Neuer Immunschalter im Uterus könnte Schwangerschaftskomplikationen erklären

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Ein neu entdeckter Immunschalter steuert, ob uterine natürliche Killerzellen sich in der Gebärmutter ansiedeln, und könnte so eine Rolle bei verschiedenen Schwangerschaftskomplikationen spielen.

Der Beginn der Schwangerschaft erfordert ein bemerkenswertes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Bevor die Plazenta den wachsenden Fötus versorgen kann, muss sich der Embryo sicher einnisten und an die Blutversorgung der Mutter anschließen – ein Prozess, der von einer spezialisierten Gruppe von Immunzellen, den uterinen natürlichen Killerzellen (uNK-Zellen), gesteuert wird.

Eine neue Studie der University of Alabama at Birmingham (UAB), gefördert von den National Institutes of Health und in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ veröffentlicht, hat die entscheidende Rolle eines Immunschalters namens NFAT für eine erfolgreiche Schwangerschaft identifiziert. NFAT hilft den uNK-Zellen, sich in der Gebärmutter anzusiedeln und diese wichtige Steuerungsfunktion zu erfüllen. Wird dieses Signal abgeschwächt, gelangen weniger natürliche Killerzellen in die Gebärmutter – und es können Schwangerschaftskomplikationen auftreten.

„Diese Entdeckung eröffnet ein völlig neues Fenster zum Verständnis, wie das Immunsystem eine gesunde Schwangerschaft unterstützt“, berichtet Dr. Paige Porrett, Hauptautorin der Studie. „Dass NFAT als eine Art ‚Ansiedlungsschalter‘ für uterine NK-Zellen wirkt, hat uns überrascht und liefert einen konkreten Hinweis darauf, warum einige Schwangerschaften mit Komplikationen verlaufen.“

Bedeutung für Schwangerschaftskomplikationen

Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in die biologischen Mechanismen von Präeklampsie, Einnistungsstörungen, unzureichender Plazentadurchblutung und einigen frühen Schwangerschaftsverlusten – Erkrankungen, die viele Schwangere betreffen, nicht nur solche, die eine Organtransplantation hinter sich haben.

Die Expertise des Forschungsteams im Bereich Uterustransplantation bot eine besondere Möglichkeit, das immunologische Umfeld während der Schwangerschaft zu untersuchen. Der entdeckte Mechanismus scheint jedoch ein grundlegender Bestandteil der menschlichen Plazentaentwicklung zu sein.

„Dies ist nicht nur eine Geschichte über Transplantationen“, betont Porrett. „Wir haben die Transplantation als Betrachtungsansatz genutzt, aber die biologischen Prozesse lassen sich möglicherweise auf normale und Risikoschwangerschaften übertragen. Die Vorteile dieser Arbeit kommen potenziell allen Schwangeren zugute.“

Wie NFAT uNK-Zellen steuert

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass NFAT darüber entscheidet, ob uNK-Zellen zu sogenannten gewebsständigen Immunzellen werden. Diese Eigenschaft ermöglicht es ihnen, dauerhaft in der Gebärmutterschleimhaut zu verbleiben und mütterliche Blutgefäße für das frühe Plazentawachstum umzubauen.

Bislang war NFAT für seine Rolle in T-Zellen bekannt, wurde aber noch nie im Zusammenhang mit uNK-Zellen oder der Schwangerschaft beschrieben. „Dies ist ein neuer Weg, über den Immunzellen gewebsständig werden können, den wir bisher nicht kannten“, erklärt Porrett. „Wir zeigen nun beim Menschen, dass die Biologie, die wir bisher nur bei Mäusen beobachtet haben, auch hier Anwendung findet. Dadurch eröffnet sich ein völlig neues Forschungsfeld.“

Moderne Technologien ermöglichen neue Einblicke

Das Team nutzte Einzelzell-RNA-Sequenzierung, ein Verfahren, das die Aktivität jedes einzelnen Gens in einzelnen Zellen misst. Dieser Detailgrad ermöglichte es den Forschern, Veränderungen von Genprogrammen in Tausenden von Zellen zu beobachten – etwas, das ältere Methoden nicht erfassen konnten, insbesondere in so dynamischen Geweben wie der Gebärmutter.

„Die Einzelzellsequenzierung erlaubte es uns, die sich verändernden Genprogramme Zelle für Zelle zu sehen“, erläutert Porrett. „Diese Granularität ist notwendig, um einen solchen Signalweg zu identifizieren.“

Neue Fragen zur Medikamentenanwendung in der Schwangerschaft

Die Studie wirft zudem neue wissenschaftliche Fragen zum Immunsuppressivum Tacrolimus auf. Dieses Medikament wird von den meisten Empfängerinnen solider Organtransplantate eingenommen, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern.

Tacrolimus gilt als sehr wirksam und frühere Studien zeigten, dass es nicht mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen verbunden ist. Die neuen Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass eine Abschwächung des NFAT-Signals durch dieses Medikament möglicherweise das Risiko plazentarer Komplikationen erhöhen könnte.

„Tacrolimus wirkt außerordentlich gut, aber wir haben nun einen biologischen Grund gefunden, den Einsatz in der Schwangerschaft zu überdenken“, so Porrett. „Wir müssen uns intensiv darum bemühen, sicherere Alternativen für schwangere Patientinnen zu finden und gleichzeitig Abstoßungsreaktionen zu verhindern.“

Die Forschenden betonen jedoch, dass auf Grundlage dieser Studie keine Änderungen der Medikation erfolgen sollten. Vielmehr liefern die Ergebnisse eine Grundlage für weitere Forschung, etwa zur Entwicklung alternativer Medikamente oder optimierter Behandlungsstrategien, die sowohl die Schwangerschaft als auch das transplantierte Organ schützen.

Nächste Schritte der Forschung

Über Patientinnen nach Organtransplantation hinaus eröffnen die Ergebnisse laut den Forschern neue Wege zum Verständnis von Schwangerschaftskomplikationen auch bei Frauen ohne Immunschwäche. Das Team plant, die Auswirkungen von Immunsuppressiva auf andere Immun- und Nicht-Immunzelltypen in der Gebärmutter – einschließlich Stromazellen und Epithelzellen – zu untersuchen, um das umfassendere biologische Geschehen zu verstehen.

„Diese Daten aus menschlichem Gewebe sind aussagekräftig, aber größtenteils assoziativ“, erklärt Porrett. „Wir müssen die Kausalität bestätigen und verstehen, wie andere Zelltypen im Uterus reagieren. Das ist die Arbeit, die nun vor uns liegt – und der Weg, aus einer Entdeckung bessere Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.“

(lj/BIERMANN)

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