Neuer Schalter für die Virulenz von Durchfallerregern entdeckt9. April 2026 Yersinia-Bakterien regulieren ihre Virulenz in Abhängigkeit der Umgebungstemperatur. Symbolbild: AiDesign/stock.adobe.com Durchfallerreger der Gattung Yersinia können ihre Virulenz in Abhängigkeit von ihrer Umgebungstemperatur regulieren. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Protein Fis, wie eine neue Studie zeigt. Yersinia pseudotuberculosis ist ein naher Verwandter des berüchtigten Pesterregers und ein wahrer Meister der Temperaturwahrnehmung. Um zu unterscheiden, ob es sich gerade in der kühlen Umwelt oder im warmblütigen Wirt befindet, nutzt das Bakterium die Umgebungstemperatur als Signal. Während bereits bekannt war, dass RNA-Moleküle zur direkten Temperaturwahrnehmung eingesetzt werden, konnte ein Team der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Münster nun zeigen, dass das Protein Fis eine zusätzliche regulatorische Funktion auf der DNA-Ebene übernimmt. „Fis fungiert als Kontrolleur, der die Virulenzgene bei 25 Grad Celsius außerhalb des Wirts abstellt“, erklärt Prof. Franz Narberhaus, Lehrstuhl für Mikrobiologie der Ruhr-Universität Bochum und Letztautor der aktuellen Studie. Fis-Protein schaltet Virulenzgene ab Nach der Aufnahme in den warmblütigen Wirt passieren zwei Dinge: Proteine, die zur bakteriellen Fortbewegung dienen, werden abgeschaltet, um eine Erkennung durch das Immunsystem des Menschen zu verhindern. Außerdem werden Virulenzfaktoren produziert, die die Immunabwehr schwächen. „In Experimenten mit einem Yersinia-Stamm, dem das Fis-Protein fehlt, haben wir einen unerwarteten Phänotyp bei 25 Grad Celsius beobachtet“, berichtet Narberhaus. „Die Bakterien waren komplett unbeweglich und schieden Effektorproteine aus, die ihre schädliche Wirkung normalerweise erst im Darm entfalten.“ Somit war das Temperatur-abhängige Wechselspiel zwischen nicht-virulentem und virulentem Zustand der Bakterien ausgehebelt. Bestätigung durch Infektion von Mottenlarven Aufgrund dieser Ergebnisse stellte sich die Frage, ob Bakterien, denen das Fis-Protein fehlt, bereits bei 25 Grad Celsius infektiös sind. Üblicherweise wird die bakterielle Virulenz in Mäusen untersucht, die ebenfalls warmblütig sind. Solch ein Modell ist aber für Infektionsversuche bei verschiedenen Temperaturen ungeeignet. Als Alternative boten sich wechselwarme Mottenlarven an. Dabei wies der Yersinia-Stamm ohne Fis eine gesteigerte Virulenz bei 25 Grad Celsius auf. Im Gegensatz zum natürlichen Stamm tötete er bei dieser niedrigen Temperatur Mottenlarven demnach ab. Dadurch konnten die Forschenden im Umkehrschluss bestätigen, dass das Fis-Protein außerhalb des Wirtes die Virulenz abschaltet. Die genauen molekularen Mechanismen, mit denen Fis diese Regulation steuert, untersuchen die Bochumer Forschenden in laufenden Studien. Mehr zum Thema Mikroorganismen: Welche Stämme von Staphylococcus aureus sind für Frühgeborene am gefährlichsten? Sepsisversorgung in Europa: Studien zeigen Defizite und dringenden Handlungsbedarf
Mehr erfahren zu: "Eines der letzten Puzzleteile des Zelltod-Entzündungssignalwegs ist entschlüsselt" Eines der letzten Puzzleteile des Zelltod-Entzündungssignalwegs ist entschlüsselt Eine internationale Forschungsgruppe entdeckt das Protein HERC4 als Schlüsselkomponente in Signalwegen des programmierten Zelltods. Dies eröffnet neue therapeutische Ansätze für Rheuma und Schuppenflechte, Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sowie für entzündungsbedingte Arten von […]
Mehr erfahren zu: "Zirkulierende Tumor-DNA mit hoher Aussagekraft im gesamten Spektrum des Urothelkarzinoms" Zirkulierende Tumor-DNA mit hoher Aussagekraft im gesamten Spektrum des Urothelkarzinoms Wie aussagekräftig ist der Nachweis von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) in den verschiedenen Stadien des Urothelkarzinoms (UC) in Bezug auf die Risikoklassifizierung, das Therapie-Monitoring und die Erkennung von Rezidiven? Dieser Frage […]
Mehr erfahren zu: "Ärzte-Stimmung stürzt auf historischen Tiefstand" Ärzte-Stimmung stürzt auf historischen Tiefstand Die Stimmung der niedergelassenen Ärzte in Deutschland ist so schlecht wie nie zuvor: Im dritten Quartal 2026 fiel der Stimmungswert auf -48,5 Punkte – mehr als 20 Punkte unter dem […]