Neuer Notfallausweis für Menschen mit akuten Erkrankungen der Aorta1. April 2022 Herzchirurg Christoph Starck (links) und Kardioanästhesist und Notfallmediziner Stephan Kurz präsentieren den Notfallausweis für Aorten-Patientinnen und -Patienten. Foto: DHZB Bei akuten Erkrankungen der Hauptschlagader sind eine schnelle Diagnose, die richtige Erstversorgung und der rasche Transport in ein spezialisiertes Krankenhaus für die Betroffenen überlebenswichtig. Ein neuer Notfallausweis der Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) soll dies ermöglichen. Eine Typ-A-Aortendissektion steht für einen der dringlichsten Notfälle in der Herzmedizin: Die einzig mögliche Therapie ist eine Notoperation in einem spezialisierten Herzzentrum. Unbehandelt verläuft die Typ-A-Aortendissektion fast immer tödlich. Leider werden die Symptome dieser Erkrankung oft als – wesentlich häufiger auftretender – Herzinfarkt fehlinterpretiert oder die Erkrankung wird aus anderen Gründen zu spät diagnostiziert. Einer aktuellen DHZB-Studie zufolge wurde bei mehr als 75 Prozent der Patientinnen und Patienten eine falsche Erstdiagnose gestellt. Zudem kann die Dringlichkeit der Erkrankung unterschätzt werden. Dadurch verlieren die Patientinnen und Patienten entscheidende Zeit. Denn mit jeder Stunde, die eine akute Typ-A-Aortendissektion unbehandelt bleibt, versterben statistisch ein bis zwei Prozent der Betroffenen. „Aortentelefon“ verbessert Diagnostik und Versorgung Am DHZB, dem nach Fallzahlen bundesweit größten Zentrum für die chirurgische Behandlung der Typ-A-Aortendissektion, wurde bereits 2015 das Konzept eines „Aortentelefons“ ausgearbeitet: Eine medizinische Hotline, die allen Berliner und Brandenburger Ärztinnen und Ärzten rund um die Uhr koordinierend und beratend zur Seite steht. Das Konzept hat nach Angaben des DHZB bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Diagnostik und Versorgung geführt: So sei die Zahl der Patientinnen und Patienten, die am DHZB wegen einer akuten Typ-A-Aortendissektion operiert wurden, verglichen mit den Vorjahren um mehr als 45 Prozent gesteigert worden. Die Zeit von der Diagnose bis zur Operation sei ebenfalls deutlich reduziert worden und die Sterblichkeit insgesamt sei gesunken. Jetzt stellt das DHZB erstmals einen speziellen Notfallausweis für Aorten-Patientinnen und -Patienten vor. Er ermöglicht Notärztinnen und Notärzten einen sofortigen Zugriff auf die wichtigsten Patientendaten. Das DHZB kooperiert dabei mit der DoctorBox GmbH, die das Konzept eines digitalen Gesundheitskontos entwickelt hat. Das Angebot ist kostenlos. Wie der Notfallausweis funktioniert Patientinnen und Patienten, die das Angebot wahrnehmen möchten, können sich über die kostenlose DoctorBox-App registrieren und Daten zur Blutgruppe, Krankheiten und Allergien eintragen. Über diese App können Klinken oder Arztpraxen auch Patientendaten übermitteln. Sind die medizinischen Daten hinterlegt, kann auch der Notfallausweis aktiviert werden. Im Notfall kann das ärztliche Personal oder Mitglieder des Teams einer Klinik-Rettungsstelle über einen auf der Karte aufgedruckten QR-Code die DoctorBox-Website aufrufen. Nach Eingabe einer PIN-Nummer erhalten sie sämtliche Gesundheitsdaten der Registrierten. Zudem steht die Nummer des DHZB-Aortentelefons auf der Karte und ermöglicht Rettungsstellen und Notärztinnen und Notärzten schnellen Support. „Die technischen und infrastrukturellen Schutzmaßnahmen der DoctorBox GmbH entsprechen den höchsten Standards und sind gemäß der ISO/IEC 27001 – einer internationalen Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme auf der Basis von Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit – zertifiziert“, versichert das DHZB. Vorerkrankte im Fokus Der Notfallausweis für Aorten-Patientinnen und -Patienten soll zur bestmöglichen Versorgung insbesondere bei Menschen mit Vorerkrankungen beitragen, wie Herzchirurg Prof. Christoph Starck, Leitender Oberarzt am DHZB, erläutert: „Auch bei Patientinnen und Patienten, die bereits in ambulanter Behandlung sind, kann es zu einer plötzlichen Notfallsituation außerhalb der Klinik kommen. Dann ermöglicht die sofortige Abfrage der Vorgeschichte und aller wichtigen Parameter den erstversorgenden Kolleginnen und Kollegen eine schnelle und individuelle Therapie – was für die Patientinnen und Patienten lebensrettend sein kann.“ Oberarzt Dr. Stephan Kurz, Kardioanästhesist und Notfallmediziner am DHZB und der Charité, ergänzt: „Viele Patientinnen und Patienten, die eine akute Aortenerkrankung mit einer Notoperation hinter sich haben, leben in großer Sorge vor einer erneuten Erkrankung. Wir möchten mit dem Notfallausweis zu einem besseren Gefühl der Sicherheit beitragen.“ Übertragbares Konzept Das DHZB wird laut eigenen Angaben gemeinsam mit DoctorBox mehreren hundert Menschen mit bekannten Aortenerkrankungen einen Notfallausweis zur Verfügung stellen, der durch die Registrierung bei DoctorBox und die Übermittlung der Patientendaten aktiviert werden kann. Bei positiver Resonanz und Praxistauglichkeit soll das Konzept auch allen anderen DHZB-Patientinnen und -Patienten empfohlen. Schon jetzt sei die Registrierung bei DoctorBox selbstverständlich für alle Patientinnen und Patienten möglich. „Aortenwoche“ am DHZB Das DHZB nimmt die Einführung der Notfallkarte zum Anlass für eine „Aortenwoche“: „Sieben Tage lang wollen wir auf unseren Social-Media-Kanälen für Information und Aufklärung sorgen. Wir präsentieren informative Schaubilder mit Daten und Fakten zu Aortenerkrankungen, sprechen mit Expertinnen und Experten über modernste Diagnose- und Therapieformen, stellen Patientengeschichten vor und vieles mehr“, erläutert das DHZB die Kampagne.
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