Neuer Sonderforschungsbereich beleuchtet interdisziplinär Auswirkungen des biologischen Geschlechts24. November 2023 Symbolbild: devenorr – stock.adobe.com Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet an der Universität zu Lübeck einen Sonderforschungsbereich zum Thema „Determinants, meanings and implications of sex diversity in sociocultural, medical and biological landscapes“ ein. Das interdisziplinäre Verbundprojekt wird zunächst für vier Jahre mit knapp zwölf Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind neben der Universität zu Lübeck auch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Geschlecht und seine Auswirkungen sind zurzeit viel diskutierte Themen, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wissenschaft. An der Universität zu Lübeck wird schon seit über drei Jahrzehnten an der biologischen Vielfalt von Geschlecht geforscht, das UKSH, Campus Lübeck, bietet eine interdisziplinäre Sprechstunde für Menschen mit biologischen Varianten der Geschlechtsentwicklung. Eine gemeinsame Forschung, an der neben Medizin auch die Geistes- und Lebenswissenschaften beteiligt sind, fehlte jedoch bislang. Hier setzt das neue, nun von der DFG geförderte, Großprojekt an: Insgesamt 27 Forschende haben sich für die Erforschung der Vielfalt des biologischen Geschlechts unter der Leitung der Universität zu Lübeck zusammengefunden, um im Rahmen von 17 Teilprojekten aus der Biologie, Genetik, der Medizin, sowie aus Geistes- und Sozialwissenschaften am Themenbereich zu forschen. Sie werden die Bedeutungen und Auswirkungen von Geschlecht von der einzelnen Zelle über das Organsystem bis hin zu medizinischen Fragestellungen und auch deren sozio-kultureller Bedeutung in gesellschaftlichen Zusammenhängen ergründen. Ein Sonderforschungsbereich ist eine Forschungsmaßnahme, bei der die DFG zusammen mit der leitenden Universität einen wissenschaftlichen Schwerpunkt aufbaut und langfristig unterstützt. Die Leitung des Projekts liegt an der Universität zu Lübeck, beteiligt sind zudem Forschende der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, sowie Forschende von Universitäten in Berlin, Hannover, Magdeburg und München. Das Leitungsgremium des SFBs spiegelt den inter- und transdisziplinären Zugang des Projekts wider: Der Kinder- und Jugendmediziner Prof. Olaf Hiort ist Experte in der Endokrinologie, der Philosoph Prof. Christoph Rehmann-Sutter hat einen Hintergrund in Molekularbiologie und Bioethik. Von den drei weiteren Mitgliedern des Leitungsgremiums kommt Prof. Ulrike Krämer aus den Neurowissenschaften, Prof. Lisa Malich aus der Wissenschaftsgeschichte und Prof. Malte Spielmann aus der Humangenetik. Der neue Sonderforschungsbereich wird seine Arbeit am 1. April 2024 aufnehmen. Die Forschenden wollen untersuchen, inwiefern sich das biologische Geschlecht auf verschiedenen Ebenen unterschiedlich darstellen und ausprägen kann. Daher nennt sich der Sonderforschungsbereich im Kurztitel auch „sexdiversity“ (von Englisch „sex“ = biologisches Geschlecht). Forschungsergebnisse dazu haben weitreichende Folgen, vor allem im Bereich der Medizin: „Geschlecht und seine Auswirkungen sind ein wesentlicher Zugang zu einer personalisierten Medizin. Daher ist die Erforschung der vielfältigen Ausprägungen des biologischen Geschlechts sehr wichtig“ sagt Hiort, Leiter der Sektion für Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKSH und Sprecher des Sonderforschungsbereichs. „Es ist ein Thema von großer Tragweite. Das menschliche Selbstverständnis und die Gerechtigkeit gesellschaftlicher Strukturen sind berührt“, ergänzt Co-Sprecher Rehmann-Sutter vom Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung der Universität zu Lübeck. (Universität zu Lübeck / ms)
Mehr erfahren zu: "Kinderwunschbehandlung in Thüringen: Sozialministerium informiert über finanzielle Unterstützung" Kinderwunschbehandlung in Thüringen: Sozialministerium informiert über finanzielle Unterstützung Wenn der Kinderwunsch groß ist, sich aber nicht erfüllt, kann in manchen Fällen nachgeholfen werden. Wie Thüringer Paare dafür einen Zuschuss bekommen können und warum der Staat das überhaupt macht.
Mehr erfahren zu: "Krebs-Immuntherapie: Zuckerstrukturen auf Nierenzellen können Ansprechen voraussagen" Krebs-Immuntherapie: Zuckerstrukturen auf Nierenzellen können Ansprechen voraussagen Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben Zuckerstrukturen auf Nierenzellen entdeckt, die das Ansprechen auf eine Behandlung mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren voraussagen können.
Mehr erfahren zu: "Immunantwort nach Organtransplantationen: Forschungskooperation will extrakorporale Photopherese weiterentwickeln" Immunantwort nach Organtransplantationen: Forschungskooperation will extrakorporale Photopherese weiterentwickeln Die Medizinische Universität Wien (Österreich) und das Unternehmen Therakos haben eine langfristige Forschungspartnerschaft zur Weiterentwicklung der extrakorporalen Photopherese (ECP) bei der Transplantation solider Organe gestartet.