Neues Projekt: CAR-NK-Zellen gegen Pankreaskarzinom, Glioblastom und AML24. August 2023 Möchte die Killerzellen der angeborenen Immunabwehr noch fitter gegen Krebs machen: Prof. Axel Schambach (links). Foto: ©Karin Kaiser / MHH Molekularmediziner Prof. Axel Schambach von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) möchte mit genetisch veränderten Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) neue Therapiemöglichkeiten gegen drei besonders bösartige Krebserkrankungen finden. Die EU fördert das Projekt „HyperTargIPS-NK“ in der Kategorie „EIC Pathfinder“ mit 3,8 Mio. Euro. Davon geht eine Million Euro an die MHH. NK-Zellen gehören zur ersten Verteidigungslinie unseres Immunsystems. Sie beseitigen von Viren befallene Zellen und Tumorzellen. Das macht NK-Zellen zu interessanten Helfern in der Krebstherapie. Schambach, Leiter des Instituts für Experimentelle Hämatologie der MHH, möchte die Immunzellen genetisch so verändern, dass sie die Tumorzellen noch sicherer aufspüren und erfolgreicher zerstören. In Kooperation mit Forschenden der dänischen Universität Kopenhagen, der schwedischen Lund-Universität und einer schwedischen Firma für Stammzelltherapeutika will er die modifizierten NK-Zellen auf drei lebensbedrohliche Krebsarten ansetzen, die eine besonders schlechte Prognose haben und für die es kaum Behandlungsmöglichkeiten gibt: Bauchspeicheldrüsenkrebs, Glioblastom und Akute Myeloische Leukämie (AML). Mehr Schlagkraft durch molekularen Abwehrschalter Die Forschenden wollen die NK-Zellen aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) gewinnen. Diese lassen sich im Labor aus „zurückprogrammierten“ Körperzellen von Erwachsenen herstellen und können dann jeden beliebigen Zelltyp des menschlichen Körpers hervorbringen – so auch NK-Zellen des angeborenen Immunsystems. Der Vorteil: die NK-Zellen lassen sich auf diese Weise schnell und in unbegrenzter Zahl herstellen und transplantieren. Doch das genügt nicht. „Die NK-Zellen müssen genetisch verändert und in einen hyperaktiven und zielgerichteteren Zustand versetzt werden, so dass sie eine höhere Zielgenauigkeit und umfassendere Zerstörung der Tumorzellen gewährleisten“, erklärt Schambach. Um die NK-Zellen zu aktivieren, erhalten sie einen genetischen Zusatzcode für den chimären Antigen-Rezeptor (CAR). Dieses künstliche Signalmolekül erkennt die Oberfläche von Tumorzellen, steuert sie als eine Art molekulares GPS-System zielgenau an und heftet sich dort mit der NK-Zelle im Schlepptau fest. Wie ein Abwehrschalter regt CAR dann die NK-Zelle an, die Krebszelle zu vernichten. „Die Hyperaktivierung verstärkt die natürliche Tumorabwehr der NK-Zellen und verleiht ihnen mehr Schlagkraft“, sagt der Molekularmediziner. Um den besten CAR-Kandidaten zu finden, testen die Forschenden verschiedene Immunschalter, die neben der Hyperaktivierung auch dafür sorgen sollen, das Überleben der NK-Zellen zu verlängern. Denn die CAR-NK-Zellen sollen nach der Transplantation vom Immunsystem der Krebskranken möglichst akzeptiert und nicht durch Abwehrreaktionen vernichtet werden. Gleichzeitig dürfen sich die transplantierten NK-Zellen nicht gegen das Immunsystem der Empfänger richten. „Deshalb suchen wir nach Immunschaltern, die an Strukturen andocken, welche sich hauptsächlich auf der Tumorzelle befinden, nicht aber auf den Immunzellen der Patientinnen und Patienten“, betont Schambach. Immununterdrückung in Tumorumgebung aufweichen Die CAR-NK-Zellen haben aber noch eine weitere Aufgabe. Sie senden Interleukine in die unmittelbare Tumorumgebung aus. Die körpereigenen Botenstoffe des Immunsystems verursachen eine Entzündungsreaktion, bei der Antitumor-Proteine wie Interferon freigesetzt werden. Dadurch rufen sie weitere Zellen des Immunsystems auf den Plan, um die Krebszellen zu bekämpfen. „Durch aktive Umgestaltung der Mikroumgebung wird der immununterdrückende Effekt im Bereich des soliden Tumors aufgeweicht, was die Zerstörung der Tumorzellen zusätzlich verbessert“, erläutert Schambach. Sind geeignete Kandidaten für die Immunschalter gefunden, werden die hyperaktivierten NK-Zellen auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit getestet. Das geschieht in Zellkultur, in operativ entferntem Tumorgewebe von Krebspatienten sowie im Mausmodell. „In diesem Projekt wollen wir den Beweis erbringen, dass die CAR-NK-basierte Krebsbehandlung ein neuer therapeutischer Weg sein kann, um die drei besonders bösartigen Krebserkrankungen erfolgreich zu behandeln“, betont Schambach. Bislang beträgt die mittlere Überlebenszeit bei einigen Tumorformen nur sechs bis 18 Monate. Die Projektpartner haben jetzt schon sichergestellt, dass die Systeme für die iPS-Anzucht, die NK-Aktivierung und die gezielte Veränderung der NK-Zell-DNA den Ansprüchen genügen, die eine klinische Anwendung erfordert. „So wollen wir erreichen, dass unsere Hyper-Targ-iPS-NK-Zellen nach erfolgreichem Abschluss der Studie bereit für eine rasche translationale Umsetzung sind und möglichst schnell als neues Therapieangebot bei den Krebspatientinnen und Krebspatienten ankommen“, sagt Schambach.
Mehr erfahren zu: "Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken" Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken Bei fünf bis zehn Prozent der Darmkrebspatienten spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Dabei ist der Anteil bei jüngeren Personen höher. Die DNA-Analyse von Darmpolypen liefert wichtige zusätzliche Informationen über die […]
Mehr erfahren zu: "Darmkrebs programmiert Immunzellen bereits im Knochenmark um" Darmkrebs programmiert Immunzellen bereits im Knochenmark um Veränderung im KRAS-Gen kommen bei Darmkrebs häufig vor. Ihre Bedeutung für die Reprogrammierung von Immunzellen im Knochenmark und damit im Tumor haben nun Forschende aus Österreich und der Schweiz entschlüsselt.
Mehr erfahren zu: "Studien zu Kopf-Hals-Tumoren: Gründe für vorzeitigen Abbruch" Studien zu Kopf-Hals-Tumoren: Gründe für vorzeitigen Abbruch Warum scheitern Studien zu Kopf-Hals-Tumoren, bevor sie Ergebnisse liefern können? Eine neue Analyse deckt die beiden häufigsten Gründe auf: Entscheidungen der Sponsoren mit Blick auf Sicherheit oder Wirksamkeit und mangelhafte […]