieckmann Der validierte Hodentumormarker microRNA371a-3p (M371) wird voraussichtlich Mitte des Jahres als Test in den Markt eingeführt. Diese Erwartung äußerte Prof. Klaus-Peter Dieckmann, Hamburg, der mit seiner Arbeitsgruppe an der Entwicklung des Markers maßgeblich beteiligt war, am 19.02.2020 beim Deutschen Krebskongress (DKK) in Berlin. Das Praxisproblem beim Hodentumor besteht laut Dieckmann darin, dass nur bei 50 bis 60 Prozent der Patienten die klassischen Marker wie Beta-hCG, AFP und LDH erhöht sind. Daher bestand der dringende Bedarf nach einem Marker mit besserer Aussagekraft. Den Durchbruch brachte Dieckmann zufolge eine Kasuistik von Murray et al. aus dem Jahr 2011, in der im Serum eines Hodentumorpatienten systematisch nach microRNAs gesucht wurde. Als bester Marker kristallisierte sich in weiteren Arbeiten M371 heraus. Dieckmann und Kollegen validierten den Marker und publizierten die Ergebnisse hochrangig im “Journal of Clinical Oncology”. Erreicht wurde eine Area Under the Curve (AUC) von 0,966 (zum Vergleich: PSA 0,6-0,7), die Sensitivität und Spezifität betragen über 90 Prozent. Der Marker eignet sich für die Frühdiagnostik, für die Nachsorge, aber auch für das Therapie-Monitoring. Bei der Evaluation, wie der Marker auf die Ablatio testis als Therapie reagiert, zeigte sich, dass der Abfall der Serumkonzentration zur Eradikation des Tumors parallel läuft. Erfolg oder Misserfolg der Therapie kann also von M371 angezeigt werden. Bei der Mehrzahl der Patienten mit Seminom im klinischen Stadium 1 normalisiert sich der Marker bereits nach einem Chemotherapiezyklus. Es sei also zu überlegen, so Dieckmann, ob man gegebenenfalls die Zahl der Zyklen in dieser Indikation von drei auf zwei oder noch weniger reduzieren könnte, um Übertherapie zu vermeiden. Ein Problem ist laut Dieckmann, dass M371 nicht für das Teratom funktioniert. Doch hier stehen bereits andere Marker in den Startlöchern: microRNA885-5p oder -448 (Lobo et al., ASCO GU 2020). (ms)
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