Neuer therapeutischer Ansatz gegen Blutgerinnsel ohne erhöhtes Blutungsrisiko24. Juli 2026 KI-generiertes Symbolbild: ©Maeva/stock.adobe.com Forschende aus Düsseldorf haben einen neuen, körpereigenen Mechanismus der Blutgerinnung entdeckt. Demnach kann der Botenstoff S1P als biologisches Schutzschild vor Schlaganfällen und Herzinfarkten fungieren. Forschenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) gelang es, einen neuartigen Therapieansatz abzubilden, bei dem körpereigene Mechanismen zum Tragen kommen. Davon berichten sie in der Fachzeitschrift „Science Advances“. Im Zentrum ihrer Studie standen die beiden körpereigenen Botenstoffe Sphingosin-1-phosphat (S1P) und Thrombomodulin (TM). Botenstoff S1P aktiviert natürlichen Gerinnungsschutz Das Team um Dr. Marcel Benkhoff, Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, UKD, konnte sowohl im Zell- als auch im Mausmodell nachweisen, dass S1P direkt im Gefäß einen Mechanismus aktiviert, der die Bildung von Blutgerinnseln verhindert. Das geschieht, indem der Botenstoff im Endothel ein Signal aktiviert, das zu einer erhöhten Produktion von TM führt, welches wiederum die Bildung von Blutgerinnseln verhindert. So wurde die Entstehung von arteriellen Thrombosen und Gefäßverschlüssen im Mausmodell deutlich verringert ohne dabei das Risiko für Blutungen zu erhöhen. Weitere Untersuchungen zeigten außerdem, dass das Risiko für Blutgerinnsel und Gefäßverschlüsse erneut massiv ansteigt, wenn die Produktion von TM durch ein Fehlen von S1P wieder abnimmt − ein Effekt, der sich durch eine Gabe von S1P wieder umkehren lässt. S1P kann im Gefäß also wie ein Schalter agieren, der das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte auf Basis körpereigener Vorgänge verringern kann. Nachdem die Versuche im Labor diese vielversprechenden Ergebnisse zeigten, haben die Forschenden im nächsten Schritt untersucht, ob sich die Ergebnisse auch im klinischen Alltag reproduzieren lassen. Dazu wurden insgesamt 74 Patientinnen und Patienten, die von einer Herz-Kreislauf-Erkrankung betroffen sind, in die Studie einbezogen. Auch bei ihnen zeigte sich, dass ein höherer S1P-Spiegel im Blut zu einer niedrigeren Gerinnungsaktivität führte, die für ein verringertes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko spricht. Studie macht Hoffnung auf sichere Prävention von Schlaganfall und Herzinfarkt In der Patientenversorgung könnten diese Studienergebnisse künftig einen einzigartigen neuen Therapieansatz möglich machen. „Wir können hier auf einen körpereigenen Mechanismus zurückgreifen, der direkt in den Blutgefäßen wirkt, nicht im ganzen Körper“, erläutert Erstautor Benkhoff. „Wir schützen also vor Schlaganfällen und Herzinfarkten, ohne dabei das Blutungsrisiko zu erhöhen, welches die gängigen Blutverdünner mit sich bringen.“ Besonders für Risikopatientinnen und -Patienten, für die Blutverdünner aufgrund des hohen Blutungsrisikos nicht in Frage kommen, könnte dadurch künftig eine präventive Therapie möglich werden, wie die Forschenden einordnen. Prof. Amin Polzin, korrespondierender Autor der Studie, betont außerdem den möglichen Therapienutzen bei einem akuten Herzinfarkt. „Wir wissen aus früheren Studien, dass S1P das Herzgewebe auch bei einem akuten Infarkt direkt vor Zellschäden schützt“, ordnet er ein. „Damit erweist der Botenstoff sich als ein spannender Ansatz zur Entwicklung neuer, zielgerichteter Medikamente.“ Ebenfalls interessant zum Thema Thrombose und Blutgerinnung: Neuartiger Entzündungsmechanismus von Thrombozyten entdeckt Gemeinsame Ursache von Thrombosen und Aortenaneurysmen identifiziert Antikörper als Hauptakteure bei Thrombosen – neue Therapieansätze ohne Blutungsrisiko
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