Neues Kapitel für die integrative Krebsmedizin an der MHH

Die Palliative Care Fachkraft und Pain Nurse Tatjana Zielke berät in den neuen Räumlichkeiten zu komplementären Pflegemaßnahmen. Foto: ©Karin Kaiser/MHH

Das Klaus-Bahlsen-Zentrum eröffnet neue Räume: Krebsbetroffene werden aktiver eingebunden, ganzheitlich beraten und ihre Lebensqualität gestärkt.

Viele Menschen mit einer Krebserkrankung wünschen sich, selbst einen aktiven Beitrag zu ihrem Krankheits- und Behandlungsverlauf zu leisten. Am vergangenen Donnerstag hat das Klaus-Bahlsen-Zentrum für Integrative Onkologie im Comprehensive Cancer Center (CCC) an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) seine neuen Räumlichkeiten feierlich eingeweiht. Mit einer festen Anlaufstelle, kurzen Wegen sowie der engen Verzahnung von Behandlung, Beratung und weiteren Angeboten wird die patientenorientierte Versorgung gestärkt und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen gefördert.

Bereits seit 2022 werden im Klaus-Bahlsen-Zentrum wissenschaftlich fundierte naturheilkundliche und komplementärmedizinische Therapien in Ergänzung zur konventionellen Onkologie eingesetzt. Von Beginn an wird das Zentrum von der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung unterstützt. Bisher wurden zwei Millionen Euro für die Förderperiode 2022 bis 2025 bereitgestellt. Offiziell bestätigt wurde nun eine weitere Förderung in Höhe von 1,8 Mio. Euro für die Jahre 2026 bis 2029.

Ganzheitlich und patientennah

Ziel der Integrativen Krebsmedizin ist es, Nebenwirkungen und mögliche Spätfolgen einer Tumortherapie zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. „Seit der Etablierung des Zentrums vor vier Jahren haben wir uns stetig weiterentwickelt, sodass wir unseren ganzheitlichen Ansatz, der neben körperlichen Aspekten auch psychische oder soziale Probleme einer Erkrankung berücksichtigt, konsequent weiterverfolgen können. Mit den neuen Räumlichkeiten haben wir ein optimales Umfeld geschaffen, das auf die Bedürfnisse von Krebspatientinnen und -patienten ausgerichtet ist“, sagt Prof. Diana Steinmann, Leiterin des Klaus-Bahlsen-Zentrums für Integrative Onkologie.

„Das Klaus-Bahlsen-Zentrum für Integrative Onkologie hat sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Bestandteil der onkologischen Versorgung, Forschung und Patientenunterstützung an der MHH etabliert. Für die Zukunft wollen wir die integrative, patientenzentrierte Onkologie noch weiter stärken, innovative Therapie- und Studienangebote ausbauen und damit die Verbindung von hochklassiger Forschung, moderner Krankenversorgung und verbesserter Lebensqualität für Patientinnen und Patienten konsequent vorantreiben“, erklärt Prof. Denise Hilfiker-Kleiner, Präsidentin der MHH.

Multidisziplinär und vernetzt

Das Zentrum bietet ein breites Spektrum an Unterstützungsangeboten für Menschen mit Krebs sowie deren Angehörige. Ein multidisziplinäres Team arbeitet dabei eng zusammen und verbindet verschiedene medizinische und therapeutische Fachbereiche. Zum Angebot gehören naturheilkundliche und psychoonkologische Beratungen, Ernährungs-, Sport- und Bewegungsangebote, palliativmedizinische Begleitung sowie komplementäre Pflege- und Entspannungsmaßnahmen. Ergänzt wird das Programm durch Gruppenangebote zur Stärkung der Selbstheilungskräfte sowie durch Informations- und Workshop-Reihen zu Krankheit, Wohlbefinden und Selbstmanagement. Das Klaus-Bahlsen-Zentrum kooperiert eng mit der neu gegründeten Onkologischen Interdisziplinären Ambulanz, bleibt dabei jedoch eigenständig.

Einbindung in Forschung und Studien

Die wissenschaftliche Einbindung spielt im Zentrum eine wesentliche Rolle. Mehrere Angebote des Zentrums wurden bereits evaluiert und publiziert. Aktuell beteiligt sich das Zentrum an klinischen Studien, unter anderem zur Aromapflege zur Prophylaxe einer Chemotherapie-induzierten Polyneuropathie sowie zur Verbesserung der Symptombelastung und Lebensqualität. Ziel ist es, Betroffenen Zugang zu innovativen Therapieoptionen im Rahmen wissenschaftlicher Studien zu ermöglichen.

„Unseren Stiftern galt die Sorge um die Qualität des menschlichen Lebens. Da liegt es nahe, im Bereich der Komplementärmedizin Projekte wie das Klaus-Bahlsen-Zentrum für Integrative Onkologie zu fördern. Klaus Bahlsen hätte seine wahre Freude daran,“ betont Dr. Jürgen Seja, Vorstandsvorsitzender der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung.

Deutschlandweit einzigartig

„Das Klaus-Bahlsen-Zentrum für Integrative Onkologie ist als fester Bestandteil des Comprehensive Cancer Center Hannover strukturell eingebunden und verbindet Versorgung, Forschung und Lehre in besonderer Weise. Ein großer Dank geht an die Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung für die langjährige Unterstützung, ohne die die Weiterentwicklung des Zentrums und seiner Angebote nicht möglich gewesen wäre“, betont PD Dr. Susanne Isfort, Geschäftsführerin des Comprehensive Cancer Center Hannover an der MHH.

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