Neuer Therapieansatz für seborrhoische Dermatitis12. November 2018 Dr. Karmveer Singh (Foto: Uniklinikum Ulm) Bei der Entstehung der seborrhoischen Dermatitis spielt der Transkriptionsfaktor JunB eine Schlüsselrolle. Das haben Dermatologen aus Ulm, Köln, Heidelberg und Rom herausgefunden. Die Haut ist das größte Organ des Menschen und bestimmt unsere äußere Erscheinung: Daher können Erkrankungen wie die seborrhoische Dermatitis die Lebensqualität Betroffener erheblich einschränken. Diese Hautkrankheit zeichnet sich nämlich durch meist schuppigen Ausschlag im Gesicht und auf der Kopfhaut aus. Einige Patienten – betroffen sind oft Säuglinge sowie Personen mittleren Alters – leiden zudem unter Juckreiz. Die Krankheitsentstehung ist bisher noch nicht vollständig verstanden. Angenommen wird ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen wie Entzündungsreaktionen auf Hefepilze sowie etwa eine genetische Prädisposition. Nun bringen Forscher um Prof. Karin Scharffetter-Kochanek, Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik Ulm für Dermatologie und Allergologie, sowie ihr Wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Karmveer Singh den Transkriptionsfaktor JunB ins Spiel. In der Haut erfüllt der Transkriptionsfaktor JunB eine wichtige Aufgabe: Er sorgt für eine Differenzierung der epidermalen Stammzellen. JunB hält die Haut also gewissermaßen im Gleichgewicht. Im Mausmodell und anhand von Verfahren wie dem Next Generation Sequencing konnten die Autoren nun zeigen: Fehlt der Transkriptionsfaktor, führt dies zu strukturellen und funktionellen Einschränkungen der Talgdrüsen und somit zu einer gestörten Lipidschicht der Haut. Genetisch veränderte Mäuse entwickeln ohne JunB vergrößerte Talgdrüsen und schließlich eine Erkrankung, die der seborrhoischen Dermatitis beim Menschen ähnelt. „Allerdings beginnt eine Unterform von Hautstammzellen, denen JunB fehlt, während der Wundheilung neue Talgdrüsen auszubilden“, erklärte Scharffetter-Kochanek. Diesen Vorgang nenne man fate switch, zu Deutsch Schicksalswende, oder Plastizität der Zelldifferenzierun, erklärte die Dermatologin. Die neuen Erkenntnisse unterstreichen die wichtige Rolle von JunB bei der Regeneration der Haut und womöglich bei der Krankheitsentstehung der seborrhoischen Dermatitis. Für die künftige Behandlung der Hauterkrankung haben die Forschungsergebnisse in jedem Fall hohe Relevanz: „Ein besseres Verständnis der Funktion des Transkriptionsfaktors JunB kann zu neuen therapeutischen Ansätzen für Patienten führen, die unter Fehlfunktionen der Talgdrüsen leiden“, sagte Singh. Insgesamt tragen die Erkenntnisse auch zu einem besseren Verständnis der Haut- und Haartalgdrüsen bei. Originalpublikation: Singh K. et al.: JunB defines functional and structural integrity of the epidermo-pilosebaceous unit in the skin. Nature Communications 2018;9:3425.
Mehr erfahren zu: "Früh geboren – Immunologisch anders programmiert" Früh geboren – Immunologisch anders programmiert Eine Studie der Kinderklinik am Universitätsklinikum Würzburg und des Uniklinikums Lübeck liefert erstmals wichtige Referenzwerte für die klinische Einordnung von Immunbefunden bei Frühgeborenen. Darüber hinaus trägt sie zum besseren Verständnis […]
Mehr erfahren zu: "Kinder, die einen Elternteil durch Überdosis oder Mord verlieren, haben selbst ein erhöhtes Mortalitätsrisiko" Kinder, die einen Elternteil durch Überdosis oder Mord verlieren, haben selbst ein erhöhtes Mortalitätsrisiko Kinder, die den Tod eines Elternteils durch eine Überdosis Drogen, ein Tötungsdelikt oder einen Suizid verkraften müssen, haben selbst ein deutlich höheres Mortalitätsrisiko als Kinder aus der Allgemeinbevölkerung. Das zeigt […]
Mehr erfahren zu: "Auch Kinder mit metabolisch gesunder Adipositas benötigen eine Behandlung" Auch Kinder mit metabolisch gesunder Adipositas benötigen eine Behandlung Auch wenn Kinder mit Adipositas keine Anzeichen für Stoffwechselkomplikationen aufweisen, haben sie dennoch ein deutlich erhöhtes Risiko, im späteren Leben an Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und abnormalen Blutfettwerten zu erkranken. Das zeigt […]